Medizin-Forum: Spannende Einblicke von Experten mit Durchblick

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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29. Januar 2013 Forum Medizin der Aachener Zeitung Copyright Ralf Roeger

Aachen. Wir sehen Sterne im Universum, die Lichtjahre entfernt sind. Wir sehen eine Ameise, die wenige Zentimeter vor uns im Gras krabbelt. Wir sehen Millionen unterschiedlicher Farben, und wir sehen den klitzekleinsten Lichtstrahl, der ins dunkle Zimmer fällt. Vorausgesetzt, unser Sehsinn funktioniert.

Menschen verlassen sich wie selbstverständlich auf ihre Augen. Was aber tun, wenn die Sehkraft im Alter nachlässt, nach einer Verletzung beeinträchtigt ist oder die Augen erkranken? Fünf Experten haben am Dienstagabend beim AZ-Forum Medizin darum über „Neue Erkenntnisse in der Augenheilkunde“ gesprochen.

Eine Woche zu früh

Unsere Redakteurin Sabine Rother begrüßt die rund 500 Gäste zum 101. Forum im Hörsaal 4 des Aachener Uniklinikums. „Ich war vorige Woche schon hier“, sagt Anna Maria Hollmeyer, die in Reihe 6 sitzt. Die Dame vom Empfang klärte sie auf, dass sie eine Woche zu früh war. „Das kommt davon, wenn man Zeitungsartikel nur halb liest“, sagt Hollmeyer, die selbst betroffen ist. So wie viele der Forumsbesucher. „Ich werde wahrscheinlich um eine Operation wegen meines Grauen Stars nicht herumkommen.“

Beim Augenarzt wartet Hollmeyer oft lange. Darum geht sie gerne ins Forum Medizin, in die größte Sprechstunde der Region. Hier kommt sie direkt dran. Zusammen mit den anderen Besuchern. Und höchstpersönlich beim Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Aachen, Professor Dr. Peter Walter. „Halten Sie mal abwechselnd das eine und das andere Auge zu“, sagt er. „Sie werden merken, dass die Sehstärke unterschiedlich ist.“ „Stimmt“, sagt Hollmeyer. „Und ich glaube, meine Gläser stimmen nicht mehr.“ Die Stärke reicht aber aus, um die Referenten auf dem Podium zu mustern. „Auch Augenärzte tragen Brillen“, sagt die Frau, deren Brillengläser getönt sind.

Fragen stellt Hollmeyer selbst nicht. Auch wenn dazu reichlich Gelegenheit wäre. Sie hört lieber zu. Zum Beispiel, wie Dr. Gernot Rößler, Oberarzt in der Augenklinik im Uniklinikum, von einem Diagnose-Implantat erzählt, das in Zukunft Glaukom-Patienten helfen könnte. „Zum Glück gibt es da neue Erkenntnisse“, sagt Hollmeyer. Noch lehnt sie sich entspannt zurück auf ihrem grünen Klappstuhl.

Das ändert sich schlagartig, als es um den Grauen Star geht. Jetzt sitzt Anna Maria Hollmeyer auf der Stuhlkante und schaut verängstigt auf das Bild einer Injektion am Auge. „Viele Patienten haben Angst vor dieser Art der Betäubung“, sagt Dr. Stephan Kohnen, Ärztlicher Leiter des Augen Cen-trums Dreiländereck in Aachen. Hollmeyer nickt. Die Alternative beruhigt sie: Tropfen zum Betäuben. Kohnen zeigt Bilder von der Operation, bei der die menschliche Linse herausoperiert und eine künstliche eingesetzt wird. Es sind Aufnahmen, die einige Besucher erschrecken. Auf der anderen Seite machen sie Hoffnung. Weil diese Operation Patienten helfen kann, ihre Sehkraft zurückzubekommen. Vielleicht auch Hollmeyer eines Tages.

Nicht alle Patienten haben dieses Glück. „Wenn die Brille nicht mehr ausreicht“, sagt Andreas Haveneth, Optikermeister in Aachen, der neben den Ärzten auf dem Podium sitzt, „müssen Sie über andere Hilfen nachdenken.“ Als Neuheit stellt er ein Lesegerät vor, in dem eine elektronische Kamera ein Livebild aufnimmt.

Nach praktischen Lösungen sucht auch Markus Georg, Geschäftsführer des Unternehmens „inclusion-barrierefrei“ aus Bonn. Er will mit taktilen Leitsystemen, vielen Kontrasten und ausreichender Beleuchtung seine Umwelt barrierefrei gestalten. Angestoßen durch seine eigene Erkrankung. „Ich leide an Retinitis pigmentosa. Dabei wird mein Gesichtsfeld immer mehr eingeschränkt“, sagt Georg. „Wie schrecklich“, sagt Hollmeyer.

Eine Geschäftsidee

Doch Georg hat aus seinem Schicksal eine Geschäftsidee gemacht und überlegt, was kommt, wenn die Medizin nicht mehr weiter weiß. Auch eine Forumsbesucherin kämpft mit der Praxis als Sehbehinderte: „Was soll ich tun, wenn in Aachen eine Gegend mal wieder schlecht beleuchtet ist?“ Einfach bei der Stadt nachfragen, rät Georg, und bitten nachzumessen, ob die Beleuchtung ausreichend ist.

Speziell ist auch der Fall einer anderen Besucherin. Ihr Sohn leide an Uvetitis. „Was ist das denn?“, fragt Hollmeyer leise, die zwei Reihen hinter der Mutter sitzt. Und als ob Augenarzt Rößler ihre Frage gehört hätte, sagt er: „Das ist eine Entzündung im Auge, die häufig mit Cortisonpräparaten behandelt wird.“ Und sein Kollege Kohnen führt fort: „Mit einem Cortison-Implantat können Sie gezielt an der Stelle ansetzen und den restlichen Körper schonen.“ Um Nebenwirkungen, an denen der Junge leidet, zu reduzieren. Dann wieder hört Hollmeyer von Erkrankungen, die sie kennt und die viele Besucher betreffen. Neben dem Grauen Star, dem häufigsten Grund für schlechtes Sehen im Alter, sind das Formen von Makuladegeneration. Ob ein erkrankter Besucher sein Leben lang mit Spritzen leben muss, kann auch Professor Walter nicht beantworten. Manche seiner Patienten spritzt er drei Mal und sie müssen nie wieder kommen. Andere aber schon. Eine Krankheit, viele Einzelfälle.

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