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Dienstag, 25. April 2017
Ess-Störungen und Körperkult !
Neun Millionen Deutsche beiderlei Geschlechts sollen sich durchschnittlich in Fitnessstudios mehr oder weniger für ihren perfekten Body abquälen. Bevorzugt natürlich das weibliche Geschlecht ! Und gibt man bei Amazon den Begriff : „Abnehmen im Frühling, Sommer“ o.ä. ein, gibt’s gleich mindestens 5000 Treffer. Die angefutterten Pfunde sollen möglichst turboschnell einer perfekten Bikini- Silhouette weichen. Und schliesslich ist es doch ein heiß ersehntes Kompliment, wenn man bzw. frau gesagt bekommt : „Du hast aber abgenommen“. Ebenso kann man aber auch in manch lästernden Frauenrunden die ätzende Bewertung hören : „Die sieht vielleicht dürr ist. Die ist bestimmt essgestört ; die sieht echt krank aus !“Vgl. Website unter Einzeltherapie-Ess-Störungen

Da wird sich also über den Schlankheitswahnsinn empört, aber alle diäten fleissig vor sich hin. Es ist schon recht widersprüchlich, dass sich die Masse vor allem jüngerer und zunehmend inzwischen auch reiferer Frauen dem Perfektions-Postulat unterordnen, möglichst dünn bis dürr zu sein, andererseits aber mit dem moralischen Zeigefinger auf „erfolgreich“ ausgemergelte Geschlechtsgenossinnen zeigen !
Inzwischen wird unter dem verlogenen Label : „Wellness und Gesundheit“ statt unter dem Thema : „Diät“ für Detox- bzw. Entgiftungskuren geworben. Mal sind es die bösen Kohlehydrate, mal das Gluten und die Fette, versteckte Zucker, Laktose und Salz, Wurst und überhaupt Fleisch. Alles muss nun extrem eingeschränkt werden. Und natürlich geht es hier nur in zweiter Linie um die Gesundheit, sondern meist nur um die elenden Speckröllchen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann bemerkt hierzu, dass gerade Frauen, die sich mit der angeblich „richtigen“ Ernährung oftmals rund um die Uhr beschäftigten, auch ausgesprochen unter Gewichtsschwankungen leiden würden.
Sie hält nichts von den eisernen Regeln z.B. abends kein Brot zu essen oder auf Kartoffeln grundsätzlich wegen der Kohlehydrate zu verzichten oder am besten ab 17:00 Uhr rein garnichts mehr zu essen. Die Wissenschaftlerin wünscht sich zudem, dass das Kalorienthema endlich mal unwesentlicher wird und beschreibt das u.a. in ihrem Buch: „ Ehrlich essen macht schön“. Das bedeutet sich beispielsweise weniger mit abstrusen Lebensmitteln wie Chiasamen zu ernähren oder mit etlichen Einschränkungen zu leben, sondern mit zehn ganz normalen Lebensmittel anzufangen. Und sich dabei weder zu fettarm noch zu sehr Low-Carb zu ernähren und wieder Spaß am essen zu bekommen.

Nicht nur Germany‘s Next Topmodel führt mit dünnen Models vor, wie frau auszusehen hat und wird parallel dafür heftig öffentlich kritisiert. Das nenne ich in der Tat eine ziemlich verlogene und arg schizophrene Haltung, denn natürlich sitzen sowohl Töchter als auch Mütter vor dem Fernseher, inzwischen jedoch mit abnehmender Tendenz!
Aber sind denn nun alle GNTM- Mädels magersüchtig bzw.vielleicht sogar essgestört ? Guckt man mal genau hin, wären die „GNTM“- Kandidaten für die reale Modeszene vermutlich noch zu füllig. Frage ist also, was gilt denn überhaupt hier noch als schön und normal ?

Und genau das liegt doch nach wie vor im Auge des Betrachters. Der Maler Rubens malte seine drei Grazien mit fülligen Rundungen, was im Jahre 1635 auch als Zeichen wohlgenährter Schönheit und vor allem für Wohlstand stand. Für unsere Begriffe sind die drei Mädels eigentlich richtig fett, abgesehen vom Hängepo, gräßlicher Cellulite und Bauchspeck.

In den Neunzigerjahren staksten auf den großen Designerschauen erstmals die zynischsten „Perfektions-Varianten“als fast skelettierte Wesen in aberwitzig hohen Stilettos , absolut geschlechtslos wirkend, oftmals vampirhaft weiß geschminkt, über den Catwalk. Vereinheitlicht zum Kleiderständer, wirken diese Magermodels recht laborhaft, unwirklich,und vor allem unerotisch und ziemlich langweilig.

Verrücktheiten und Abnormitäten, Perfektionsdrang sowie Körperkult, sind aber nicht nur die Erfindung unserer Zeit, sondern waren durchgängig Mode und haben ihrerseits wieder Mode gemacht : In der Zeit des französischen Sonnenkönigs (1638 bis 1715), wurden so beispielsweise bereits winzigen Dreijährigen Korsetts verpasst. Und immerhin wussten schon vor 4000 Jahren die Damen Kretas, dass man, wenn man den Busen in einer Art von Mieder hochschob, damit dann die Taille optisch verschlankte. Und im Biedermeier sanken junge Damen übrigens nicht nur vor lauter Romantik gekonnt dramatisch in Ohnmacht, sondern auch deshalb, weil gerade eine Taille von 40 cm Durchmesser in Mode war und die Korsetts schlicht und ergreifend die Luft abquetschten, zumal wenn man dann noch ein Häppchen essen wollte.

Um heute eine derartige Wespentaille zu bekommen, lassen sich manche Frauen auch Rippen wegoperieren oder verschmälern. Auch der Mund wird bis zur Unförmigkeit aufgespritzt, Falten so extrem aufgefüllt oder gestrafft, dass kein normales Lächeln mehr möglich ist. Von anderen Eingriffen überall am Körper- einschliesslich Intimbereich- mal ganz abgesehen.

Die Autorin hat übrigens die verrückten Siebzigerjahre, mit Beatles, Rollingstones, Minrock und Maxi-Hippiemode und vor allem Twiggy hautnah selbst erlebt, aber es zum Glück nie geschafft, Twiggy zu kopieren. Twiggy war sicherlich ebenfalls dünn, dabei aber sehr zierlich, aber auch nicht so groß wie es die die aktuellen Models sind.

Die Germany‘s Next Topmodel Kandidatinnen sind beispielsweise recht groß. Durchschnittlich- heisst es - zwischen 1,77 bis 1,80 cm oder gar noch größer. Wiegen dürften sie vermutlich höchstens 51-54 kg und schrammen in der Tat damit am Magersucht-Index so grade knapp vorbei. Was man dabei sieht : wenig Rundungen, eher knabenhafte schmale Hüften, Beine, Schultern, einen sehr langen Hals. Klitzekleine Brüste, vielleicht apfel- bis mandarinengroß sind Standard. Wir sprechen von Konfektionsgröße 32 bis 34, maximal 36.

Natürlich darf hier an dieser Stelle auch nicht die "Size-Zero -Ikone" Viktoria Beckham fehlen. Mit ihrem häufig gequält bis gelangweiltem Gesichtsausdruck, der mit wenig Phantasie eher Dauerhungern und eiserne Disziplin vermuten lässt, als Spaß am Erfolg und vor allem dem eigenen Körper, dient sie vielen Frauen leider auch als Vorbild.
Und so hat Beckham- mit vielen anderen Stilikonen den Magertrend salonfähig gemacht. Immerhin sehen manche Teile und vor allem Laufstegkleider an dünneren Frauen tatsächlich dann besser aus, wenn man sie auch als reine „Kleiderbügel“ klassifiziert. Aber ist es wirklich so erstrebenswert, daß sehr dünne Mädchen eine mittelgroße Pflaume zwischen ihren Oberschenkeln durchschieben könnten, ohne ihre Haut dabei zu berühren ?

Was macht nun die Frau oder das junge Mädchen mit der keineswegs unüblichen Gr. 38-40 oder gar 42-44 und Körpergröße von 1,60 bis gerade mal 1,73 cm ? Gut, auch wenn der trendige Vogue Fotograf, Marion Testino, dünnen Frauen attestiert, dass man sie gerne anzieht, so sind es doch auch für ihn eher die etwas kurvigeren Frauen, die man (n ) eher gerne mal auszieht. Weibliche sinnlich-lebendige Ausstrahlung hängt tatsächlich schon ein wenig vom Körperbau und vor allem dem transportierten Körpergefühl ab, weniger von der Konfektionsgröße.

Es ist durchaus bekannt, dass kurvige Frauen in der Werbung lustbetonte Produkte glaubwürdiger verkaufen als zu magere Models, denen man dies vermutlich nicht so recht abnimmt. Die distanzierte und oftmals androgyne Eleganz eines mageren Models passt eben vor allem in die künstliche Designerwelt der Haute Couture, aber selten in den Alltag. Hier erntet ein solches Mädel, mal ungeschminkt, allerhöchstens mitleidige Blicke oder eher gar keine.

Nicht wenige Klientinnen mit einer Essstörung hängen dem Irrtum nach : „Wenn ich erst Mal abgenommen habe, kann ich auch wieder Spaß am Sex haben.“ Oder : „wenn ich mal so aussehe wie die Models, bin ich verführerischer, erfolgreicher, liebenswerter und bekomme den Traumprinzen auf dem Silbertablett serviert ! Genau das aber wird natürlich nie eintreten. Lust auf Berührung und damit Lust auf Sex und die Lust an sich selbst, stellt sich bei mageren bis anorektischen Frauen oder auch oftmals bulemischen Klientinnen leider eher selten ein. Beziehungsprobleme sind insofern hier vorprogrammiert oder sogar sich einschleichende Beziehungsunfähigkeit.vgl.Website unter Paar-und Sexualtherapie


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Unsere Expertin bloggt über Themen ihres therapeutischen Alltages

Therapeutin

Die Therapeutin aus dem Aachener Süden befasst sich mit allen Problemen rund um Leben, Partnerschaft und Beruf. Methodische Orientierung: systemisch- tiefenpsychologisch, hypno- und trauma- therapeutisch. Einzel- und Paartherapie/Coaching. Ihre Homepage: www.therapieaachen.de

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