Aachen - Inkontinenz beim Forum Medizin: Krankheit nicht verschleppen

Inkontinenz beim Forum Medizin: Krankheit nicht verschleppen

Von: Maria Enders
Letzte Aktualisierung:
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Aufmerksame Zuhörer: An medizinischen Themen interessierte Laien haben im aktuellen Forum zum Thema Inkontinenz gelernt, dass es in unserer Region ein gut funktionierendes Netzwerk gibt, das am Uniklinikum Aachen angesiedelt ist. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wenn Ihnen ab sofort Menschen begegnen, die den Satz „Kaiser Karl konnte keine Kümmelkerne kauen” - natürlich mit besonderer Betonung der Ks - sprechen, rufen Sie nicht den Arzt! Diese Menschen waren in der größten Sprechstunde der Region, dem Forum Medizin von Uniklinikum Aachen und Aachener Zeitung. Das Thema: Inkontinenz.

Die kompetenten Fachleute aus Medizin und Pflege auf dem Podium waren der Einladung von AZ-Redakteurin und Moderatorin Sabine Rother gerne gefolgt. Jürgen Förster, Physiotherapeut am Klinikum Aachen, war der Mann fürs Praktische. Wie man mit Kaiser Karl den Beckenmodenmuskel trainiert, durfte das Forum vor Ort ausprobieren. Und dann hatte der Physiotherapeut auch noch den einen oder anderen Rat für die Praxis. Beispiel: Staubsaugen.

Wer seinen Urinaltrakt schonen will, sollte diese Tätigkeit nicht extrem gebückt verrichten. Oder Beispiel: Niesen und Husten. Wer die Hand vor den Mund hält, sich dabei zur Seite dreht und nach hinten schaut, ist erstens sozialverträglicher und zweitens auf einem guten Weg, wichtige Muskeln zu stärken.

So nahmen auch bei diesem Forum Patienten wieder viele neue Erkenntnisse mit. Ein Überblick:

Immer wieder hört man vom Konkurrenzdruck bei Ärzten, von Wettbewerb, der zunimmt. Das Forum Medizin zum Thema Inkontinenz war ein Beweis fürs Gegenteil. Die Teilnehmer konnten glaubhaft versichern, dass es bei Diagnose und Therapie von Harn- und Stuhlinkontinenz in dieser Region ein gut funktionierendes Netzwerk gibt. Dass dies funktioniert ist auch darauf zurückzuführen, dass es das Interdisziplinäre Kontinenzentrum am Universitätsklinikum Aachen gibt. Dort arbeiten Fachärzte (unter Federführung von Frauen!) aus fünf Disziplinen Hand in Hand.

Das ist deshalb wichtig, weil es durchaus verschiedene Ursachen für eine Inkontinenz geben kann und dementsprechend alternierende Therapieansätze. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern in der Region, mit niedergelassenen Urologen und Gynäkologen wurde als gut bezeichnet.

Eine Aufforderung der Forumsteilnehmer lautete: Wenn zum Beispiel der Gynäkologe einen anderen Therapievorschlag unterbreitet als der Urologe, kann das Kontinenzzentrum eine sinnvolle Anlaufstelle sein.

Und wie ist das mit der Behandlung von Inkontinenz? Besonders wichtig, ist - auch da herrschte interdisziplinäre Einigkeit - die möglichst frühe Behandlung durch den Arzt des Vertrauens und die Stärkung oder Wiederherstellung des Halteapparats durch eine Gymnastik des Beckenbodens.

Hier sind vor allem Ausdauer und Geduld gefragt. Nicht verschwiegen wurde aber, dass dies nicht immer zum Erfolg führen kann. Bei einer Totalentfernung der Prostata zum Beispiel. Wenn da Nervenzellen mitverschwinden - was durchaus passieren kann - hilft auch eine Beckenbodengymnastik nicht. Eine Operation ist oftmals der letzte Ausweg bei der Behandlung einer Inkontinenz. Aber auch hier stehen immer mehr und immer schonendere Verfahren zur Verfügung.


Noch ein Tipp des Podiums für den Patientenalltag: Manche Medikamente sind besonders harntreibend. Es lohnt sich also, den persönlichen Pillencocktail mit dem Hausarzt daraufhin zu überprüfen.

Wer zu Hilfs- und Pflegemitteln Fragen hat, sollte das immer direkt mit seiner Krankenkasse klären. Dazu forderte Wolfgang Blumenthal von der AOK Rheinland/Hamburg, stellvertretend für seine Kollegen bei den anderen Krankenkassen, auf. Ein ausführliches Faltblatt zum Thema mit vielen interessanten Informationen liegt im übrigen für Sie in den Zweigstellen unserer Zeitung bereit.

Und wenn Ihnen Menschen begegnen, die konzentriert den Satz „Kaiser Karl...” sprechen, trainieren Sie doch einfach mit!

Diese Termine sollten Sie vormerken: Das nächste Forum Medizin findet am 19. Mai, 18 Uhr, statt. Das Thema lautet „Gefährliche Attacke: Hörsturz”. Am 27. Juni veranstaltet das Interdisziplinäre Kontinenzzentrum am Universitätsklinikum einen Tag der offenen Tür (10-14 Uhr). Wir werden zeitnah auf beide Termine hinweisen. Das Zentrum ist im übrigen zu erreichen unter 0241/ 8090068 oder 0241/8089737.


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