Blickdichtes Hallenbad in Jülich sorgt für vehemente Diskussion

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Die mit Sichtschutzfolien beklebten Fenster des Jülicher Hallenbades wirken nicht so, dass sie für Schwimmer eine Verdunklungsgefahr darstellen.
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Separate Umkleiden und Kurse nur für Frauen, ansonsten wird das Hallenbad „gemischt“ genutzt.

Jülich. Schon seit zwei Monaten sind die hohen Fenster im Jülicher Hallenbad zur Hälfte „blickdicht“. Eine laut Betreiber Stadtwerke lichtdurchlässige Folie sorgt dafür, dass niemand reinsehen kann. Rausschauen ist weiter möglich.

Dieser Umstand und ein neues geschlechtsspezifisches Angebot der Stadtwerke sorgen für eine Diskussion in der Stadt, die vor allem in einer Gruppe des sozialen Netzwerks Facebook geführt wird. An die 200 Kommentare gab es bis Mittwoch, die das Thema kontrovers und vereinzelt „weltanschaulich“ angehen: Frauenschwimmen sonntagnachmittags.

Das Angebot trifft offenbar mehrere „wunde Punkte“: Zum einen gibt es sonntagnachmittags keine Möglichkeit zum Beispiel für Familien in Jülich, das Bad zu nutzen. Zum anderen stören sich viele an den Fensterfolien, die eine „Verdunklungsgefahr“ darstellen. Und drittens sind manche grundsätzlich gegen Kurse nur für ein Geschlecht. Da ist von „Diskriminierung“ die Rede, was sich allerdings auch auf eine Nutzergruppe bezieht, für die das Angebot mit geschaffen wurde: Frauen muslimischen Glaubens. In einigen Facebook-Kommentaren wird spekuliert, dass sie gezwungen seien, unter sich und ohne Männer schwimmen zu gehen. Das ist zwar nicht auszuschließen, ebenso wenig aber, dass sie das aus freien Stücken tun wollen.

Auf Nachfrage räumte Stadtwerke-Pressesperecherin Sigrid Baum ein, dass die Damen muslimischen Glaubens „die größte Gruppe“ gewesen sei, die an das Unternehmen herangetreten sei, um sonntags im Hallenbad zu schwimmen. „Wir sind aber auch von Jülicher Frauen, die nicht Muslime sind, danach gefragt worden.“

Die Sprecherin sagte weiter: „Wir bedauern sehr, dass unsere gut gemeinte Aktion ,Frauenschwimmen‘ derart kontrovers diskutiert wird. Gerade im Hallenbad bieten wir so viele gemischt-geschlechtliche Angebote für jede Altersgruppe.“

Den Befürchtungen, dass durch die neuen Fensterfolien Kosten entstanden seien, die Preiserhöhungen nach sich ziehen oder bei der Instandsetzung abgezwackt werden, widerspricht sie: „Die Kosten werden von den zusätzlichen Eintrittseinnahmen refinanziert.“

Bleibt die Kritik, dass es weiter kein Familienangebot sonntags im Jülicher Bad gibt. Sigrid Baum erklärte in Facebook, dass die Einsatzzeiten der Stadtwerke-Mitarbeiter über die Woche ausgeschöpft seien. Daher sei das Bad sonntags geschlossen. Den Frauenkurs betreuen Mitarbeiterinnen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG).

Übrigens: Der Versorger schaltet während der Frauenkurs-Zeit auch die Webcam ab.

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