Nur wer dauernd unterwegs war, konnte herrschen

Von: Sabine Rother
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Frank Pohle ist Kurator der Ausstellung „Orte der Macht“. Zusammen mit seinem Team hat er sich viele unterschiedliche Wege der Vermittlung einfallen lassen. Foto: Michael Jaspers
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Spatha (Latein für „Langschwert“) ist ein zweischneidiges, vorwiegend zum Hieb konzipiertes, einhändig geführtes Schwert mit gerader, etwa 80 Zentimeter langer Klinge. Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert waren Klingen, die den Namenszug „Ulfberth“ oder eine abgewandelte Form davon tragen, in Europa verbreitet. Eines dieser Exemplare – ein Fund aus Mannheim – wird in Aachen zu sehen sein. Foto: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
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In Warendorf wurden diese Thorshämmer aus dem 8. Jahrhundert gefunden. Das Zeichen für den Donnergott Thor galt bei den Germanen als Symbol für Stärke, Tatkraft und hohes Alter. Foto: Westfälisches Museum für Archäologie

Aachen. Herrschen in einer Zeit ohne Mobiltelefon, Internet und E-Mail? Wie das funktionieren konnte, zeigt die Schau „Orte der Macht“ im Krönungssaal des Aachener Rathauses. „Es ist erstaunlich, dass es Karl der Große geschafft hat, dieses Riesenreich zu beherrschen“, sagt Frank Pohle, Kurator der flächenmäßig größten Präsentation im Aachener Ausstellungs-Marathon zum 1200. Todestag des Franken.

Karl wusste genau, dass er auf Dauer nur durch einem straffen Verwaltungsapparat und nicht zuletzt durch persönliche Präsenz die Zügel in der Hand behalten konnte.

Mit diesem Herrscher musste man jederzeit rechnen. Das Reisekönigtum, eine beschwerliche, jedoch effektive Form der Macht- erhaltung und des Machtausbaus, wird in dieser Ausstellung anschaulich beschrieben. Durch „Itinerare“, die Verzeichnisse der Reiserouten, kann man bis heute die Wege des Königstrosses nachvollziehen. Mit ihm zog Karl der Große von Pfalz zu Pfalz, hielt Gericht, sorgte für zivile Rechtsprechung und installierte getreue lokale Verantwortungsträger an neuralgischen Punkten einer Region – etwa in Grenznähe oder wo sich Widerstand regte.

Reisen war gleichfalls für Fürsten und Bürger, Pilger, Händler und Diplomaten eine mühsame Angelegenheit. Die Kopie des Dagobertthrons, einer zusammenklappbaren Sitzgelegenheit, zeigt, dass das Prinzip des Campingstuhls keine Idee der Neuzeit ist. Wo auch immer der König Hof hielt, wurden Urkunden ausgestellt. Die Ortsangaben und Datierungen zeigen, wie aktiv der Herrscher war.

Die Rethel-Fresken

In den spannenden Parcours der Ausstellung hat Pohle auch den mächtigen Fresken-Zyklus von Alfred Rethel zum Leben Karls des Großen einbezogen. „Diese Fresken besitzen starkes Eigengewicht in diesem Raum, den wir ansonsten völlig verwandeln. Sie liefern einen guten Eindruck von der Karlsrezeption im 19. Jahrhundert und gehören dazu“, sagt Pohle. Und hier hat er eine Idee, wie sich Historie und Moderne verbinden lassen: Man legt „Lichtmasken“ über die dargestellten Szenen, unter denen Schriftbänder mit deutsch-englischen Erklärungen verraten, wer da gerade „umrandet“ aufleuchtet. „Ein bisschen wie bei der TV-Dokumentation 1000 Meisterwerke“, verrät der Kurator.

Multimediale Elemente erleichtern den Zugang, Texte können an Monitoren gelesen werden und manche darf man sogar in die Hand nehmen – etwa das in braunen Stoff eingebundene „Capitulare de Villis“ mit seinen Anbauvorschriften vom Apfel bis zur Zwiebel. „Ein Faksimile, das sich anfasst wie das Original“, verspricht der Kurator, der den „Orten der Macht“ Leben geben wird – etwa durch den „Spatenschuh“ des mittelalterlichen Bauern und das Handwerkszeug von Maurern, Glasern, Glockengießern und Baumeistern. „Alles diente letztlich dem Bild von Aachen als Nabel der Welt“, sagt Pohle.

Der Besucher wird bereits im Treppenhaus eingestimmt. An den Fenstern des Erkers, von dem aus einst Albrecht Dürer den Dom gezeichnet hat, kann man Daten zum Leben Karls entdecken. „Jeder versteht sofort, dass er auf dem richtigen Weg ist.“ Vorbei am Reiter im Kettenhemd, ausgestattet mit Schwert und Flügellanze, geht es hinein in die fränkische Welt um 800. „Durch eine Ausgrabung in Niedersachsen wissen wir, wie zur Zeit Karls des Großen geritten wurde“, berichtet Pohle. Der 2000 im Landkreis Lüneburg entdeckte „Rullsdorfer Sattel“ gilt als erster rekonstruierter Sattel des 8. Jahrhunderts.

Machtausübung bedeutete militärische Ausstattung. Karl der Große hat sich intensiv der Erneuerung dieses Bereichs gewidmet. Er brauchte Kämpfer. Aber wer zu Ehren gelangen wollte, musste es sich leisten können, denn die Ausrüstung bezahlte jeder Ritter aus der eigenen Tasche.

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