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Oftmals gerade junge Menschen beanspruchen mit ihrer meist √ľberw√§ltigenden Traumaerfahrung einer gerade gestellten MS-Diagnose meine therapeutische Begleitung. Diese Klienten lernen langsam und m√ľhsam, mit ihrer schweren chronischen Erkrankung und der ersten Traumatisierung durch die Diagnose umzugehen. Sie durchlaufen auf dem Weg der Krankheitsbew√§ltigung acht schwierige Phasen, die ich u.a. im folgenden beschreiben m√∂chte.

Wichtige Antworten auf Fragen zum Beispiel, was es rein körperlich bedeutet MS zu haben ?

Bei einer MS sind einige Reaktionen des Immunsystems fehlgeleitet. Es findet ein Angriff auf k√∂rpereigenes Gewebe durch falsch gesteuerte Abwehrzellen statt. Diese Autoimmunreaktion kann durch entsprechende Medikamente hilfreich beeinflusst werden, je fr√ľher dies geschieht, desto erfolgreicher.

Multiple Sklerose ist allerdings eine Krankheit mit sehr vielen Facetten. Ihr Erscheinungsbild ist immer davon abh√§ngig, welche Regionen des zentralen Nervensystems ( ZNS ) durch die Aktivit√§t der Multiplen Sklerose (MS) gesch√§digt wurden. Das ZNS kann man sich als eine Art Kommandozentrale des K√∂rpers, bestehend aus Gehirn und R√ľckenmark, vorstellen.

Der Schub bei der MS

Typisch f√ľr die Multiple Sklerose ( MS ) ist der Zustand eines Schubs durch Impulse aus dem ZNS. Bei den meisten Menschen beginnt MS √ľberfallartig mit einem solchen Schub.
Der Betroffene, der dies erstmalig erlebt, kann unfassbar verunsichert sein. Meist in dieser Phase lerne ich meine Klienten kennen. Zum Gl√ľck kann sich der Schub auch innerhalb weniger Tage oder Wochen verbessern.

Allm√§hlich nachlassende Symptome k√∂nnen nach einem Schub folgen, eine Art ‚ÄěRuhephase‚Äú.Ganz symptomarme Zeiten sind jedoch meist selten. H√§ufig wird dem Hausarzt oder behandelnden Neurologen und auch mir vor allem die allgemeine Ersch√∂pfung, also eine abnorme M√ľdigkeit, (Fatigue ) beschrieben.

Naturgemäß sind MS-Erkrankte daher auch nicht so belastbar wie gesunde Menschen. Zudem können Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen, Missempfindungen oder Taubheit in Armen und Beinen, Steifheit, ( oft ist das eine schwere Spastik), und auch Schmerzen, absolut lebenseinschränkend und deprimierend empfunden werden.

Blasen-Darm- und Sexualitätsstörungen, Atemprobleme oder auch Sehstörungen, können sich ebenfalls als typische MS Begleiter einstellen!
Wenn man sich diese Symptomliste anschaut, hat man schnell den Hauch einer Ahnung, wie schlecht sich oftmals MS-Patienten seelisch und k√∂rperlich f√ľhlen m√ľssen.

Mentale, d.h.psychologische und soziale Ausl√∂se-Faktoren f√ľr einen Ausbruch von multipler Sklerose.

Je mehr die betroffenen Menschen √ľber ihre MS wissen und informiert sind, vielleicht auch Selbsthilfegruppen besuchen und sich auf einen Neurologen verlassen k√∂nnen, der sie gut weiter betreut, desto weniger schicksalhaft wird die Diagnose MS empfunden

Oft sind mentale, also psychologische und soziale Faktoren beim Ausbruch oder auch weiteren Verlauf von MS zu ber√ľcksichtigen: Krisen, erh√∂hter Stress, Arbeitslosigkeit, Karrierebr√ľche, Verschuldung oder auch Suchtverhalten. Auch der Tod und/oder Trennungen in der Beziehung k√∂nnen tats√§chlich einen neuen Krankheitsschub und damit auch eine Depression i.V. mit der gro√üen Ersch√∂pfung ( Fatigue ) ausl√∂sen.

Aber eine Depression ist nie ein Urteil, sondern kann, neben einer Gesprächstherapie, medikamentös mit Antidepressiva sehr gut aufgefangen werden. Ebenso ist tröstlich, dass MS inzwischen gut therapierbar ist.

Typische Fragen Betroffener an mich als Therapeutin : ‚ÄěKann ich √ľberhaupt mit MS noch Karriere machen? Bleibt meine Partnerin oder Partner bei mir?‚Äú

Oftmals begegnen mir in der Paar-und Einzeltherapie Menschen, die sich bereits hervorragend mit der chronischen Erkrankung MS arrangiert haben, aber auch solche, die ihre Person, die Zukunft, den Job und die Partnerschaft nach der Erstdiagnose total infragestellen.
Panik als Reaktion und h√∂chste Form von Angst wird nun sehr bemerkbar. Fragen werden gestellt wie: ‚ÄěKann ich √ľberhaupt mit MS noch Karriere machen? Bleibt meine Partnerin oder Partner bei mir? Welche Zukunftspl√§ne kann und darf ich √ľberhaupt noch schmieden? Bin ich nun weniger attraktiv oder sinkt mein ‚ÄěMarktwert‚Äú. Kann ich Mutter oder Vater werden‚Äú.

Bei Krankheitsbewältigung therapeutisch begleiten lassen.

Werden Fragen und √Ąngste therapeutisch verarbeitet, kann sich das Selbst-und K√∂rperbild eines MS-Erkrankten wieder g√ľnstigstenfalls auf ein positiveres Niveau zur√ľck entwickeln. Gerade in der schwierigen Phase der Diagnosestellung ist es daher absolut notwendig, dass sich die betroffenen Menschen auf dem Weg zur Krankheitsbew√§ltigung therapeutisch begleiten lassen.Einzeltherapie

Acht typische Reaktionen von Diagnosestellung bis zu Bewältigung und damit Akzeptanz der Multiplen Sklerose ( MS ).

Fast jeder Betroffene wird - angefangen bei der Diagnosestellung bis letztendlich zu deren Bew√§ltigung- acht Gef√ľhls- bzw. Reaktionsphasen durchlaufen.

Die erste Reaktion : Schock- bzw. Trauma

Die Diagnose MS wird als erste Reaktion oft als ein Schock-oder eine Art Traumazustand erlebt. Jetzt gilt es unbedingt mit anderen Menschen dar√ľber zu sprechen und sich auf keinen Fall zur√ľckziehen. Das aber passier leider sehr oft.

Als zweite typische Reaktion ist die Verdrängung auf die Erstdiagnose einer MS nicht unbekannt.

Kurzfristig und manchmal auch langfristig kann es im Leben helfen, Unangenehmes wegzuschieben und damit zu verdr√§ngen. Genau das passiert i.d.R. auch einem MS-Betroffenen nach seiner Erstdiagnose. Oftmals reden Betroffene zun√§chst am liebsten √ľberhaupt nicht √ľber ihre MS. Dieser erkrankte Mensch will, psychologisch ausgedr√ľckt, die Diagnose quasi nicht Wahrhaben, Verleugnen und m√∂glichst Vergessen, er will sie Verdr√§ngen.

‚ÄěWut‚Äú als typische dritte Reaktion und ‚ÄěAngst ‚Äěals Verst√§rkung und vierte klassische Reaktion nach einer Diagnosestellung der MS.

Wenn sich Betroffene immer mehr in ihre Verdr√§ngung zur√ľckziehen, kann sich als Reaktion darauf eine gro√üe Wut auf den eigenen K√∂rper, die Krankheit und das Leben √ľberhaupt breit machen kann.

Dies ist die Arbeit des Unterbewusstseins, welches so die Verdrängung mit Wut unterläuft.
Wut auf das gesamte Leben kann sich ziemlich verheerend, aber letztlich- im Verarbeitungsprozeß- auch als hilfreich erweisen. Denn Wut ist auch Bewegung und Aktivität. Verdrängung dagegen ist Stillstand oder auch gelähmtes Verharren.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt k√∂nnen diese Wutgef√ľhle auch Angst machen, weil nun die Verdr√§ngung nicht mehr so reibungslos funktioniert.


Angst, als vierte Reaktion auf die Diagnosestellung MS

Angst l√§sst den eigenen K√∂rper zum Feind werden! Manchmal sind die √Ąngste so stark, dass die Lebensqualit√§t nicht nur durch die MS-Diagnose eingeschr√§nkt ist. Angst kann nach einer Erstdiagnose oftmals schlimmer empfunden werden als die eigentliche MS.

Was kann auch hier z√ľgig helfen ?

Vor allem Aufkl√§rung und Informationen √ľber MS k√∂nnen die √Ąngste reduzieren helfen. Auch Community-Foren und Diskussionsforen im Internet sind aufkl√§rend hilfreich, k√∂nnen aber auch manchmal, je nach Pers√∂nlichkeit, die Symptome zun√§chst verschlimmern. Dann tritt als typische Reaktion i.d.R. die Verzweiflung ein.

Verzweiflung als f√ľnfte Stufe auf dem Weg zur Bew√§ltigung einer MS-Diagnose.

Verzweiflung ist die f√ľnfte Stufe auf dem Weg zur Bew√§ltigung einer MS-Diagnose. MS ist bisher nicht heilbar. Alleine diese Aussage kann betroffenen Menschen Verzweiflungstr√§nen in die Augen treiben. Die gr√∂√üte Verzweiflung aber kann vor allem durch offene Gespr√§che mit anderen Menschen und nat√ľrlich in der Therapie gemildert werden.

Auch der Krankheitsverlauf kann verlangsamt und beeinflusst werden, z.B. durch die Gabe von Kortikosteroiden beim akuten Schub oder durch die Therapie mit immunmodulierenden Substanzen. Je fr√ľher eine Therapie gestartet wird, desto eher wird die Schubrate der MS gesenkt.

Auch Trauergef√ľhle geh√∂ren in den Bew√§ltigungs-Modus einer MS-Diagnose.

Sich einer chronischen Krankheit ausgeliefert zu f√ľhlen, kann phasenweise auch sehr hilflos machen. Hilflosigkeit wiederum macht w√ľtend. Und so kann ein Teufelskreis entstehen, der nun durch Trauergef√ľhle unterbrochen werden kann. Trauergef√ľhle wegen einer MS-Diagnose und Erkrankung sind daher unverzichtbare Reaktionen im Prozess der Bew√§ltigung.

Wenn Verdr√§ngung, Wut, Angst und Verzweiflung etwas gemildert sind, oder auch in anderer Reihenfolge erlebt, aber immerhin gelebt wurden, kann endlich Trauer √ľber die Erkrankung kommen !

Trauer gilt als typische sechste Reaktion auf eine MS-Diagnose.

Trauergef√ľhle geh√∂ren unbedingt in den Bew√§ltigungs-Modus von MS-Kranken. Es sind schliesslich gro√üe Verluste und Einschr√§nkungen von k√∂rperlichen, sozialen und mentalen F√§higkeiten zu beklagen.
Man mu√ü sich konkret von seinem gesunden K√∂rper endg√ľltig verabschieden. Trauer l√§sst Menschen in die neue Situation allm√§hlich, aber in ihrem ureigenen Tempo, hineinwachsen.

Die Depression als klassische siebte Reaktion auf eine MS-Diagnose.

Emotional auffangende Trauerarbeit in Gruppen oder auch in einer Einzeltherapie sollen verhindern, dass sich eine Depression am Ende der Reaktionskette, zuviel Raum nimmt. Denn die Diagnose von MS löst als typische siebte Reaktion auf eine MS-Diagnose, häufig eine Depression aus.

Die letzte und achte Stufe im Bewältigungsprozeß : die Akzeptanz der Multiplen Sklerose.

Gelingt es mit Hilfe von Familie, Freunden, Partnern, gut geschulten √Ąrzten, Experten der Physiotherapie, aber auch durch Selbsthilfegruppen und gut eingestellten Medikamenten sowie therapeutischer Begleitung ‚Äědie Treppe allm√§hlich wieder hinaufzusteigen‚Äú, statt st√§ndig hinab, kann der Depression Grenzen gesetzt werden.
Die letzte, die achte Stufe ist somit die Akzeptanz und damit die seelische und körperliche Bewältigung der Situation, an Multipler Sklerose erkrankt zu sein.

Neben begleitender Beratung und Therapie sind f√ľr diese Phasen der Diagnosebew√§ltigung und des Krankheitsmanagements wichtig, sich jede Art von Hilfe zu holen und dem Schicksal : MS zu trotzen !

Im Folgeblog gehe ich auf die besondere Symptomatik bei einer multiplen Sklerose ein und zeige einige Möglichkeiten auf, wie auch eine so schwere Erkrankung nicht das ganze Leben dominieren muss.

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Die Therapeutin aus dem Aachener S√ľden befasst sich mit allen Problemen rund um Leben, Partnerschaft und Beruf. Methodische Orientierung: systemisch- tiefenpsychologisch, hypno- und trauma- therapeutisch. Einzel- und Paartherapie/Coaching. Ihre Homepage: www.therapieaachen.de

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