Porträts sollen auf Wanderschaft gehen

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
abhang_bu
Abgehängt: Die fast 60 Porträts der Karlspreisträger mussten das Treppenhaus des Rathauses verlassen und sind zurzeit im Suermondt-Ludwig-Museum eingelagert. Im Sommer waren sie Teil einer Ausstellung in Frankreich. Foto: Harald Krömer

Aachen. Jedes Jahr kam ein Porträt hinzu, bis eine richtige Galerie entstanden war: Im schönen Treppenhaus des Aachener Rathauses reihten sich die Fotos der Karlspreisträger vom Foyer bis zum Krönungssaal - Europa zum Hingucken.

Vor gut anderthalb Jahren wurden Beatrix und Juan Carlos, Adenauer und Churchill, Clinton, Blair, Frau Merkel und der Papst abgehängt, ihre insgesamt mehr als 50 Kollegen ebenfalls. Zurzeit sind die Konterfeis der Preisträger im Suermondt-Ludwig-Museum eingelagert.

Ein eher versteckter Aufenthaltsort, aber nur ein vorübergehender, wie Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreisstiftung, betont. Verabredet sei, die Porträtsammlung als Kernstück einer Wanderausstellung zum Thema Europa auf Reisen zu schicken. In vier Sprachen würden die Exponate präsentiert, so dass Gastspiele in vielen Ländern möglich seien.

10.000 Besucher

Zuletzt waren die Karlspreisträger von der Rathaustreppe in Frankreich zu sehen. Vom 19. Mai bis zum 19. September wurden sie in Scy-Chazelles gezeigt. Dort, in der Nähe von Metz, lebte Robert Schuman, der Preisträger von 1958, dort ist er auch 1963 gestorben. Das Haus des früheren französischen Außenministers und ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments dient samt Anbau schon lange als Museum und Ausstellungsstätte. Zu den Exponaten aus Aachen waren im vergangenen Sommer immerhin 10.000 Besucher nach Scy-Chazelles gepilgert.

Nächste Station könnte das Jean-Monnet-Haus südwestlich von Paris sein. Monnet war französischer Unternehmer, großer Wegbereiter der französischen Einigungsbestrebungen und Karlspreisträger von 1953. Zurzeit laufen die Verhandlungen, wie und wann es zu einer Ausstellung kommen könnte.

Die Wanderschaft der Porträts und ihre zwischenzeitliche Einlagerung im Depot bedeutet natürlich, dass sie im Rathaus nicht mehr zu sehen sind. Als das seinerzeit beschlossen wurde, gab es nicht nur Zustimmung, sondern auch viel Kritik. Begründet wurde das große Abhängen mit gleich mehreren Argumenten, insbesondere mit dem Hinweis auf die Route Charlemagne, zu deren Eckpunkten das historische Gebäude jetzt schon gehört.

Dr. Thomas Müller, Kurator der Route Charlemagne, hält die Entscheidung nach wie vor für richtig, schon aus „ganz pragmatischen Erwägungen”: Nach 60 Jahren Karlspreis sei das Treppenhaus pickepackevoll voll gewesen, für weitere Bilder habe man die Galerie wohl in den Krönungssaal verlängern müssen - „und in historischem Gemäuer herumzubohren, das ist so eine Sache”.

Demgegenüber galt das neugotische Treppenhaus immer als drittklassige Architektur, bis das große Umdenken einsetzte: Plötzlich entdeckte man die Qualitäten dieser Raumschöpfung, wollte sie - ohne Bemalung, ohne störende Vitrine, die es auch noch gab - wieder zur Geltung bringen und für sich sprechen lassen. Müller: „Die Bilder stellten dabei eine zu große Konkurrenz dar.”

Im Juni 2009 wurde das Rathaus als erste Station der Route Charlemagne fertiggestellt. Beim Rundgang durch die Räume wird viel Geschichte erfahrbar, insbesondere entlang der Themen Krieg, Frieden und Europa. Fotos und Filme gibt es zu sehen, Computersimulationen verschaffen Einblick, und auch die Karlspreisträger sind noch da: An einer Stele können ihre Fotos geklickt werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert