Medizinforum: 99 Foren, das neue und mehr

Von: Sabine Rother
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Bewegung tut gut: Bei „Aachen
Bewegung tut gut: Bei „Aachens größter Sprechstunde” erfährt das Publikum interessante Neuigkeiten und kann häufig selbst aktiv werden - wenn es heißt: „Alle aufstehen, jetzt wird geturnt.” Foto: Ralf Roeger

Aachen. Was mit schmerzhaften „Gallensteinen” im Kleinen Hörsaal 6 des Universitätsklinikums Aachen im Januar 1993 begann, hat sich rasch zu „Aachens größter Sprechstunde” entwickelt: Das Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen startet am 13. November, 18 Uhr, in seine 100.

Veranstaltung - diesmal zum facettenreichen Motto „Von Kopf bis Fuß”, das den Gästen dieses besonderen Abends vielschichtige Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Längst ist der Hörsaal 6 zu klein geworden für die große Zahl interessierter Zuhörerinnen und Zuhörer, die oft nicht nur den Großen Hörsaal 4 bis auf den letzten Platz gefüllt haben. Immer wieder sorgte das Technik-Team des Klinikums dafür, dass die Veranstaltung zudem auf die riesige Leinwand in Hörsaal 3 übertragen wurde. Themen wie „Herzinfarkt & Schlaganfall” oder „Das alternde Gehirn”, „Depressionen” und „Fußprobleme” bewegten rund 800 Menschen pro Abend. Von 1993 bis 2012 trafen Hunderte von Referenten auf mehrere tausend Forum-Besucher, die hier ihre drängenden Fragen stellen konnten.

Dabei wurde am Referententisch bei der engagierten Suche nach Antworten heftig diskutiert: Nicht nur Ärztinnen und Ärzte des Klinikums stellten sich zur Verfügung. Auch Mediziner des Luisenhospitals, des Alexianer- und Franziskuskrankenhauses sowie des Marienhospitals, zahlreiche niedergelassene Fachärzte und Ärzte aus Kliniken der Region (unter anderem Düren, Würselen, Eschweiler) sorgten dafür, dass Themen umfassend beleuchtet werden konnten.

Und das war nicht immer leicht, denn das AZ-Forum, das vier bis sechs Mal im Jahr stattfindet, widmet sich häufig brisanten Themen wie etwa der bis heute noch rätselhaften Schmerzkrankheit Fibromyalgie und, neusten Forschungen zur Krebstherapie und Themen mit Diskussionspotenzial - etwa „Nutzen und Risiko moderner Diagnostik”, „Sucht und Abhängigkeit”, „Blut” oder „Künstliche Materialien”. Mit großer Besorgnis beobachten viele Menschen eine Zunahme demenzieller Erkrankungen. Kann man vorbeugen? Was tun, wenn sie ausbrechen? Fragen, die mögliche Betroffene und pflegende Angehörige gleichermaßen beunruhigen. Im AZ-Forum durfte man sie aussprechen.

Das Prinzip der Veranstaltungsreihe stand von Anfang an fest: Zeitlich begrenzte Beiträge der Referenten und viel Raum für Fragen und Anmerkungen des Publikums. Immer wieder sorgten Angehörige jener Berufsgruppen für wichtige Informationen, die vielfach Behandlungskonzepte der Mediziner erst möglich machen. Was wäre ein Orthopäde, der den Patienten mit einer neuen Hüfte oder einem Kniegelenk versorgt, ohne den Physiotherapeuten? Wie findet ein Diabetiker ohne Diabetes-Team die richtige Hilfe?

Ernährungsfragen und die Sorge um Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotin und Alkohol ziehen sich wie ein roter Faden durch 99 Veranstaltungen. Besonders dann, wenn von Volksleiden oder Wohlstandserkrankungen die Rede ist, stellt sich heraus, dass das „süße Leben” mit überhöhten Blutdruck- und Cholesterinwerten nicht unproblematisch ist. Übermäßige Pfunde drücken auf Gelenke, schädigen Organe und sorgen - zum Beispiel beim der Stoffwechsel des dicken Bauches - für ein erhöhtes Krebsrisiko. Andererseits: Das AZ-Forum Medizin möchte immer wieder neu Mut machen, nach neuen Wegen suchen und Lebensfreude bewahren. „Darf ich denn jetzt gar keine Butter mehr Essen?”, so die Frage einer besorgten Zuhörerin, als es um fettarme Ernährung nach einem überstandenen Herzinfarkt ging. „Natürlich gehört Butter zum Croissant, was denn sonst!” lautete damals die Antwort von Ernährungsberater und Buchautor Sven-David Müller, und prompt ging ein Aufatmen durch den voll besetzten Hörsaal.

Schwindel

Als es 1996 um die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Schwindels ging, erzählte ein älterer Herr von seinem Urlaub: „Ich bin ohne meine Frau auf einen Berg gestiegen, dort war mein Schwindel plötzlich wie weg!” Kommentar von Allgemeinmedizinerin und AZ-Forum-Mitgründerin Professor Dr. Waltraut Kruse: „Vielleicht sollten sie einmal öfter einmal etwas ohne Ihre Frau unternehmen...” Heitere Momente gab es in allen 99 Veranstaltungen - selbst bei sehr ernsten Themen - immer wieder.

Seit 2011 können sich Interessierte im Rahmen des Vorprogramms „Rat & Hilfe” im Seminarraum informieren, wo vom Biomarkt-Stand mit frischen Möhren, Honig und Käse bis zur Akupunktur alles möglich war, Tests zur Gehirnfunktion stattfanden, lebensrettende Herzmassage geübt und gesunde Quarkcreme gekostet wurde. Zum Thema „Rücken” kümmerte sich die gesamte Schule für Physiotherapie um die Gäste. Im Parcours eines Sportstudios konnte man den Umgang mit dem Gym-Stick ausprobieren oder bei den Mitarbeiterinnen einer Praxis für Orthopädie per Spezialwasserwaage die Längen der Beine messen lassen. Nah am Menschen - das Forum bleibt seinem Motto treu. Dazu gehören spontan organisierte Abende wie 2009 das Spezial-Forum zur Schweinegrippe. Die Planungen für 2013 laufen.



Am Dienstag, 13. November, 18 Uhr, steht das 100. AZ-Forum Medizin im Hörsaal 4 des Universitätsklinikums Aachen, Pauwelsstraße 30, unter dem Motto „Von Kopf bis Fuß”. Der Eintritt ist frei.

„Plötzlich 100” betitelt Professor Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, seinen Beitrag, in dem er heiter-nachdenklich auf Menschliches und Allzu-Menschliches eingeht, ganz unter der Devise: „Die Fröhlichkeit entsteht immer im Augenblick.”

Wendelin Haverkamp, Aachener Kabarettist und Kolumnist unserer Zeitung, wird vom „Westzipfler” berichten, der nicht nur Gewerbegebiete, Städteregionen und Fußballstadien planen kann: „Genial geht er auch mit seiner Gesundheit um”, gibt Haverkamp einen Vorgeschmack auf seinen Vortrag unter dem Motto: „Dat mach ich!”

Chefredakteur Bernd Mathieu und Moderatorin Sabine Rother treffen sich in Talkrunden mit Gästen wie Professor Dr. Volker Schumpelick, ehemaliger Direktor der Klinik für Chirurgie und Mitgründer der AZ-Veranstaltung, Professor Dr. Thomas H. Ittel, Ärztlicher Direktor des Klinikums, und Dr. Walter Hartmann, Allgemeinmediziner mit viel Erfahrung und langjähriger Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung.
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