Aachen - Regling macht sich keine Sorgen um Inflation

Regling macht sich keine Sorgen um Inflation

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
5411067.jpg
„Die Rettungsmaßnahmen wirken“: ESM-Chef Klaus Regling in Aachen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer mit derart gewaltigen Summen jongliert, sollte kühlen Kopf bewahren. Klaus Regling wird in den Medien gerne „Herr der Rettungsschirme“ genannt, weil er den beiden Institutionen vorsitzt, die dafür sorgen sollen, dass klammen Euro-Ländern nicht endgültig die Puste ausgeht: der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (kurz EFSF) und dem permanenten Europäischen Stabilitätsmechanismus (kurz ESM).

Es geht um dreistellige Milliardenbeträge, die von beiden Behörden als Kredite und Bürgschaften vergeben werden, doch Regling spricht darüber mit der Nüchternheit eines erfahrenen Krisenmanagers und kühl kalkulierenden Volkswirts – was der bisweilen emotional aufgeladenen Diskussion über die Eurokrise viel Schärfe nimmt.

Bei seinem Vortrag im Karlspreis-Rahmenprogramm im Haus der Handwerkskammer Aachen unterfütterte der 62-Jährige seine These, die Maßnahmen zur Euro-Rettung trügen erste Früchte, mit vielen Zahlen und Diagrammen. Mit politischen Bemerkungen oder Analysen hielt sich Regling zurück, nur so viel: die wesentliche Herausforderung der Zukunft sei die Bildung einer politischen Union in Europa als Fortsetzung und Weiterführung der Wirtschafts- und Währungsunion – inklusive Stärkung der Kompetenzen Brüssels.

Regling umriss vier wesentliche Bestandteile der europäischen Rettungsbemühungen:

1.) den Kampf gegen hohe Defizite und die schwache Wettbewerbsfähigkeit der Problemländer – die „schmerzhaften Einkommensverluste in der Bevölkerung“ seien dabei „unvermeidlich“;

2.) striktere Regeln für die Abstimmung von wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Europa mit dem Ziel einer Fiskalunion;

3.) die Stärkung des Bankensystems durch eine Bankenunion inklusive Aufsichtsbehörde;

4.) die finanziellen Hilfsmittel, vergeben als Kredite durch EFSF und ESM und nur unter strengen Auflagen, deren Einhaltung immer wieder kontrolliert werde. Damit werde das „über Jahrzehnte erfolgreiche IWF-Prinzip auf Europa übertragen“, sagte Regling.

Auch zum letzten Punkt gebe es keine Alternative, denn öffentliche Kreditgeber müssten einspringen, wenn Krisenländer keinen Zugang zu den Kapitalmärkten mehr hätten. So werde „Zeit gekauft für eine geordnete Anpassung der Wirtschaftspolitik“.

Und was bedeutet das für Deutschland? Regling war sichtlich bemüht, negative Konsequenzen zu relativieren. Der Bundeshaushalt werde 2013 erstmals für die Griechenlandrettung mit 730 Millionen Euro belastet – Zinsgewinne, auf die der Bund verzichtet und die bisher als paradoxer Effekt der Griechenland-Rettung an die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Europäische Zentralbank geflossen waren.

Und die öffentlichen Haushalte hätten durch die niedrigen Zinsen massiv Geld gespart. Eine Inflationsgefahr durch die lockere Geldpolitik der EZB sieht der ESM-Chef übrigens nicht: „Da habe ich keine große Sorge.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert