Aachen - Islam zwischen Gewalt, Pluralität und Heiliger Schrift

Islam zwischen Gewalt, Pluralität und Heiliger Schrift

Von: pep
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Dialog: Moderator Wolfgang G. Lerch (Mitte) umgeben (von links) von den drei Religionsvertretern Aiman Mazyek, Oded Horowitz und Nikolaus Schneider sowie Karlspreis-Sprecher Jürgen Linden. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Drei Repräsentanten, die engagiert für und über ihre jeweilige Religionsgemeinschaft sprechen, die das Gemeinsame von Juden, Christen und Muslimen suchen und praktizieren, die dabei aber auch an Grenzen stoßen.

Sie waren eingeladen von den Rotary-Clubs der Region Aachen und der Karlspreisstiftung, um über Europas Werte zu diskutieren; und immerhin 500 Interessierte kamen dazu in den Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Kombattanten: Als solche wurden sie vom Moderator, dem Journalisten Wolfgang G. Lerch, vorgestellt, wobei es dann gar nicht so kämpferisch wurde: Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oded Horowitz, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden vom Nordrhein, und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

Dialog: Bei allem Respekt für den Glauben der Muslime stellt Schneider die Frage, ob sich der Islam kulturell und intellektuell so auf der Höhe der Zeit befindet, „dass er im gesellschaftlichen Dialog auf Augenhöhe ist“. Mazyek geht es „nicht nur um Religion, sondern darum, was Gläubige daraus machen“. Juden und Muslime seien in der Geschichte oft gut miteinander ausgekommen, sagt Horowitz, es gebe viele Gemeinsamkeiten, „aber in den letzten Jahren auch belastende Einflüsse von außen“, durch die die Spontanität des Miteinanders verloren gehe. „Die gute Atmosphäre wird gestört durch Extremisten.“

Pluralität: Eine Religion, die sich nicht auf Gegenwart und Gesellschaft beziehe, habe keine Bedeutung, warnt Schneider. „Pluralität zu schätzen, haben die christlichen Kirchen lernen müssen.“ Schneider setzt auf Freiheit: „Der Staat ist säkular; religiöse Wahrheit wird nicht staatlich durchgesetzt. Gott sei Dank ist das so.“ Ob diese Maßgabe auf die muslimische Welt übertragbar ist, bleibt in der Diskussion offen. Als Moderator Lerch beklagt, die persönliche Freiheit, zu denken und sein Leben zu entfalten, werde in der islamischen Welt häufig unterdrückt, ruft Mazyek ihn auf, „den Schützengraben zu verlassen“.

Gewalt: Mazyek wehrt sich dagegen, islamistische Gewaltakte mit seiner Religion zu identifizieren: „Die treten die islamischen Werte mit Füßen.“ Die Massenmorde des norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik würden auch nicht dem Christentum zugerechnet. „Die meisten Opfer der Islamisten sind Muslime.“ Bei der Frage nach Ursachen von Unruhen und Gewalt in der islamischen Welt sieht Mazyek Einzeltäter, sozialen und gesellschaftlichen Sprengstoff, aber kaum Bezüge zur Religion.

Heilige Schriften: „Die Bibel enthält Gottes Wort und ist zugleich Menschenwort. Der Koran ist Gottes Wort – nach weitgehender muslimischer Überzeugung“ und diktiere ungebrochen göttliche Wahrheit, meint Schneider. Der Islam habe Probleme, „mit der Modernität zu gehen und die Schrift weiterzuentwickeln“. Mazyek betrachtet den Koran als Weckruf und setzt auf „Wettbewerb um das Gute“.

Angst: Viele könnten nicht unterscheiden „zwischen 99,9 Prozent friedliebender Muslime und 0,1 Prozent gewalttätiger Muslime“, sagt Mazyek. „Religion wird missbraucht.“ Einig ist er sich mit Schneider darin, dass einzelne Menschen Selbstwertgefühl und Sicherheit in der bewussten Abgrenzung von anderen finden.

Antisemitismus: Horowitz sieht neben dem festgefügten „rechts­gesteuerten Antisemitismus“ mittlerweile auch einen solchen, „der von Einzelnen mit muslimischem Hintergrund“ kommt. Antise­mitismus zeige sich „vor allem dort, wo es keine Juden gibt, wo man sie nicht kennt“. Dagegen helfe letztlich nur Erziehung und Bildung.

Meinungsfreiheit: Mazyek plädiert für eine ausgewogene Balance zwischen Meinungsfreiheit und dem Respekt vor religiösen Gefühlen. „Es gibt berechtigte Tabus, die zum Nachdenken zwingen.“ Zu stellen sei immer die Frage, „wohin es führt, wenn Grenzen überschritten werden“.

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