Ein Geburtstagsfest „ganz im Sinne des Vaters”

Von: Wolfgang Schumacher
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Als der Chor Carmina Mundi das Deutschlandlied anstimmte, standen alle geschlossen auf.

Aachen. Der „Randersackerer Ewig Leben”, 2005, ein roter Bocksbeutelwein aus Franken, kam gut an bei Bundespräsident Horst Köhler. Nach einer wirklich festlichen Feierstunde mit einer ausgezeichneten Köhler-Rede zum 60. Geburtstag des Internationalen Aachener Karlspreises im Krönungsaal des Rathauses brachte Gastronom Hans Holland im Weißen Saal einen Tropfen auf den Tisch, der in sich guten Stil und historischen Bezug vereinte.

„Der Randersackerer ist ein Kitzinger. Dort in Franken war vor 1200 Jahren eines von Kaiser Karls Anbaugebieten”, belehrte der wissende Holland. „Der ordnete damals an, den Weinanbau kontrolliert zu reduzieren, weil das bessere Rebsorten schafft. Es war die Vorstufe des französischen Markenzeichens Appellation d´Origine Contrôlé”.

Stolz und Genugtuung

Womit der gebürtige Niederländer in der Krönungsstadt Aachen mit grenzgängerischer Leichtigkeit den Bogen zum europäischen Einigungsgedanken schlug.

Vorher waren die gut 500 Festgäste im Krönungssaal am Ende der Feierstunde, die vom Kammerorchester der städtischen Musikschule (Leitung Thomas Beaujean) umrahmt wurde, geschlossen aufgestanden, als der Chor Carmina Mundi (Leitung Harald Nickoll) das Deutschlandlied intonierte. Natürlich folgte auf dem Fuße, vom Orchester gespielt, die Europahymne - wie es sich auch fraglos in Aachen gehört.

Jost Pfeiffer, Sohn des Karlspreisbegründers Kurt Pfeiffer, blickte im Weißen Saal später stolz und mit Genugtuung auf die illustren Gäste. Altbundespräsident Walter Scheel, inzwischen 90, stand dort mit Gattin Barbara neben dem aktuellen Amtsinhaber Horst Köhler, den seine Frau Eva Luise begleitete.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hätte aus dem Stand eine kleine Kabinettsbesprechung machen können. Sein Aachener Minister Armin Laschet war selbstredend vor Ort, ebenso der NRW-Innenminister Ingo Wolf und die in den letzten Wochen wegen des Gefängnisausbruchs in der Aachener Soers heftig ins mediale Schussfeld geratene Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter.

Pfeiffer empfand die Veranstaltung „ganz im Sinne” des Vaters, hatte doch Köhler ausdrücklich das bürgerschaftliche Engagement der Karlspreisgründer hervorgehoben und ihren - in der unmittelbaren Nachkriegszeit - erstaunlich querdenkerischen Geist gelobt.

„Aber es ging den couragierten Bürgern um Dr. Pfeiffer darum zu zeigen”, beschrieb der Bundespräsident jene Gruppe, „dass sie nicht auf die große Politik warten wollten, dass sie aus der Geschichte gelernt hatten. ,Nie wieder Krieg hatten sie sich auf die Fahnen geschrieben.”

Dabei vergaß Jost Pfeiffer nicht, die erste im Rahmen einer Karlspreisveranstaltung gehaltene Rede des neuen Oberbürgermeisters Marcel Philipp hervorzuheben. Ja, es stimme, Köhler habe eine ausgezeichnete Rede gehalten. Allerdings „auch der Oberbürgermeister”, ergänzte der CDU-Ehrenvorsitzende spontan. Über den jungen Philipp hatte sich ebenso Rüttgers wohlwollend geäußert: „Der macht das prima.”

Philipp nutzte in der Tat die politische Bühne des Karlspreises und bat als allererstes den Bundespräsidenten nach dessen schneeumtoster Ankunft zu einem Zehn-Minuten-Talk in sein Amtszimmer im Rathausparterre. Erst dann ging´s hoch in den vollbesetzten Krönungssaal.

Unerwähnt darf nicht bleiben, dass sich der langjährige Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Prof. Walter Eversheim, in seiner Schlussansprache verabschiedete: „Nach Kurt Pfeiffer selbst und seinen Nachfolgern Jean Louis Schrader und Hugo Cadenbach war es mir, einem Maschinenbauingenieur, nicht in die Wiege gelegt, es einmal zu bekleiden. Aber es war mir eine Ehre und zugleich ein Freude.”

Nun sei mit Oberbürgermeister a.D. Jürgen Linden ein Jüngerer an der Reihe. Linden tritt jetzt das Amt des Direktoriumssprechers an und wird als erste Handlung Mitte Januar den aktuellen Preisträger 2010 verkünden dürfen.

„Verjüngung” und die allseits benötigte Kraft der - fehlenden - Jugend war über Passagen auch Thema des Bundespräsidenten. Angesichts jener generellen Klage fand Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt am Ende deutliche Worte: „Ich habe Jürgen Linden als neuen Sprecher aufgefordert, zur kommenden Verleihungszeremonie 100 Jugendliche einzuladen.” Kurz nach 13 Uhr verschwanden Horst Köhler samt Sicherheitsgarde wieder im dichten Schneetreiben.
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