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Bei manchen Meldungen lohnt es sich, genauer hinzusehen, bevor man sich der kollektiven Aufregung anschließt. Besonders, wenn Zahlen im Spiel sind..
Aber da die Nachricht von der renommierten Deutschen Presse-Agentur (dpa) verbreitet wurde, plapperten die meisten Journalisten sie am Mittwoch ungeprüft nach und schlossen sich dem kollektiven Aufschrei an: „Erbarmen – wir sterben aus!!!“Was war geschehen?
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ließ die entsetzte Öffentlichkeit zusammenfahren mit der Nachricht, im Jahr 2006 habe sich die Zahl der Deutschen um 100.000 verringert.
Hun-dert-tau-send!!!
Und es kommt laut dpa noch dicker: „Der seit Jahren anhaltende Trend setzte sich fort. Seit 2002 (82,54 Millionen Einwohner) zählt Deutschland von Jahr zu Jahr mehrere tausend Einwohner weniger.“
Mehrere tausend! Einfach weg. Bei 82,2 Millionen Einwohnern. Der blanke Horror!!
Nun sollte man sich vielleicht ein paar Dinge klar machen, bevor man sich der allgemeinen Panik anschließt.
Denn erstens hat es seit 1987 in der Bundesrepublik keine Volkszählung mehr gegeben, auch und vor allem nicht nach der Wiedervereinigung.
Wie viele Ostdeutsche sind damals dazugekommen? 16 Millionen? Oder vielleicht 16,5 Millionen? Kein Mensch kennt die genaue Zahl.
Selbst unmittelbar nach Volkszählungen wird es schon im Hunderttausender-Bereich kritisch, die exakte Gesamteinwohnerzahl eines Landes festzustellen.
Zudem musste selbst das Statistische Bundesamt einräumen, dass die Zahl von 100.000 nur geschätzt war und der Verrechnung eines negativen Geburtensaldos (mehr Sterbefälle als Geburten) mit einem positiven Migrationssaldo (mehr Ein- als Auswanderer) im Jahr 2006 entstammte.
Setzt man beide (fragwürdigen) Zahlen nun ins Verhältnis, so ergibt sich, dass die verschwundenen 100.000 Einwohner bezogen auf eine Gesamtbevölkerung von 82,2 Millionen gerade mal 0,122 Prozent ausmachen.
Nur zum Vergleich: Die Stadt Aachen hatte am 31. Dezember 2006 angeblich 258.770 Einwohner. Ob es irgendjemanden interessiert hätte, wenn das 316 (= 0,122%) weniger gewesen wären als seinerzeit zum Jahresanfang??
Kommentare (2)
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17.01.2008 13:46 Uhr
Paul Santosi
kommentiert
(Homepage)
Hallo Ulrich.
Dass sich die Zahl der Deutschen verringert, ist schon ok. Schade ist nur: irgendwie sind nie die Richtigen dabei.
19.01.2008 17:00 Uhr
inam
kommentiert
100.000, diese Zahl bedeutet sehr viel, nicht überrall, aber z.B. beim Geld. Denn mit 100.000 Euro im Plus oder im Minus zu stehen, bedeutet für uns, die wir nicht zu den Heuschrecken-Spitzenmanagern gehören , sehr viel.
Aber bezüglich der deutschen Bevölkerung ist das überhaupt nicht schlimm.
Gehen wir, um besser rechnen zu können, von 80 Millionen Deutschen aus, die sich jährlich um 100.000 verringert haben
und rechnen wir weiter auf die darauf folgenden Jahre, so könnte man überschlägig sagen: 100.000 in einem Jahr -das wären
1 Million in 10 Jahren, 10 Millionen in 100 Jahren, 100 Millionen in 1000 Jahren oder eben 80 Millionen in 800 Jahren, wo es dann mit unserer bundesrepublikanischen Bevölkerung aus und vorbei wäre. Dies all, ohne %-Zahlen, überschlagen, denn mit weniger Einwohnern würden bei gleicher %-Abnahme auch jährlich weniger Deutsche existieren. Aber genau wie in der Wirtschaft folgt auf jedes Tief ein Hoch (Ab- und Aufschwung sagen wohl die Ökonomen dazu, die aber am Reck bei dieser Übung sehr oft versagen). Insofern: Bangemachen gilt nicht. Vielleicht wird in den nächsten 100 Jahren mehr Sellerie angebaut und als Nahrungsmittel angeboten. Soll ja helfen, auch Seetang. Und vielleicht ist es dann möglich, bei Gefahr einer Übervölkerung aufgrund neuer Techniken Menschen auf dem Mond anzusiedeln, Politiker zuerst. Dann würde für die Zurückgebliebenen Frieden herrschen und der Sellerieanbau wieder zurückgefahren werden (wegen der Gefahr einer erdlichen Überbevölkerung). Nach all diesen sonnabendlichen Gedanken sollten wir daran denken, an das, was schon einmal ein großer Philosoph sagte . " Traue nie einer Statistik, es sei denn der, die du selbst gemacht hast, um dich zu belügen ").
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