„Der leibhaftige Papst – Gänsehaut pur“: Öcher Tage in Rom

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Erst für Karlspreisträger Papst Franziskus, dann für die gut 450-köpfige Aachener Delegation gesungen: die Abordnung des Aachener Domchors unter der Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet beim Empfang. Foto: Jaspers, Herrmann
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Abschlussmesse im Campo Santo Teutonico: (v.l.) Domkapitular Hans-Günther Vienken, Dompropst Manfred von Holtum, Aachens emeritierter Bischof Heinrich Mussinghoff und Prälat Herbert Hammans
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Einzigartiges Erlebnis: Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums, seine Gattin Maria sowie Georg Helg und Ehefrau Sophie (l.).
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Die deutsche Botschafterin Annette Schavan (l.) und Aachens Protokollchefin Claudia Wellen stießen auf hervorragende Zusammenarbeit an.
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NRW-CDU-Chef Armin Laschet, Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt, Schauspielerin Liz Baffoe und Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker.
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Freundlicher Austausch: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bert Wirtz, Präsident der Industrie- und Handelskammer Aachen.
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Beeindruckend: Domchor-Solist Markus Krings erntete viel Beifall.

Aachen. Am Sonntagnachmittag war Marcel Philipp quasi wieder tiefenentspannt. „Ein sonniger Sonntag im Kreis der Familie – das erdet enorm“, sagt der Oberbürgermeister. Natürlich: Die Gedanken gehen auch im privaten Umfeld häufig an diesen „außergewöhnlichen Karlspreis“ zurück. Die Öcher Tage in Rom – sie finden auch bei Philipp einen ganz besonderen Platz in der eigenen Biografie.

Der OB schwärmt: Von der „menschlichen Wärme“ und der „grandiosen Ausstrahlung“, die Papst Franziskus die Menschen habe spüren lassen. Und er betont sofort auch die „hervorragende Arbeit“ aller, die diesen Karlspreis vorbereit und vor Ort betreut haben. „Das war ja in vielen Dingen überhaupt nicht mit einem Karlspreis wie in Aachen zu vergleichen.“ Was sich schon in Details dokumentieren würde. Details, die einem ganz schön zu schaffen machen.

Zum Beispiel dieses: In Aachen bereitet sich Philipp in Zusammenarbeit mit dem WDR auf seine Rede vor, die technischen Dinge werden durchgesprochen, Mikrofonprobe inklusive. „In Rom stand wenige Sekunden vor meiner Rede noch nicht einmal ein Pult da“, erzählte Philipp am Sonntag. „Das machte mich schon besonders nervös.“ Und ganz ehrlich: Entspannt genießen konnte er die Zeremonie nicht – „man achtet schon sehr darauf, keine Fehler zu machen“.

Und am Tag danach? Da richten der OB und sein Stab den Blick darauf, welchen Nachklang dieser Karlspreis in den Medien bekommt. Es auf fast alle Titelseiten zu schaffen, sei schon nicht schlecht, so Philipp. Und er weiß: „So groß kriegen wir das so schnell nicht wieder hin.“ Sogar die Einschaltquoten im Fernsehen sind beachtlich: Im ZDF verfolgten deutschlandweit 450.000 Zuschauer die Live-Übertragung mit Karlspreisträger Papst Franziskus aus Rom, im WDR-Fernsehen waren es noch einmal 40.000 Menschen. Der bayerische Rundfunk sendet auch live – konnte aber am Wochenende die eigene Einschaltquote nicht herausfinden.

Die Karlspreis-Feierlichkeiten waren am Samstag mit einer Heiligen Messe im Campo Santo Teutonico zu Ende gegangen, die Aachens emeritierter Bischof Heinrich Mussinghoff zelebrierte. Er betonte noch einmal die Kernbotschaft des Karlspreisträgers: Ein europäischer Humanismus sei jetzt gefragt, der die Würde und die Grundrechte der Menschen in den Vordergrund rücke und sich klar gegen ungezügelten Kapitalismus und Konsum stelle.

Auch die Messe wurde von der Kammerbesetzung des Aachener Domchors unter der Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet gestaltet – wobei der Solist und Mundartpreisträger Markus Krings besonderen Beifall erntete. Dompropst Manfred von Holtum zeigte sich „tief beeindruckt von der unkomplizierten, warmherzigen Persönlichkeit des Papstes“. Er nutzte die Gelegenheit, Franziskus – wie einige andere Delegationsteilnehmer – die Hand zu schütteln. Dabei lud von Holtum den Papst nach Deutschland und in den Aachener Dom, die Marienkirche Karls des Großen, ein. Dies habe sich Franziskus mit einem „freundlichen Lächeln angehört“, teilte das Domkapitel am Sonntag mit.

„Das war ein sehr emotionaler Gottesdienst – besonders als alle ‚Urbs Aquensis‘ angestimmt haben“, sagt Aachens Protokollchefin Claudia Wellen. „Ich werde aber nie den Moment vergessen, als der Papst zum ersten Mal leibhaftig auf mich zuging – das war Gänsehaut pur“, so Wellen, die bereits Dutzende gekrönte Häupter und Staatschefs persönlich bei Karlspreisen begleitete. „Das Protokoll des Vatikans war eine besondere Herausforderung – auch weil zum Beispiel der Abfahrtsort unserer zehn Busse für die ganze Delegation vom Vatikan Richtung Deutsche Botschaft mehrfach geändert wurde“, schilderte sie am Sonntag.

Dort trafen sich Wirtschaftsgrößen wie der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Bert Wirtz, und Lambertz-Inhaber Hermann Bühlbecker mit politischen Persönlichkeiten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt und prominenten Showstars – etwa Schauspielerin Liz Baffoe. Das Credo in der 450-köpfigen Aachener Delegation, die größtenteils am Sonntag aus der Ewigen in die Kaiserstadt zurückkehrte war einhellig: „Ein großartiges Erlebnis, eine perfekte Organisation, ein phänomenales ‚Wir-Gefühl‘ in der Aachener Delegation“, lobt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting. Herbert Sliwinski, Geschäftsführer der Aachener Parkhaus-Gesellschaft (Apag), fügt hinzu: „Das war eine Veranstaltung, die tief unter die Haut ging: die Messe im Petersdom, die Verleihung an einen so bescheidenen Papst, der uns vorlebt, was es bedeutet, Frieden zu leben, Mensch zu sein – großartig“, sagt er.

Norbert Hermanns, Vorstandvorsitzender der Landmarken AG, resümiert: „Gerade hier im frühsommerlichen Rom, wo die Geschichte Europas wie an kaum einem anderen Ort spürbar ist, war die Verleihung des Karlspreises ein besonders bewegendes und motivierendes Erlebnis – einzigartig.“ Auch bei den Gottesdiensten: „Der soweit verbreiteten Angst und Panik in Europa wurde im Petersdom schon vor der Karlspreisverleihung eindrucksvoll das biblische ‚Fürchtet Euch nicht‘ entgegengesetzt“, betont Hermanns. Der Papst sei Beispiel und Vorbild für gelebten Humanismus.

Das unterstreicht auch die CDU-Landtagsabgeordnete und Aachener CDU-Chefin Ulla Thönnissen: „Mich hat vor allem sehr beeindruckt, welche Barmherzigkeit und Güte Papst Franziskus verkörpert. Man hat den Eindruck, dass er das ganze Protokoll und den Pomp um sich herum überhaupt nicht braucht. Er wirkt aus sich heraus.“ CDU-Landesvorsitzender Armin Laschet: „Es macht einen als Aachener schon stolz, dass eine Aachener Initiative wie der Karlspreis Anlass für so viele europäische Spitzenpolitiker war, nach Rom zu kommen, um vom Papst ermutigende Worte für die europäische Entwicklung zu hören.“

Unterm Strich bleiben also – allen Schattenseiten in Europas Krise zum Trotz – (fast) nur sonnige Aussichten nach der Karlspreisverleihung an Papst Franziskus. Was Kabarettist Wendelin Haverkamp nach der Rom-Reise so beschreibt: „Seit rund 50 Jahren bin ich in unregelmäßigen Abständen in Rom, und jedesmal besuche ich den Campo Santo Teutonico. Aber so intensiv wie dieses Jahr habe ich das noch nie erlebt: Der eigene Domchor singt. Der eigene Bischof predigt. Gesichter von Freunden rundum, als gäb‘s im Knipp jetzt Tramezzini. Ob Franziskus Europa wirklich helfen kann, darüber mag man streiten. Aber mir hat er schon geholfen.“

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