Nun ja, seit viereinhalb Jahren bin ich nun die große (halb)Schwester eines sehr außergewöhnlichen Zwillingspaares. Die Kleinen, Junge und Mädchen, ich gebe es zu, sind schon ganz süß. Aber manchmal sind sie eine große Herausforderung. So bekommt der Herr mit den Engelslöckchen und den himmelblauen Augen, so scheinheilig er auch aussieht, ab und zu seine kleinen "Böckchen". Mitten in der Einkaufsstraße schmeißt er sich auf den Boden, hämmert mit den Fäusten auf den Boden und schreit so laut, das die schaulustigen Passanten neugierig ihre Hälse recken oder sich nach uns umdrehen.
Doch gegen meine Schwester ist das gar nichts. Sie strotzt nur so vor Furchtlosigkeit und starkem Willen. Geschieht also etwas, das ihr nicht passt, kennt sie keine Gnade und vor allem kein Ende. So ist der Gram meines Bruders oft schnell vorüber, zeigt seine Schwester mit der tiefen, rauchigen Stimme und dem harten Blick Ausdauer. Als erstes läuft sie puterrot an, knallt sich mit voller Wucht auf die Erde, sodass sie sich wehtut und der Ärger darüber macht alles noch viel schlimmer. Meistens wälzt sie sich dann mehrere Minuten über den Boden, schreit und kreischt nahezu hysterisch. Anschließend ist das kleine "Schätzchen" so erschöpft, dass sie einschläft. So nehmen wir uns in Acht, tanzt etwas nicht nach ihrer Pfeife, kommt es zu einem nahezu apokalyptischen Wutausbruch.
Aber am meisten schockt mich dann immer wieder der humorvoll gemeinte Satz meines Vaters:
"Du warst noch viel schlimmer!"
Für mich ist das recht unvorstellbar, nun ja, aber trotz alledem habe ich meine kleinen Geschwister über die Zeit sehr, sehr lieb gewonnen.