Martin Schulz sucht auf dem Katschhof die Nähe zum Volk

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
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Martin Schulz suchte die Nähe zum Volk. Foto: Harald Krömer
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Hunderte Schaulustige versammelten sich am Mittwoch auf dem Katschhof. Foto: Harald Krömer
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Martin Schulz im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Während Peter Maffay im Krönungssaal nach dem optimalen Sound für „Über sieben Brücken musst Du geh’n“ sucht, sucht EU-Parlamentspräsident am Vorabend „seiner“ Karlspreisverleihung die Nähe zum Volk. Auf der Katschhofbühne zwischen Dom und Rathaus applaudieren hunderte Schaulustige, als Schulz im Gespräch mit Bernd Mathieu, Chefredakteur von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten, zum Mikrofon greift.

„Der Karlspreis ist der Höhepunkt meiner politischen Karriere“, bekennt der gebürtige Würselener. Und er verrät nach entsprechenden Nachfragen Mathieus, dass er bereits 1966 zum ersten Mal „die Granden“ beim Karlspreis auf der Rathaustreppe bewundert hat – weil sein Vater als Polizeibeamter an Christi Himmelfahrt ohnehin jedes Jahr Dienst hatte. Dass er die bedeutendste Auszeichnung Europas irgendwann selbst erhält? Damit habe er im Traum nie gerechnet.

Ohnehin: Die Karlspreisverleihung an ihn sei sowieso und genauso vor allem ein Kompliment an die Aachener, betont der SPD-Politiker. Nirgendwo seien der europäische Gedanke und die deutsch-französische Aussöhnung so verankert wie in der Stadt Karls des Großen, sagt er am Mittwochabend. Diese Achse der Freundschaft wird sicher beim Festakt am Donnerstag bei den Reden von Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande im Mittelpunkt stehen. Der dritte Redner, der jordanische König Abdullah II ibn Al Hussein, liege ihm ebenso sehr am Herzen, erklärt Schulz an diesem Vorabend der Preisverleihung. „Wer in einem Land mit fünf Millionen Einwohnern zusätzlich zwei Millionen Flüchtlinge aufnimmt, beweist außerordentliche Solidarität“, unterstreicht der EU-Parlamentspräsident. Ein Beispiel für Europa, für die Strategie der hiesigen Staatsoberhäupter?

Dazu fordert Schulz in erster Linie Zusammenhalt auf breiter Basis: „Ich will, dass die 507 Millionen Europäer mindestens genauso viel zu sagen haben wie die 28 Regierungschefs Europas“, fordert Schulz. Acht Staatschefs, mehrere Majestäten und die Elite der europäischen Politik werden dies am Donnerstag persönlich im Krönungssaal des Aachener Rathauses miterleben. „So eine hochkarätige Gästeliste zum Karlspreis habe ich in all den Jahrzehnten noch nie erlebt“, sagt der Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Dr. Jürgen Linden. Und Oberbürgermeister Marcel Philipp fasst unter dem Applaus der Zuschauer auf dem Katschhof zusammen, warum Martin Schulz der optimale Karlspreisträger 2015 ist: „Im Europawahljahr 2014 hat er es in herausragender Weise verstanden, die Distanz zwischen den europäischen Institutionen und den Bürgern Europas entscheidend zu verkürzen. Das ist ein außerordentlicher Verdienst“, würdigt Philipp den Preisträger.

Ab 11.15 Uhr überträgt der WDR den Festakt an Christi Himmelfahrt live; ab etwa 13 Uhr beginnt am Donnerstag das Programm auf dem Katschhof. Dann kann jeder einen Blick auf Schulz und die prominenten Gäste werfen – und vielleicht auch auf Peter Maffay.

Der lässt sich am Mittwochabend noch Zeit. 19 Uhr ist es, als der Freund von Martin Schulz mit seiner Truppe den Krönungssaal zum Soundcheck betritt. Schwarze Lederjacke, Jeans, T-Shirt mit dem Konterfei von Marc Bolan, die lila Akustikgitarre lässig über die Schulter gehängt. Unaufgeregt eben. Das kann er auch sein, weil die Aufgeregtheiten schon vorher abgearbeitet wurden. Spezielle Mikrofone müssen es sein, die in Aachen nicht erhältlich waren. Auch die Hocker für Maffay und seine beiden Gitarristen dürfen edel sein. Stückpreis 1452 Euro. Das Preisschild klebt bei der Generalprobe noch am Gestell. Die Techniker verrichten Schwerstarbeit – ziemlich viel Aufwand für „sieben Brücken“. Nur einen Song wird Maffay mit dem Sinfonieorchester bei der Karlspreisverleihung spielen. Nach der Rede von Schulz und vor der Schlussmusik, dem Te Deum von Charpentier.

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