Als Karl die Aachener Quellen wiederentdeckte...

Von: Martina Feldhaus
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Fiebern der Eröffnung des Centre Charlemagne entgegen: Myriam Kroll und Gerd Wagner vom Aachener Kulturbetrieb. Hinter ihnen erstreckt sich die Dauerausstellung im ehemaligen Parkgeschoss. Foto: Harald Krömer

Aachen. Um Karl den Großen ranken sich viele Mythen. Unter anderem auch dieser: Der karolingische Kaiser ist Ende des 8. Jahrhunderts irgendwo bei Aachen auf der Jagd, Hunde begleiten ihn, er sitzt – wie es sich gehört – hoch zu Ross. Da scheut sein Pferd plötzlich, schlägt aus, und schnell bemerkt der große Karl auch warum.

Sein Pferd hat eine der heißen Aachener Quellen wiederentdeckt.  Das Wasser fließt und sprudelt aus dem Boden, eingefasst in altes Gemäuer aus der Römerzeit.

So oder so ähnlich muss es gewesen sein, jedenfalls wenn es nach einem Kalk- und Sandsteinrelief aus dem Jahre 1879 geht. Das bildet genau diese Szene – die Wiederentdeckung der Quellen durch Karl – nach. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts schmückte es die Fassade des Ungarnbades in der Buchkremerstraße. Nach dessen Abriss 1973 landete das Relief im Keller des heutigen Aachen-Fensters, vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen.

„Wir zeigen es den Aachenern jetzt wieder“, sagt Myriam Kroll. Sie ist Kuratorin bei der Stadt Aachen und als solche mitverantwortlich für die inhaltliche Ausgestaltung des Centre Charlemagne, des neuen Stadtmuseums für Aachen am Katschhof, das in wenigen Tagen eröffnet wird. Sie steht am Beginn der 800 Quadratmeter großen Dauerausstellung des Centre, die in Zukunft Aachen-Touristen einen knackigen, multimedialen Einblick in Karls Leben, das seiner Nachfolger und Aachens Entwicklung über die Jahrhunderte gibt.

Eins von vielen Exponaten

Und los geht es da eben mit den heißen Quellen, die dafür sorgten, dass sich die Römer und später auch Karl in Aachen ziemlich wohl fühlten. Das Relief aus dem 19. Jahrhundert ist eines aus einer ganzen Reihe von Exponaten, die für das Centre Charlemagne in den vergangenen Jahren zusammengetragen und gesammelt wurden. Die Ausstellungsstücke sind Leihgaben von Privatpersonen, lange nicht gezeigte historische Exponate aus Aachen oder auch speziell für die Ausstellung angefertigte Nachbildungen.

Das Relief beeindruckt nicht nur durch seine Verklärung des Kaisers – heute sieht man die Quellen-Entdeckung von Karl wohl eher mit einem Augenzwinkern, sondern auch durch sein Gewicht. „Das wiegt ganze zwei Tonnen“, sagt Kroll. „Damit es hier stehen kann, musste ein extra verstärktes Podest gebaut werden. Und auch der Boden wurde an dieser Stelle verstärkt.“

Weniger mit Gewicht, sondern mit filigraner Handwerksarbeit beeindruckt das Triclinium-Mosaik einige Meter weiter im Inneren der Ausstellung. Es zeigt Petrus, der die weltliche und geistliche Macht an Karl den Großen sowie Papst Leo III. übergibt. Kroll: „Das Original ist in Rom am Lateranpalast angebracht, es ist ein Teilbild dieses riesigen Mosaiks in 17 Metern Höhe“.

Kroll und ihr Kollege Gerd Wagner, beim städtischen Kulturbetrieb zuständig für die Route Charlemagne, wollten das Triclinium-Mosaik unbedingt als Nachbildung im Centre dabei haben. „Im Dom spielen Mosaike ja auch eine wichtige Rolle“, erklärt Kuratorin Kroll. „Und heute geht man davon aus, dass Karl der Große Fachleute aus Italien nach Aachen holte, um die Steine hier vor Ort produzieren zu lassen.“

Monatelange Kleinstarbeit

Die Stadt dagegen hat sich Mosaik-Experten aus Sachsen gesucht, die das Bild fürs Centre nachgebildet haben: Klaus-Peter und Anne Dyroff, Vater und Tochter. In monatelanger Kleinstarbeit haben sie hunderte Glassteine mit eingelassenen Farbpigmenten Stück für Stück zusammengesetzt. Eine Prozedur, die nicht viele beherrschen. Wagner: „Das sind wirklich Mosaik-Künstler aus Leidenschaft.“

Ein drittes besonderes Exponat zeigt Myriam Kroll in der zweiten Hälfte der Ausstellung, dort, wo in Vitrinen und an Multimedia-Stationen von Aachen in französischer und preußischer Zeit erzählt wird. Mittendrin: eine „Empire-Uhr“, die Napoleon 1804 dem Aachener Nadelfabrikanten Laurenz Jecker schenkte.

Jeckers Ururenkel hat die Uhr als Dauerleihgabe dem Centre übergeben. Sie zeigt – neben einem vergoldeten Zifferblatt – eine Damen-Figur; es handelt sich dabei um Urania, die Muse der Astronomie, die sich lesend auf einem Tagesbett ausruht. Auf einem Beistelltischchen stehen Gefäße, vielleicht mit Leckereien.

„Wir wissen nicht genau, ob Napoleon selbst oder ein Bote die Uhr an Laurenz Jecker übergeben hat“, erklärt Kroll. Sehr wahrscheinlich aber hängt die Schenkung damit zusammen, dass Jecker Wert auf Bildung legte. So ermöglichte er in seiner Fabrik arbeitenden Kindern neben der Arbeit den Schulbesuch. Die Uhr symbolisiert in der Ausstellung die französische Zeit in Aachen, außerdem die Zeit der Industrialisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Relief, Mosaik und Uhr: Das sind nur einige der vielen Exponate im neuen Stadtmuseum. Eine der ältesten Stadtkarten – ein bemaltes Leinentuch von 1570 – hängt dort ebenso wie eine Nachbildung des sogenannten Schlusssteins aus dem Aachener Dom; auch hier ist natürlich Karl der Große zu sehen.

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