Das Monschauer Carat-Hotel wechselt seinen Besitzer

Von: Andreas Gabbert
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Aus dem Carat-Hotel in Monschau wird ein „Michel & Friends Hotel“: Der neue Leiter des Vier-Sterne-Hauses ist Johannes Meurer. Foto: A. Gabbert
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Der ehemalige Geschäftsführer Jan Freek Suringh (kleines Bild) blickt zurück und spricht über den Tourismus in der Nordeifel. Foto: A. Gabbert

Monschau. Die Michel-Hotelkette ist neuer Eigentümer des Carat-Hotels in Monschau. 14 Jahre lang hatte Jan Freek Suringh das Vier-Sterne-Haus gemeinsam mit seiner Frau Natascha geführt. Am 1. November fand nun die Übergabe an Ido Michel statt.

„Wir haben stilvoll Abschied genommen und hoffen, dass das Hotel weiter erfolgreich bleibt“, sagt Suringh.

Als er das Hotel im November 2003 als Geschäftsführer im Auftrag einer Fondsgesellschaft übernahm, habe das Haus auf der Kippe gestanden. „Die Überlegung, das Hotel zu schließen, stand im Raum“, erklärt Suringh. Sein Start sei damals aber aussichtsreich gewesen, so dass man ihm und dem Projekt eine Chance gab. Und die nutzte der 60-Jährige Niederländer, der mit seiner Frau in Rollesbroich lebt.

„Auch in Krisenjahren sind wir gegen den Strom angeschwommen, während andere schwer zu leiden hatten und schließen mussten, insbesondere in der Finanzkrise“, sagt er. Das Angebot sei ständig weiter ausgebaut und so eine Auslastung von über 80 Prozent über das ganze Jahr hinweg erreicht worden. „Und das in einem Haus, das dringend renoviert werden muss“, betont der ehemalige Geschäftsführer.

Man habe das Hotel wie einen Familienbetrieb geführt, was auch für die Motivation der Mitarbeiter förderlich gewesen sei. Er sei stets als Ansprechpartner vor Ort gewesen und habe sich mit seiner Frau gut ergänzt. Nach dem Bau von vier großen Hotels in Aachen sei dann das Geschäft mit Tagungsveranstaltungen weggebrochen. „Deshalb haben wir uns auf die Natur konzentriert“, erklärt Suringh.

Es habe sich rentiert, in den vergangenen Jahren auf Ausflugsziele wie den Nationalpark Eifel, den Ravel-Radweg oder den Eifelsteig zu setzen. Monschaus Altstadt sei ebenfalls „ein sehr wertvoller Schatz, aber nicht St. Tropez“. Der Nationalpark, der Rursee und das Hohe Venn seien genauso wichtig. „Die Kombination ist es, was die Region ausmacht und warum die Gäste kommen“, sagt Suringh.

Ferienbetriebe sind Bereicherung für die Region

Daher sei es wichtig, auch die Dörfer touristisch weiterzuentwickeln. „Es muss alles mehr zusammenschmelzen. Jeder muss vor seiner Tür seinen Beitrag dazu leisten.“ Veranstaltungen wie Rursee in Flammen oder der Monschau-Marathon, die Greifvogelstation im Wildfreigehege Hellenthal, die Entwicklung in Vogelsang, das Wandern und das Naturerleben seien wichtige Elemente, um den Tourismus aufzuwerten.

Auch das Feriendorf in Heimbach sei förderlich für den Tourismus. Denn Suringh ist sich sicher, dass mehr Hotels und Ferienbetriebe nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung für die ganze Region zu sehen sind. „Was in die Köpfe rein muss, ist, dass der Tourismus Chancen für die ganze Region bietet – auch mit Blick auf Arbeitsplätze im Handwerk, Einzelhandel und in anderen Bereichen. Damit halten wir auch junge Leute in der Region.“

Deshalb gelte es, „investitionsbereite Leute mit ins Boot zu nehmen“. Vieles sei aber politisch gesteuert und schwer zusammenzubringen. Man sehe sich oft als Konkurrenz und halte am Kirchturmdenken fest, statt zusammenzuarbeiten.

Ein Beispiel dafür ist für ihn, dass die Kommunen Monschau und Simmerath jeweils ihr eigenes Schwimmbad gebaut haben, statt ein gemeinsames. „Monschaus Altstadt kann nicht ohne den Rursee und der Rursee nicht ohne die Altstadt“, sagt Suringh. Deshalb sei aus seiner Sicht auch ein gemeinsamer Gewerbeverein für das gesamte Monschauer Land sinnvoll.

Die Gäste kämen nicht, um Party zu machen, sondern wegen der Natur. „Darauf haben wir uns im Carat-Hotel konzentriert“, sagt Suringh. Diese Gäste würden keinen besonderen Luxus brauchen, das Preis-Leistungsverhältnis müsse stimmen, und man müsse ihnen in den Einrichtungen das Eifelgefühl und das Flair vermitteln, das die Region ausmache.

Eine bittere Erfahrung

Daher forderte Suringh auch die Sanierung des Hotels. Er habe es zu einem modernen, familiengeführten Landhotel entwickeln wollen, das die touristischen Ausflugsziele in der Region in sein Angebot integriert. Am Ende habe es für die Fondsgesellschaft zwei Möglichkeiten gegeben: sanieren oder verkaufen, erklärt Suringh.

„Dann kam die Michel-Hotelgruppe, und es ging alles sehr schnell“, sagt er. Kurz zuvor habe er noch ein Angebot erhalten, Geschäftsführer einer großen Hotelkette zu werden. Er habe sich aber dagegen entschieden, weil er in der Eifel bleiben wollte und die Hoffnung hatte, dass das Carat-Hotel auf der Grundlage seiner Pläne renoviert wird. „Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir das Angebot vielleicht doch angenommen. Das war eine bittere Erfahrung“, sagt Suringh rückblickend.

Nach einer kurzen Auszeit, „um den Kopf frei zu bekommen“, will sich der dynamische Geschäftsmann neuen Aufgaben widmen, „denn jede Veränderung bietet auch neue Chancen“. Er habe bereits ein Konzept für ein Hotel am Blausteinsee in Eschweiler entwickelt, außerdem gebe es Gespräche wegen des Hotel-Projektes der Roetgen-Therme. Mit Hotels in Heerlen und Maastricht und auch mit dem kürzlich geschlossenen Hotel „Eifelgold Rooding“ in Erkensruhr habe er Kontakt aufgenommen, sagt Suringh.

Nach 14 Jahren im Dauereinsatz als Geschäftsführer des Carat-Hotels will er in diesem Jahr nun wieder Weihnachten und Silvester mit der Familie feiern. „Wir sind gespannt, wie das wird. Das ist uns nämlich völlig fremd. Das ist das erste Abenteuer, das wir angehen“, sagt er.

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