Forum Medizin: Wenn nicht nur die Verdauung Sorgen bereitet

Von: Sabine Rother
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Die Zentrale, wenn es um die Verarbeitung von Nahrung geht: Der Darm sorgt dafür, dass Nährstoffe, Mineralien und vieles mehr in den Körper gelangen. „Quälend: Probleme mit dem Darm“ lautet das Thema beim AZ-Forum am 11. Juni. Foto: Ralf Roeger (5) /stock/saurer

Aachen. Der Bauch tut weh, die Verdauung stockt oder ist viel zu flott, Blähungen machen uns das Leben schwer. Wenn diese oder ähnliche Beschwerden länger als drei Monate anhalten, muss man unbedingt zum Arzt gehen. Und wenn man beim täglichen Stuhlgang plötzlich Blut entdeckt, ist Eile geboten.

Man sollte die Ursachen sofort ermitteln lassen: „Quälend: Probleme mit dem Darm“ lautet das Thema beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 11. Juni, 18 Uhr, im Hörsaal 4 des Klinikums Aachen (Pauwelsstraße). Zuvor können Interessierte bereits ab 15 Uhr im „Seminarraum“ (Nähe Hörsaal 4, ausgeschildert) an einem informativen und aktiven „Rat & Hilfe“-Programm zur Darmgesundheit teilnehmen.

Fragen erwünscht

Fünf Expertinnen und Experten erläutern danach, was es Neues bei der Behandlung von Darmerkrankungen gibt. In einer großen Fragerunde können die Zuschauer zudem über ihre individuellen Probleme sprechen – wir suchen Antworten. Rat und Auskunft geben diesmal beim AZ-Forum: aus dem Universitätsklinikum Professor Dr. Ulf Peter Neumann, Direktor der Chirurgischen Klinik, Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III, sowie Dr. Michael Hartmann, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin (Aachen), Dr. Ramin Schirin-Sokhan, Facharzt für Internistische Medizin und Gastroenterologe mit Praxis in Würselen, Ernährungsberaterin Tanja Ristof sowie der Sporttherapeut Josef Stepprath, Activ Centrum Aachen.

„Es ist gar kein Wunder, dass der Darm manchmal streikt“, meint Michael Hartmann, bei dem Patienten nahezu täglich über Verdauungsprobleme jeglicher Art klagen. „Es wird schnell und in Eile gegessen, Ruhepausen, die das Verdauungssystem braucht, werden vernachlässigt.“ Solche Unregelmäßigkeiten wirken sich aus, denn der „Ruhenerv“ (Parasympathikus) und der für die Aktivierung des Körpers zuständige „Sympathikus“ sind zwei sensibel aufeinander abgestimmte Komponenten des vegetativen Nervensystems. „Ein Löwe ruht, nachdem er gefressen hat“, so Hartmann. „Menschen joggen . . .“ Wo eindeutig die Lebensführung Probleme mit dem Darm verursacht, rät Hartmann zur Ernährungsumstellung und zu mehr Bewegung, aber auch Entspannung ist wichtig, denn beim gestressten Menschen ist gleichfalls der Darm nervös.

„Richtig kauen, richtig schlucken, schon das bringt eine Menge“, weiß Ernährungsberaterin Tanja Ristof. Wohlfühlgewicht und Nährstoffe sind für sie Kernbegriffe. „Liegen Darmprobleme vor, die durch Ernährung beeinflusst werden, muss man gemeinsam Kompromisse finden. Selbst Depressionen können zu Appetitmangel führen.“ Gerade bei älteren Menschen kommt es so zur Mangelernährung.

„Und es ist so einfach, etwas für das Magen-Darm-System zu tun“, versichert Sporttherapeut Josef Stepprath. „Wir haben es doch bei der Darmperistaltik, der Muskulatur, die den Darm bewegt, mit einer einfachen Mechanik zu tun, die man gut unterstützen kann.“ Zum Beispiel hüpfend. Hier rät Stepprath speziell zum „Trimilin“, einem kleinen Trampolin, das von Menschen jeden Alters genutzt werden kann.

Anspannung und Entspannung

„Bei dieser Bewegungsart wechseln sich Anspannung und Entspannung auf natürliche Weise ab, und die federnden Bewegungen nützen sogar der Knochenfestigkeit.“ Fünf Minuten am Tag tun bereits dem Darm gut und heben die Stimmung.

Gibt es weiterhin alarmierende Signale, wird die Suche nach den Ursachen intensiviert – etwa durch eine Darmspiegelung. „Diese Untersuchung ist sehr unkompliziert geworden“, betont Gastroenterologe Shirin-Sokhan. „Wer will, kann sogar auf dem Bildschirm die Spiegelung mitverfolgen.“ Die Darmreinigung vor einer Untersuchung muss zwar noch immer sein, aber, so der Facharzt, „die Präparate sind besser geworden, früher musste man sechs Liter trinken, das war für manchen schon sehr schwer.“ Nicht nur Informationen – etwa zur bakteriellen Besiedlung der Darmschleimhaut – gewinnt der Gastroenterologe. „Wir tragen unter anderem Polypen ab, finden gutartige Adenome und mehr.“ Diese aktive Darmkrebsvorsorge und -früherkennung macht normalerweise ab dem 55. Lebensjahr Sinn. „Wo etwa die Neigung zu Polypen in der Familie liegt, sollte man die Patienten engmaschig überwachen.“, betont der Gastroenterologe. Das von der Natur gut eingerichtete „Ökosystem Darm“ wird nicht zuletzt durch Antibiotika gestört, die nicht nur als Medikament, sondern vielfach unerkannt mit der Nahrung aufgenommen werden. „Ein möglicher Schädigungsvorgang, der Jahre dauert. Aber irgendwann wird keine Darmflora mehr aufgebaut“, berichtet Hartmann von dramatischen Fällen. Chronisch Kranken konnte inzwischen durch eine Stuhl- oder Fäkal-Transplantation geholfen werden.

Das klingt seltsam

Was irritierend klingt, ist ein Verfahren, bei dem die Bakterien aus dem Stuhl gesunder Menschen labortechnisch isoliert und in den Darm eines Betroffenen übertragen, also „verpflanzt“ werden. „Es funktioniert“, so Hartmann.

Kein Befund, doch die Probleme bleiben? Stressbedingte Beschwerden äußern sich bei manchen Menschen als „Reizdarm“. Das Organ scheint völlig in Ordnung zu sein – der Betroffene hat dennoch Schmerzen und Verdauungsstörungen.

Das ist bei Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darm-erkrankung wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn anders. „Diese Erkrankungen sind bisher noch unheilbar, wir können nur Entzündungsschübe mildern“, sagt Christian Trautwein. „Man geht davon aus, dass hier die Darmschleimhaut aus dem Gleichgewicht geraten ist, eine überschießende Reaktion.“ Forschungen, um Ursachen und damit neue Therapieformen zu finden, laufen auf Hochtouren.

Und wenn es ein Karzinom ist? „Bei frühzeitig erkanntem Darmkrebs hat man gute Chancen“, versichert Ulf Neumann. Kritisch wird es, wenn Tumore sehr nah am Schließmuskel sitzen. „Selbst nach Entfernung droht ein Wiederauftreten des Krebses, weil man nicht so radikal operieren will“, erläutert der Chirurg. „Inzwischen gibt es eine neue Operationsmethode, bei der wir mit den Plastischen Chirurgen zusammenarbeiten, um den künstlichen Darmausgang nach Möglichkeit zu vermeiden.“

Mehr dazu erfahren Sie beim AZ-Forum Medizin, Fragen sind erwünscht, der Eintritt ist frei.

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