Von langen Schlangen, Lesehilfen und Lupen

Von: die
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Schlange stehen, um den Augeninndendruck prüfen zu lassen: Mit diesem Gerät misst ihn der Experte im kleinen Seminarraum.

Aachen. Großer Andrang im kleinen Seminarraum: „Da bist du ja“, sagt Reiner Wirsching zu seinem Freund Hubert Decker. „Ich suche dich, wie die Nadel im Heuhaufen.“ Wirsching, Stammgast im Forum Medizin, hat am Dienstag seinen Freund überredet mitzukommen.

„Ansonsten ist mir das Sofa lieber“, sagt Decker, „aber das Thema Augen interessiert mich sehr.“ Also informiert er sich mit mehreren Hundert Besuchern im Vorprogramm „Rat und Hilfe“ im Uniklinikum Aachen.

Skatspiel für Blinde

„Da stellen wir uns aber nicht an“, sagt Wirsching und zeigt auf die Menschenschlange, die sich gebildet hat. Diese Besucher wollen ihren Augeninnendruck messen lassen. Parallel dazu verläuft eine zweite Schlange, ihr Ziel: ein Netzhaut-Scan. Augenärzte der Uniklinik messen den ganzen Nachmittag. Der Direktor der Augenklinik, Professor Peter Walter, begrüßt die Besucher und staunt über den Andrang. Assistenzarzt Nikolaos Mamas erklärt, warum die Messungen wichtig sind. Mit dem Netzhaut-Scan können Ärzte Erkrankungen wie Makuladegeneration erkennen. Ein hoher Augeninnendruck kann auf Grünen Star hinweisen.

„Ich bin froh, dass ich so früh hier war“, sagt eine Frau mit Rollator, die geduldig wartet. Wirsching und Decker verzichten auf die kostenlosen Messungen. Sie schauen sich lieber an, was die Firma „Barrierefreie Medien“ aus Düren mitgebracht hat. Wirsching fasst die bunten Figuren an, die auf einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett stehen. Weil sie unterschiedliche Formen haben, können auch Blinde damit spielen. Genauso wie mit dem laminierten Skatspiel mit Blindenschrift. Gleich daneben mustern zwei Frauen gerade eine sprechende Küchenwaage.

Etwas versteckt hinter den Menschenschlangen steht Markus Georg von der Firma „inclusion-barrierefrei“ aus Bonn. Auf seinem Tisch liegen farbige Platten mit Noppen. „Wir kombinieren hier ein visuelles und ein taktiles Leitsystem“, sagt er. So ein System kann vor Stufen oder Treppen warnen. Oder im Klinikum den Patienten den Weg weisen. Und zwar sowohl sehbehinderten Menschen als auch Normalsichtigen.

Lupen und andere Lesehilfen zeigen Vertreter der Augenoptikerinnung an einem anderen langen Tisch. „Das ist Technik, die fasziniert“, sagt eine Frau. Gleichzeitig kritisiert sie, dass die Anwendung mit den zwölf Knöpfen nicht so einfach sei. „Da muss man sich erst dran gewöhnen“, gibt der Optiker zu.

Viele Fragen zum Grauen Star beantworten Julia Robertz, Augenoptikermeisterin, und Céline Peters, Medizinische Fachangestellte, vom Augen Centrum Dreiländereck. „Die Patienten fragen, welche Linsen es gibt und was die Krankenkasse übernimmt.“ Darüber gibt gegenüber auch Jürgen Meyer von der AOK den Patienten Auskunft. Grundlage sei immer die Verordnung vom Arzt.

Zwischen den Messgeräten vertritt Karl-Albert Eßer an seinem Stand das Berufsförderungswerk Düren. Das berät Menschen, die nach einer Erkrankung schlechter oder gar nicht mehr sehen können. „Wenn ein Lkw-Fahrer Telefonist werden soll, ist das eine krasse Umstellung.“ In anderen Fällen hilft eine Vergrößerungssoftware oder ein Lesegerät für die Arbeit am PC.

„Ich komme wieder, wenn ein Thema wieder meine Gesundheit betrifft“, sagt Hubert Decker. „In deinem Alter betrifft dich fast alles“, sagt Reiner Wirsching. Und dann gehen die beiden Freunde noch einen Kaffee trinken, bevor das Forum Medizin im großen Hörsaal 4 beginnt.

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