Geilenkirchen - Karlspreis soll sich neuen Ideen öffnen

Karlspreis soll sich neuen Ideen öffnen

Von: Marco Rose
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Arbeiten am Export der Karlspreis-Idee, v.l.: Jürgen Linden, Günther Nonnenmacher und Gerd Wassenberg (Europa-Union). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Der Karlspreis im vierten Jahr der Euro-Krise: Anders soll er sein, perspektivischer, sich neuen Ideen und Regionen öffnend. Und zwar im doppelten Sinne: Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren bekommt eben kein Euro-Krisenmanager die wichtige europäische Auszeichnung, sondern Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite.

Die in Deutschland weitgehend unbekannte Politikerin steht für eine Region, die nach den Worten von Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums, eine ganz neue europäische Perspektive und Dynamik aufweist.

Gleichzeitig öffnet sich auch das Karlspreis-Rahmenprogramm. Am vergangenen Donnerstag gastiert es im Zusammenspiel mit der örtlichen Europa-Union erstmals in Geilenkirchen. Eine gelungene Premiere: Fast 200 Menschen diskutieren mit dem Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Günther Nonnenmacher, in der voll besetzen Aula des St. Ursula-Gymnasiums. Dabei ist vom Baltikum und der künftigen Karlspreisträgerin recht schnell keine Rede mehr. Erneut dominiert die Frage aller Fragen die Diskussion: Was wird aus Europa? Gibt es überhaupt noch einen Weg aus der Dauerkrise?

Es sei eine „glatte Unverschämtheit, mir diese Eine-Milliarde-Euro-Frage zu stellen“, witzelt Nonnenmacher zum Beginn seines Vortrags. Wer eindeutige Antworten erwartet hat, wird in den folgenden zwei Stunden tatsächlich enttäuscht. Der Journalist und Politologe liefert vielmehr eine blitzsaubere Analyse der europäischen Misere. Gründe für die Schieflage sieht er reichlich: Die EU sei zu schnell erweitert und der Euro zu früh eingeführt worden. Die staatsrechtliche Architektur sei eine einzige Katastrophe, auf die Sinnkrise gebe es keine Antworten.

Aber wie weitermachen in Europa? Einfache Lösungen gebe es nicht, warnt FAZ-Mann Nonnenmacher. Schon gar nicht könne eine Rückkehr zur D-Mark die Probleme lösen. Scharf verurteilt er in diesem Zusammenhang die Anti-Euro-Partei AfD und die mit ihr sympathisierenden Wirtschaftswissenschaftler: „Die Skeptiker haben Recht gehabt – damals. Jetzt wollen sie Recht behalten. Und das geht nicht!“ Ein Abschied vom Euro führe in die wirtschaftliche Katastrophe, sei ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. „Niemand kann abschätzen, was dann passiert!“

Auch ein von manchen geforderter neuer EU-Vertrag führe bloß zu weiteren Komplikationen: „Ich kann nur warnen, diese Büchse der Pandora aufzumachen!“ Martin Schulz und seine Forderung nach mehr Rechten für das Parlament? „Das ist nicht die Lösung!“ Ein Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten? „Funktioniert nicht!“

Was denn dann, Herr Nonnenmacher? Der Journalist formuliert vorsichtig: Am wahrscheinlichsten sei eine Kombination aus Rück- und Fortschritt. Weniger Europa mache in vielen Bereichen durchaus Sinn, in anderen sei mehr Europa unvermeidlich, etwa im Fall der Währungsunion. „Hier brauchen wir dringend eine engere Abstimmung auf Kosten nationaler Souveränität.“Alles in allem bestätigt der Politikwissenschaftler damit den Kurs der Bundesregierung. Deren „Stop and Go“ sei die wohl realistischste Variante einer Reformpolitik. Günther Nonnenmacher räumt aber ein, dass dies noch viel Geld und Anstrengungen kosten wird: „Europa ist jetzt schon eine Transferunion – und wird es zunehmend weiter sein.“

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