Mit „Herz und Überzeugung” für ganz Europa

Von: Gerald Eimer
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Das eine Europa im Blick: Wolf
Das eine Europa im Blick: Wolfgang Schäuble, der Karlspreisträger 2012. Foto: imago/Christian Thiel

Aachen. Der Karlspreis 2012 für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll vor allem als Würdigung seines Lebenswerks verstanden werden. Der 69-Jährige gehöre zu den wenigen noch aktiven Politikern, die die entscheidenden Integrationsfortschritte in Europa seit den 1980er Jahren begleitet haben, heißt es unter anderem in der Begründung des Karlspreisdirektoriums, das seine Entscheidung am Samstag bekanntgegeben hat.

Für Schäuble sei Europa eine „Herzensangelegenheit und innere Überzeugung”. Er behalte auch in der aktuellen Finanzkrise immer „das große Ganze” im Auge, unterstrich Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums.

Im Zeichen der Krise

Der Preis sei zugleich als Ermutigung gedacht, an der europäischen Fortentwicklung weiterzuarbeiten. Schäuble wird den Karlspreis am 17. Mai im Krönungssaal des Rathauses entgegennehmen.

Unumstritten war die Kür Schäubles nicht: Die Entscheidung in dem 17-köpfigen Direktorium ist mehrheitlich gefallen. Wie eng es war, darüber schweigen sich die Mitglieder traditionell aus. Es sei „sehr lange, sehr intensiv und auch sehr kontrovers diskutiert worden”, erklärte Linden. Einmal mehr habe man auch überlegt, die Preisverleihung angesichts der tiefen euoropäischen Krise ausfallen zu lassen. „Aber was wäre das für ein Signal gewesen?” fragt Linden.

Mit Schäuble zeichne man nun eine Persönlichkeit aus, die „die finanzpolitischen Währungsgeschäfte in Deutschland und in Europa maßgeblich mitgestaltet”. Zugleich sei er seit mehr als 30 Jahren ein Garant für die europäische Integration.

Die entscheidenden Fortschritte hin zum Binnenmarkt (1986), über den Einigungsvertrag (1990), den Vertrag von Maastricht (1992), den Stabilitäts- und Wachstumspakt (1996) bis hin zum Lissaboner Vertrag (2007) habe er „in verantwortlicher Position begleitet und teilweise maßgeblich mitgeprägt”. Historisch seien zudem seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung und die Neuordnung Europas.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp erklärte, Schäuble sei zutiefst von der Notwendigkeit Europas überzeugt. „Es braucht Personen, die das verkörpern.” Europa könne nur aus der Krise geführt werden, wenn man auch die „innere europäische Überzeugung” in sich trage.

Fragen von Verantwortung

Dass die Wahl des diesjährigen Karlspreisträgers weitere Debatten über die deutsche Hegemonialstellung in Europa befeuern könnte, glauben weder Linden noch Philipp: „Wer die Reihe der Preisträger durchgeht, wird keine Tendenz entdecken können, dass deutsche Preisträger bevorzugt werden”, so Philipp. Zudem gebe es auch viele Stimmen in Europa, die von Deutschland erwarten, mehr Verantwortung zu übernehmen.
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