Aachen - Die smarte Antwort auf den Online-Handel: Das „Shopping Lab“

Die smarte Antwort auf den Online-Handel: Das „Shopping Lab“

Von: Rauke Bornefeld
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labmja2 02.05.2018 shopping lab Alex Paula Linda Bürschgens, Sarah Güsken, Jannik Wendorff. Michael Keukert, Dieter Begaß

Aachen. Das Sägemehl hinterlässt zurzeit noch Spuren. Am 17. Mai, wenn das „Shopping Lab“ der Stadt Aachen seine Türen im ehemaligen „Café Alex“ an der Komphausbadstraße öffnet, wird davon sicher nichts mehr zu sehen und zu fühlen sein. Augen, Ohren und Händen soll dennoch reichlich geboten werden.

„Wir wollen das Zukunftsforum für den lokalen Einzelhandel sein – das geht am besten, wenn man sehen, hören und fühlen kann“, zeigte sich Dieter Begaß, Leiter des städtischen Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft und Europa, überzeugt. Über das Analoge mit möglichst viel Tempo ins digitale Zeitalter also, denn genau das ist der Auftrag des „Shopping Labs“: „Nicht mehr Online- oder Offlinehändler, sondern Gemeinsam-Händler“, gab Begaß das Ziel vor.

Tatsächlich ist der klassische Einzelhändler meist nicht „digital native“: Die manchmal schier übermächtige Konkurrenz von großen Onlinehändlern führt ihm vor Augen, dass er dem irgendetwas entgegensetzen muss. Doch eigene digitale Anstrengungen unternimmt er meist eher aus Angst, nicht mit einem Blick für die Chancen der Digitalisierung. „49 Prozent der lokalen Händler signalisierten im vergangenen Jahr die Bereitschaft, Digitalisierung in ihrer Einzelhandelsstrategie mitzudenken. Ihr Anteil an den Einzelhandelsunternehmen wächst stetig, aber sehr zäh“, bestätigte Begaß eine eindeutige Zurückhaltung bei den Geschäftsleuten.

Verschiedene Exponate

Das will das „Shopping Lab“ der Stadt deutlich ändern und dabei vor allem den Fokus auf die Attraktivität des Digitalen legen – auf einem analogen Weg: Ein begehbares Geschäft wird ausgestattet mit verschiedenen Exponaten – so will es das Konzept. Mit dabei 3D-Drucker aus dem An-Institut IwF GmbH (Institut für werkzeuglose Fertigung) der FH Aachen, die „Technologie zum Anfassen präsentieren“, so Dr. Julia Kessler, Geschäftsführerin des IwF.

Das An-Institut Unternehmnskybernetik (IfU) an der RWTH Aachen lässt einen kleinen, fast menschlich wirkenden Roboter durch das ehemalige Kneipenambiente laufen, will die „Shopping-App“ unters Volk bringen und veranstaltet sogenannte „Idea Camps“. In einem kleinen Versuchsshop kann man sich einen Eindruck über das Bezahlen der Zukunft machen. Ein Lastenfahrrad bekommt einen prominenten Ausstellungsplatz. Das „mobile media & communication lab“ der FH Aachen will „nutzerzentrierte Lösungen für den Einzelhandel zusammen mit den Kunden entwickeln“, warb Paula-Linda Büschgens um Besuche nicht nur von Einzelhändlern.

Wörtlich genommen

Ein „Exponat“ ist auch Michael Keukert, Vorstandsvorsitzender der AIXhibit AG, der sein Büro ab und zu mit einem Tisch im „Shopping Lab“ tauschen wird, um sich um die „Durchdigitalisierung“ eines neugegründeten Einzelhändlers zu kümmern – offen, so dass andere davon profitieren können. „Wir nehmen ‚Lab‘ ganz wörtlich und wollen viel experimentieren“, sagte er. „Die digitale Warenwirtschaft, eine gute eigene Außendarstellung und möglicherweise ein eigener Onlinehandel sind da nur die Basis.“

Auch wenn sich der städtische Projektleiter Jannik Wendorf bewusst war, „dass es schwierig wird, die Masse zu mobilisieren“, habe er doch schon viel positive Resonanz aus dem Einzelhandel zum Projekt erhalten. „Viele sind dankbar, dass wir ihnen Möglichkeiten aufzeigen.“ Wen das alles nicht interessiert, kann zumindest seinen Geschmackssinn mit einem guten Kaffee erfreuen – wer weiß welche Erkenntnisse sich daraus ergeben.

 

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