Karlspreis-Forum: Lebhafte Diskussion über die Lage Europas

Von: chm
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Karlspreis Symbolbild
Das Forum findet traditionell am Tag vor der Verleihung des Preises statt. Foto: dpa

Aachen. Der Karlspreisträger runzelt die Stirn und schüttelt den Kopf. Dass alle Politiker Populisten sind, will und kann er so nicht stehen lassen. Mit dieser These bringt am Mittwochvormittag der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse einige Gäste beim Karlspreis-Europa-Forum dazu, mit dem Kopf zu schütteln.

Auf dem Podium im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen diskutieren Timothy Garton Ash, Menasse und Adam Krzeminski, Publizist und Redakteur des polnischen Nachrichtenmagazins Polityka äußerst lebhaft über die Lage Europas.

Der Schweizer Journalist Roger de Weck moderiert die Debatte, die überschrieben ist mit dem Titel „Demokratische Debatte versus Populismus“. Menasse hält diese Gegenüberstellung für unglücklich, für ihn ist der Gegensatz nicht haltbar. „Populisten geben einfache Antworten auf komplexe Fragen und Themen. Das tun alle Politiker. Deswegen tue ich mich sehr schwer damit, dort die Trennlinie zu ziehen.“

Garton Ash wiederum sieht das ganz anders. „Populisten sind sehr klar zu identifizieren. Sie verwenden sehr vereinfachte, nationalistische und emotionale Narrative wie Trumps 'Make America Great again'“ , sagt er. Sie seien immer auch Nationalisten, die für sich in Anspruch nehmen, „m Namen des Volkes zu sprechen“. So beispielsweise Donald Trump in den USA oder Marine Le Pen in Frankreich.

Populisten seien zudem überzeugt, dass es keiner Gewaltenteilung bedarf, sondern sie selbst oder ihre Partei sämtliche Belange des Staates am besten vertreten - siehe Recep Tayyip Erdogan in der Türkei.  Und Populisten würden immer eine klare Linie ziehen: Das „Wir“ einerseits und „die“ andererseits. So etwa „die“ Elite, „die“ Medien oder auch „die“ Migranten. „An dieser Sprechweise sind Populisten deutlich zu erkennen.“

Auch Krzeminski widerspricht Menasse. In deutlich abgemilderter Form lässt er dessen These gelten. „Die meisten Politiker benutzen populistische Argumente, auch wenn sie keine Populisten sind.“ Sehr einig waren sich die drei Teilnehmer der Debatte in einem Punkt: Europa bleibt ein Friedenswerk.

Für das Karlspreis-Europa-Forum ist es übrigens eine Premiere: Mit Timothy Garton Ash nimmt erstmals ein designierter Karlspreisträger an der Debatte am Vormittag teil. Das Forum findet traditionell am Tag vor der Verleihung des Preises statt, meist kommen die jeweiligen Preisträger erst am Nachmittag hinzu. In diesem Jahr steht das Forum unter dem Motto „Die Welt im Umbruch. Schmerzhafte Kursbestimmung für die EU“.

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