Sind Werte von Christentum und Islam kompatibel?

Von: Sonja Essers
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Werte-Diskussion: (von links) Christian Kuchler, Thomas Thelen, Manfred Birmans, Jasser Abou Archid und Simone Paganini. Foto: M. Jaspers

Aachen. Sind die Werte des Christentums und des Islams miteinander kompatibel? Darf sich ein christliches Europa vor der Not der Menschen abschotten und wie kann man Sorgen und Vorurteilen entgegenwirken?

Fragen wie diese wurden am Dienstag im Aachener Geschwister-Scholl-Gymnasium behandelt. Im Rahmen des Karlspreises fand dort eine Diskussionsrunde mit dem Titel „Flucht als aktuelle Herausforderung für das religiöse Europa“ statt. Das Fazit, das Schüler, Lehrer, Besucher und Experten am Ende zogen: Nur durch einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander, kann sich etwas ändern.

Das machte auch Schulleiter Jan-Dirk Zimmermann deutlich: „Das Miteinander in der Aachener Gesellschaft funktioniert nur, wenn wir die Türen aufmachen.“ Gespannt waren nicht nur die Schüler, die bereits im Vorfeld Fragen für die Diskussion ausgearbeitet hatten, sondern auch Manfred Birmans. Der ehemalige stellvertretende Schulleiter moderierte die hochkarätig besetzte Runde zu der Professor Simone Paganini (Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen), Professor Christian Kuchler (Institut für Politische Wissenschaft der RWTH) sowie Jasser Abou Archid (Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück) und Thomas Thelen (stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung) gehörten.

Dass Angst und Vorurteile zu einem immer größer werdenden Problem werden, machte Kuchler deutlich. Neu sei dieser „billige Populismus“, wie er diese Einstellung bezeichnete, allerdings nicht. „Die Vorurteile, die jetzt gegen die Flüchtlinge eingesetzt werden, sind davor gegen andere Personenkreise eingesetzt worden.“ Als Beispiele nannte er Ausländer und Hartz IV-Empfänger. An die Zukunft würde oft allerdings nicht gedacht. „Viele sehen nur, dass dafür im Moment Geld da ist, dass diese Menschen in Zukunft aber auch zum Einkommen und zur Rente beitragen können, so weit greifen die Vorurteile nicht.“

Angst sei jedoch nicht nur bei Deutschen weit verbreitet, sondern auch bei etlichen Menschen mit Migrationshintergrund. Der Grund: In den vergangenen 30 Jahren sei bereits erfolgreiche Integrationsarbeit geleistet worden. „Nun befürchten viele, dass diese Arbeit durch Klischees wie Kopftücher und Vollbärte zerstört wird“, erklärte Archid.

Paganini führte an, dass eine derartige „Krise“ aber nicht nur negative Aspekte habe. „Die Geschichte hat gezeigt, dass die Gesellschaften besser geworden sind und neue Werte entstanden sind, wo sie vorher stark vermischt worden sind.“

Handlungsbedarf bestehe jedoch bereits zum jetzigen Zeitpunkt. „Wir müssen im Gespräch bleiben, aufeinander zugehen und offen und ehrlich miteinander sein“, sagte Thelen, der Schülern und Gästen eine positives Signal mit auf den Weg gab, das auch die anderen Referenten unterstützten: „Wir schaffen das!“

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen, der Karlspreisstiftung, der Stadt Aachen und der Pax Bank stattfand, von den Schülern Marcel Felker, Daniel Dojan und Ben Kamberi. Sie präsentierten ihr musikalisches Können am Flügel.

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