Kalkschulter, Maus-Arm und gekrümmte Finger

Von: Sabine Rother
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Schmerzen und Bewegungseinschränkungen: „Von der Schulter bis zu den Fingerspitzen“ lautet das Motto beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Uniklinikum Aachen am Dienstag, 21. Juli, 18 Uhr im Hörsaal 4 des Klinikums, Pauwelsstraße. Sechs Experten geben Rat und Auskunft. Der Eintritt ist frei. Ab 15 Uhr „Rat & Hilfe“ im Seminarraum. Foto: stock/Sebastian Kaulitzki/Collage Hans-Gerd Claßen

Aachen. Warum sammelt sich Kalk im Inneren der Schultersehne? Wie kommt es dazu, dass sich einzelne oder mehrere Finger immer mehr in Richtung Hand-Innenfläche krümmen, und wie entsteht ein „Tennis-Arm“ bei Leuten, die gar nicht Tennis spielen?

Diesen und vielen anderen Problemen geht das Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 21. Juli, 18 Uhr, im Hörsaal 4 nach.

Zum komplexen Thema „Von der Schulter bis zu den Fingerspitzen“ informieren sechs Experten über den neuesten Stand der Forschung und beantworten Fragen des Publikums. Bereits ab 15 Uhr können sich Interessierte im „Seminarraum“ (Nähe Hörsaal/ausgeschildert) informieren, an Tests, Untersuchungen und Bewegungsangeboten teilnehmen (Programm siehe Artikel unten auf dieser Seite). Dabei sind vom Uniklinikum Aachen die Professoren Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, und Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie, sowie Dr. Felix Graf Stenbock-Fermor, niedergelassener Facharzt für Orthopädie, Dr. Norbert Corsten, Praxisklinik Orthopädie Franziskushospital, Niklas Haberstroh, Unfallchirurg am Luisenhospital Aachen, und Anne Gehrmann, Physiotherapeutin mit Praxis in Aachen.

Gärtner, Sportler, Autofans

„Häufig klagen Patienten, dass ihnen einfach alles weh tut, Schulter, Arm, Hand, da muss man nachforschen, wo die Ursachen liegen“, weiß Felix Graf Stenbock-Fermor aus der alltäglichen Praxis. „Da gibt es leidenschaftliche Gärtner, Leute, die oft an ihren Autos schrauben oder eine Sportart bevorzugen und sich damit überfordern.“ Und wenn ein Auslöser identifiziert ist? „Ohne Mithilfe des Patienten geht es nicht“, sagt Stenbock-Fermor.

Das bestätigt Physiotherapeutin Anne Gehrmann. Schulter, Arm und Hand lenken für sie neben dem medizinischen Aspekt den Blick in die Geschichte der Evolution: „Es ist eine Ur-Bewegung, die Hand zum Mund zu führen, da ist die Koordination ganz wichtig“, meint die Therapeutin. „Nicht zuletzt sorgen die Hände für die Verbindung zur Außenwelt, berühren, greifen und loslassen begleiten unsere Sprache., unsere gesamte Entwicklung.“

Die Schulter, das beweglichste Gelenk des Menschen, das von zahlreichen Muskeln und Sehnen geführt wird, ist anfällig für Entzündungen, Verschleiß und Verletzungen. Bis zu 250.000 Schulteroperationen gibt es pro Jahr in Deutschland. Geräte wie iPad und Tablet-PC, die eine unnatürliche Haltung verursachen, steigern Nacken- und Schulterbeschwerden.

„Bei Unfällen kommt es häufig zur Verletzung der Rotatoren-Manschette“, sagt Unfallchirurg Hans-Christoph Pape. Nicht zuletzt ein verändertes Freizeitverhalten mit verletzungsintensiven Trendsportarten ist für zahlreiche Schulterverletzungen dieser Art verantwortlich. Gleichfalls Menschen (darunter viele im fortgeschrittenen Alter), die durch Gangunsicherheit stolpern und stürzen, verletzen sich in diesem Bereich. Häufig ist zudem Verschleiß die Ursache für Probleme. „Rheumatische Erkrankungen schädigen und verändern das Gelenk“, weiß Orthopäde Markus Tingart. „Wir bemühen uns um den Gelenkerhalt, es gibt Möglichkeiten, Gelenkflächen zu überkronen, ein Gelenkersatz ist eher seltener.“

Ob Tennis- oder Golfer-Ellenbogen – oft ist der Sehnenansatz der Unterarmmuskulatur betroffen. „Es kommt zur Reizung des Ellennervs, zu Bänder- und Sehnenverletzungen“, erklärt Norbert Corsten. „Heutzutage sprechen wir vom Mausarm, der durch die Arbeit mit Computer und Computer-Maus entsteht.“ Verletzungen können mehrstündige Operationen nach sich ziehen, wie Corsten erläutert – etwa bei Splitterbrüchen, beim Bruch des Radius-Köpfchens im Ellenbogen, das unter anderem die Umwendebewegung von Arm und Hand ermöglicht, oder beim Abriss der dortigen Sehne. „Extrem schmerzhaft ist eine Schleimbeutelentzündung in Schulter und Ellenbogen“, meint Corsten.

Die häufigsten Brüche, die ein erwachsener Mensch erleiden kann, betreffen Hand und Handgelenk – etwa die „Distale Radiusfraktur“, ein Bruch der Speiche nahe dem Handgelenk, oder der Bruch des „Kahnbeins“ nahe der Handwurzel. „Eine Einschränkung im Bereich der Hände betrifft das ganze Leben, deshalb ist es wichtig, den Betroffenen so schnell wie möglich wieder üben zu lassen“, betont Unfallchirurg Niklas Haberstroh. Banal erscheinende Schnittverletzungen können ernste Folgen haben, wenn Sehnen und Nerven betroffen sind.

Nicht schmerzhaft, aber dennoch extrem behindernd wirkt sich „Morbus Dupuyten“ aus – in Deutschland sind über 1,3 Millionen davon betroffen: Es kommt zur Veränderung und damit Verhärtung des Bindegewebes der Hand. Hierdurch lassen sich nach und nach einzelne Finger nicht mehr strecken und krümmen sich in Richtung Handinnenfläche.

Titanplättchen für die Hand

Degenerative Erkrankungen wie Rheuma wirken sich gleichfalls auf die Gelenke der Finger aus, sorgen für Schmerzen und Deformationen. Mit Implantaten – Titanplättchen, die maximal zwei bis drei Millimeter dünn sind – hat man inzwischen gute Erfahrungen, wenn es darum geht, die kleinen Gelenke der Finger zu erhalten. Wann ist diese Therapie sinnvoll? Beim AZ-Forum Medizin können all diese Fragen gestellt werden.

Der Eintritt ist frei.

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