Rom - Karlspreis: Pure Freude, etwas Feierlichkeit und viele Erwartungen

Karlspreis: Pure Freude, etwas Feierlichkeit und viele Erwartungen

Von: Peter Pappert
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Aachen trifft sich auf dem Campo Santo: Jürgen Linden (l.), Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, begrüßt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (r.). Oberbürgermeister Marcel Philipp freut‘s. Foto: Michael Jaspers

Rom. „Ach, das ist ja schön, Sie zu sehen!“ „Was, seid Ihr auch hier!?“ Wirklich überrascht können die Aachener eigentlich nicht sein, die sich unter Berninis Kolonnaden und auf dem Campo Santo, dem deutschen Friedhof neben dem Petersdom, am Donnerstagnachmittag treffen. Aber in dem einen oder anderen Fall hätte man es dann vielleicht doch nicht gedacht...

Das Stimmungshoch unter den rund 450 Karlspreisfeier-Aachenern ergibt sich durch eine Mischung aus purer Freude, etwas Feierlichkeit, tollem Wetter, ein wenig Spannung und vielen Erwartungen, die sich auf den Papst richten und darauf, was er am Freitag sagen wird. Diese Erwartungen sind womöglich viel zu hoch. Das befürchtet jedenfalls Bischof Heinrich Mussinghoff: „Wie soll ein einzelner Mensch das erfüllen?“ Ja, es sei wunderschön, hier zu sein und dass der Papst den Karlspreis erhält. „Aber mutet man dem Heiligen Vater nicht zu viel zu?“

Als wolle er Mussinghoffs Sorgen bestätigen, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp bei der offiziellen Begrüßung der Aachener Delegation, alles sei zugeschnitten auf die Rede des Papstes, „von der wir uns erhoffen, dass sie nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen erreicht“. Und der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Jürgen Linden, setzt noch einen drauf: Er wünsche sich von der Karlspreisfeier ein „Signal der Stärke, des Optimismus und der Zuversicht, das ausgeht nach ganz Europa und darüber hinaus“.

Die hohen Erwartungen sind für den Aachener Kabarettisten Wendelin Haverkamp ein „Indiz für das Bewusstsein, wie verfahren die Kiste ist. Die Hoffnung ist völlig irreal. Die kann keiner erfüllen. Das ist wie bei Obama; der musste die Menschen ja enttäuschen“.

Je schlimmer die Krise, desto größer das Verlangen nach Zuversicht. Sorgen hat Europa genug. Hier und heute wollen die Aachener sich motivieren und inspirieren lassen – von diesem besonderen Mann an der Spitze der mehr als einer Milliarde Katholiken und von diesem besonderen Ort: „Roma Eterna“. Die Ewige Stadt entfaltet ihre Wirkung, wie sie es seit Jahrhunderten tut.

Manfred Birmans sitzt auf den Stufen der Kolonnaden und schaut auf den Petersplatz. Der Pädagoge, Öcher-Platt-Präsident und Aquensien-Forscher nennt sein Gefühl „ein Nach-Hause-Kommen“. Der Petersplatz drücke zwar auch ein Triumphgefühl der Kirche aus, deren Hang zur Inszenierung, die Demonstration von Macht, aber seine Aura schaffe eben auch einen „wunderbaren Ort der Begegnung von Menschen aus aller Herren Länder, die das Gleiche glauben wie ich“.

In der Kapelle des Campo Santo erinnert der Vorsitzende der Konrad-Adenauer Stiftung und frühere Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, an die Gründerväter des vereinten Europas: „im Glauben verbundene Politiker wie Konrad Adenauer und Robert Schuman, Jean Monnet und Alcide de Gasperi“. Vergebung, Versöhnung und Brüderlichkeit, Kernelemente der christlichen Lehre, seien die Grundlagen der Europäischen Union und der längsten Friedensperiode in der Geschichte Europas. Ohne christlichen Glauben sei das vereinte Europa nicht vorstellbar.

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