Aachen - Europa ist immer davon betroffen, was in Afrika passiert

Europa ist immer davon betroffen, was in Afrika passiert

Von: Isabelle Hennes
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Es waren zwar nicht viele Gäste, die den Weg am Mittwochabend zur Bischöflichen Akademie gefunden hatten, dafür aber sehr interessierte.

Die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen hatte zu Vortrag und Diskussion zum Thema „Europa ist nicht nur für Europa da. Die Arbeit der großen Hilfswerke und das Prinzip Verantwortung” im Rahmen der Karlspreisverleihung geladen. Referenten waren Bärbel Dieckmann, Vorsitzende der Welthungerhilfe, Norbert Nagler, Leiter der Abteilung Bildung bei Missio, und Armin Paasch, Misereor-Experte für Welthandel und Ernährung.

Rund 935 Millionen Menschen leiden weltweit Hunger - welche Verantwortung kommt Europa zu? „Wir beeinflussen die Situation in den Entwicklungsländern”, stellte Bärbel Dieckmann zu Beginn ihres Vortrags klar. Und: Durch die geografische Lage sei Europa immer davon betroffen, was in Afrika passiert. Dieckmann nannte konkrete Beispiele, wie die Menschen in den Industrienationen die Situation der Menschen in den Entwicklungsländern beeinflussen. Ein Grund sei die Lebensmittelverschwendung. Dabei gehe es in erster Linie nicht um die Lebensmittel an sich, sondern um die Ressourcen, die zur Herstellung notwendig sind. „Wenn wir nichts wegschmeißen, bedeutet das nicht, dass die Probleme gelöst wären”, sagte sie, „aber es wären eine bessere Umverteilung der Ressourcen möglich und eine Beeinflussung der Rohstoffpreise.”

Als weiteren Grund nannte sie das von Industrieländern betriebene sogenannte Land Grabbing, das Aneignen von Land mit zweifelhaften Mitteln. „Den Menschen wird ihr Land von europäischen Investoren abgekauft, die Familien vertrieben”, berichtete Dieckmann. Obwohl sie ihre Felder seit Generationen bestellen, können sie das nicht nachweisen, weil es kein Kataster gibt. Hunger sei immer eine Folge von Armut. „Diejenigen, die Geld haben, können sich Nahrungsmittel leisten”, sagte sie. Deshalb liege der Schwerpunkt der Welthungerhilfe in der Investition in Landwirtschaft.

„Das altbekannte Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe kann nicht damit erreicht werden, dem Landwirt eine Angel zu geben”, sagte Paasch. Die Arbeit von Misereor fokussiere sich daher auf die Handelspolitik Europas. Ginge es nach der Europäischen Union, solle der Markt in Indien für den Einzelhandel geöffnet werden. Viele indische Arbeitsplätze wären bedroht. „Das Recht auf Nahrung muss geschützt werden, auch, wenn das zu Gewinneinbußen von deutschen Unternehmen führt”, sagte Paasch.

Nagler hatte einen Film mitgebracht, der zeigte, wie immer wieder viele junge Senegalesen bei dem Fluchtversuch nach Europa mit ihrem Fischerboot ums Leben kommen. Die Menschen in Europa müssten sich entscheiden, ob sie eine Festung errichten wollen, oder in einem Ermöglichungsspielraum leben wollen.
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