Schäuble ist angespornt: mehr Europa!

Von: Albrecht Peltzer und Birgit Marschall
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Ansporn und Bestätigung: Wolf
Ansporn und Bestätigung: Wolfgang Schäuble wird am 17. Mai in Aachen den Karlspreis empfangen. Foto: imago/Metodi Popow

Aachen/Berlin. Die Diskussion war lang, sie war engagiert, sie war kontrovers. Ja, es wurde sogar in Erwägung gezogen, keinen Karlspreis 2012 zu verleihen. Die Entscheidung für den Karlspreisträger Wolfgang Schäuble fiel denn auch „nur” mehrheitlich.

„Ich freue mich”

In einer ersten Reaktion gegenüber unserer Zeitung sagte Schäuble am Sonntag, er sei davon überzeugt, „dass wir die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nur in einem gestärkten Europa werden bewältigen können - einem Europa der Vielfalt, der Stabilität und Nachhaltigkeit”.

Den Karlspreis sieht er als Ansporn und Bestätigung. „Ich freue mich über die Entscheidung und empfinde sie als eine große Ehre. Europa hat Deutschland eine zweite Chance ermöglicht. Jetzt gilt es, die europäische Einigung zu sichern und zu vertiefen.”

Am 17. Mai, so der Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Aachens Ex-Oberbürgermeister Jürgen Linden, wolle man auch ein Zeichen setzen: für mehr europäische Integration, für die Währungsunion, für die europäischen Werte. Alle diese Aspekte würden sich in Schäubles Politik vereinigen.

In der Begründung des Karlspreisdirektoriums heißt es dazu, man würdige Schäubles „herausragende Verdienste um die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas”. Er sei „Ideengeber und wichtiger Akteur bei nahezu allen Integrationsfortschritten in den vergangenen drei Jahrzehnten” gewesen und habe dabei entscheidend zur „Stabilisierung der Währungsunion und zur Vertiefung des Einigungsprozesses” beigetragen.

Das Karlspreisdirektorium sei sich darüber im Klaren, so Linden, dass Europa zurzeit in einer tiefen Krise stecke. Das Thema Finanzen überlagere alles. Sich dem nicht zu stellen, hätte als „Ausflucht” interpretiert werden können.

Daher habe die Frage nach der Zukunft des Euro, nach der Währungsunion im Fokus der seit August andauernden Diskussion um einen Karlspreisträger 2012 gestanden. Aber man dürfe Europa trotz der aktuellen Probleme nicht auf Währungsfragen reduzieren.

Wolfgang Schäuble stehe für die Lösung der aktuellen Probleme, aber er verkörpere in seinem Politikerleben auch den Werdegang Europas. Linden nannte stellvertretend die Maastrichter Verträge und die Vorbereitung auf den Euro.

Aber auch Schäubles Rolle bei der Wiedervereinigung Deutschlands, die den Weg zu einem großen geeinigten Europa geebnet habe, sei in die Begründung für den Karlspreis 2012 eingeflossen. Wolfgang Schäuble sei ein Politiker, der das politische Tagesgeschäft so maßgeblich mitgestalte, dass der Euro, dass Europa eine Chance habe.

Europa sei für Schäuble „eine Herzensangelegenheit”, die weit über fiskal- und währungspolitische Probleme hinausgehe. Wenn selbst „scharfzüngige Kritiker” wie der Philosoph Jürgen Habermas in dem dienstältesten Mitglied des Deutschen Bundestages „den letzten profilierten Europäer im Parlament sehen, dann klinge dabei auch ein „hoher Respekt” vor Schäubles Lebensleistung an, so das Karlspreisdirektorium.
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