Karlspreis: Entscheidung möglicherweise später

Von: Heiner Hautermans
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Aachen. „Diesmal ist es sehr, sehr schwer.” Dr. Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreis-Direktoriums, beschreibt mit diesem Stoßseufzer die diesjährige Suche nach einem Karlspreisträger.

Die Eurokrise wirke sich auch auf die Wahl 2012 aus. „Die Finanzkrise überlagert alles, so dass sich die Suche nach einer Persönlichkeit mit einer Vision für die Zukunft Europas schwieriger gestaltet.”

Dennoch sei er guten Mutes und werde man sich traditionsgemäß am zweiten Wochenende im Dezember wieder zu einer Klausurtagung zurückziehen, kündigte Linden weiter an. Üblicherweise werde man an diesem Wochenende, diesmal der 10. und 11. Dezember, ein Name bekanntgegeben. Diesmal könne es jedoch sein, dass man in die Verlängerung gehe. Linden hofft allerdings, dass man noch im Dezember Vollzug melden kann.

Zeitgleich findet nämlich in London der europäische Gipfel statt: „Wir behalten uns vor, darauf zu schauen und zu prüfen, ob ein verwendbares Ergebnis im Sinne des Karlspreises zu finden ist.” Angesicht der gegenwärtigen Hektik auf dem europäischen Parkett könne es dann sein, „dass wir die Entscheidung später bekanntgeben”.

Linden ist jedoch zuversichtlich, dass man sich auf einen geeigneten Preisträger verständigen werde: „Wir tagen laufend.” Zwar sei der Euro ein zentraler Punkt für den Zusammenhalt Europas, dennoch habe des Direktorium „eine ganze Reihe weiterer europäischer Themen im Blick”, die nicht jeden Abend im Fernsehen zu sehen seien.

Als Beispiele nennt Linden den Nord-Süd-Dialog, etwa den Umgang mit Afrika oder den Dialog mit der arabischen Welt, auch die innereuropäische Frage nach der „Integration der neuen Europäer”.

Ausdrücklich würdigte der Alt-Oberbürgermeister die Wahl An-drea Ricardis zum Minister für Integration und internationale Zusammenarbeit in der italienischen Übergangsregierung. Diese Wahl mache ihn ein bisschen stolz und sei ein Zeichen dafür, dass dem Direktorium Europa als Wertegemeinschaft immer wichtig sei: „Wenn solch ein Mann mit diesen ethischen Grundsätzen in die Regierung eines Landes gewählt wird, dessen Spitze moralisch abgewirtschaftet hat, kann man nur sagen, dass wir damals die richtige Wahl getroffen haben.” Ricardi hatte im Jahr 2009 den Internationalen Karlspreis zu Aachen bekommen.

Könnte es sein, dass es irgendwann einen chinesischen Karlspreisträger geben wird, etwa wenn das Reich der Mitte dazu beiträgt, dass der Euro-Rettungsschirm Europa vor dem Zerfallen rettet? Linden kann sich das kaum vorstellen: „In absehbarer Zeit sicher nicht.” Schließlich sei der Karlspreis ein europäischer Preis und werde Persönlichkeiten verliehen, die sich um Europa verdient gemacht haben. Allerdings sei er kein Hellsehen und könne nicht für die nächsten 100 Jahre sprechen.

Und wie geht es dem Menschen Jürgen Linden? Der damals dienstälteste Oberbürgermeister der Bundesrepublik (1989 bis 2009) war im Oktober 2009 nicht mehr angetreten und arbeitet seitdem in einer großen Kanzlei als Rechtsanwalt. Gut, antwortet der 64-Jährige: „Ich habe lange gebraucht, aber nach einer gewissen Umstellungszeit ist es schön.”

Reihe von Aufgaben

Das neue Lebens sei etwas völlig anderes, jetzt mache er etwa die Erfahrung von freien Abenden oder Wochenenden, könne auch länger schlafen. Er habe aber noch eine ganze Reihe von interessanten Aufgaben, sowohl beruflich als auch ehrenamtlich: „Jetzt bin ich angekommen.”
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