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Donnerstag, 20. April 2017
Partner oder Elternteil dement ? Was tun ?
Nicht selten wird diese Frage auch in meinem Praxisalltag gestellt. NatĂŒrlich ist der Weg zum neurologisch-psychiatrisch tĂ€tigen Facharzt hier als oberste PrioritĂ€t zu nennen, um durch entsprechende Untersuchungen reale Erkenntnisse zu gewinnen und sich nicht nur im Reich der Vermutung und Spekulation zu bewegen. Andererseits gibt es aber auch hilfreiche Beobachtungen und Hinweise im tĂ€glichen Umgang mit dementen Menschen, ob nun leicht dement oder bereits schwerst dement.siehe Website unter Paartherapie : Ă€ltere Beziehungen

Typisch ist zum Beispiel die Frage eines möglicherweise noch leicht Betroffenen : „ Wo war ich eigentlich gestern ?“ Einzelheiten, GesprĂ€che, oder ĂŒberhaupt neue Informationen, werden irgendwann allerdings immer schwieriger behaltbar. Diese obige Frage wiederholt sich öfter, obwohl geantwortet wurde. Es werden keine Schlußfolgerungen mehr gezogen.

„ Und wie geht das ?“, ist ebenfalls eine typische Frage bei beginnender bzw. sich verstĂ€rkender Demenz. Soll ein Betroffener einen Fragebogen oder die LohnsteuererklĂ€rung ausfĂŒllen, fĂ€llt schnell auf, wie mĂŒhselig bis unmöglich dies je nach Demenzgrad werden kann.
Auch die Koordination von Terminen wird irgendwann immer schwieriger. Bei alltÀglichen RoutinetÀtigkeiten wie z.B. Kochen steht ein bereits schwer Betroffener durchaus vor dem Problem nicht mehr zu wissen wie das geht, und auch nicht zu wissen, was er gerade da macht und so verwechselt er oder sie dann nicht nur schon mal Zucker mit Salz, nein, dieser Fehler wiederholt sich in kurzen AbstÀnden : es gibt irgendwann leider keine Lernerfahrung mehr.

"Wie hieß das eigentlich noch ?“ist ebenfalls eine klassische Frage, welche ebenfalls oft gestellt wird. Wortfindungsschwierigkeiten nehmen irgendwann zu, auch komplexere AusdrĂŒcke wie z.B. „Systemanalytiker“ oder "Eisenbahnschiene" werden nur schwer erinnert. Der aktive Wortschatz nimmt ab. Gleichzeitig erscheint der betroffene Mensch dann auch wieder oft ablenkbar, denn er schneidet immer wieder neue Themen an, wĂ€hrend der rote Faden irgendwie verloren geht.
„Und wie komme ich nach Hause ?“, ist ebenfalls eine typische Frage bereits sehr dementer Menschen, denn sie haben große Orientierungsprobleme und verirren sich daher leichter. Im schlimmsten Fall ist das auch im gewohnten Umfeld so.

Die Meinungen Betroffener :„ Der hat nicht recht, aber ich,“ tendiert jetzt zum Aufbauen von Feindbildern und Misstrauen, da vieles falsch oder verfĂ€lscht durch die Brille der eigenen, innere Abwehrhaltung beurteilt wird.
Altersturheit verstĂ€rkt diesen Prozess zunehmender Eigenwilligkeit und tendiert schlimmstenfalls immer mehr zur Isolation und Einsamkeit. Es wird fĂŒr Partner oder erwachsene Kindern immer schwieriger mit den manchmal auch zunehmend aggressiven Verhaltensweisen umzugehen. Nicht selten vermischen sich hier noch Anteile von Altersdepression mit den Verwirrungen der Demenz ! Viele Menschen leiden in diesem Zustand unter starken Stimmungsschwankungen und manchmal wird es extrem schwer, Demenz von Depression voneinander abzugrenzen.

Die seltenere Form der Demenz : die sogenannte Frontotemporale Demenz ( FTD )
entsteht durch einen Nervenzelluntergang in den Stirn (Frontal- ) lappen und SchlĂ€fen ( Temporal- ) lappen des Gehirns. Die Symptomatik dieser Demenzform zeigt sich durch deutliche VerĂ€nderungen der Persönlichkeit und im zwischenmenschlichen Verhalten und tritt symptomatisch frĂŒher auf als bei der Alzheimererkrankung, beginnend zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.
Die Krankheitseinsicht ist bereits anfĂ€nglich nicht vorhanden. Manche Betroffene spielen die Symptome eher herunter, was sie fĂŒr die Umwelt oft zunĂ€chst einfacher hĂ€ndelbar macht. „Aber ich bin doch gesund“, heisst es nicht selten. Und wieder andere schĂ€men sich sehr und ziehen sich noch mehr zurĂŒck und "Verstummen". Über die FTD als Sonderform von Demenz, ist ein ein spezieller Blog in Arbeit und fĂŒr Mai 2017 geplant.

Ein von Demenz betroffener Mensch kann Gefahren im Autoverkehr oder auch Preise von Dienstleistungen wie z.B. beim Busfahren nicht mehr einschĂ€tzen. So wartet er also nicht unbedingt auf Wechselgeld, wenn mit einem großen Schein gezahlt wurde. Der Betroffene fĂŒhlt sich entsprechend oft missverstanden, oder sogar betrogen oder gar bestohlen, da das Urteilsversmögen zunehmend gestört ist.

„ Aber ich will doch jetzt nur meine Ruhe .“, kann es ebenfalls nun öfter lauten : Menschen mit Alzheimer-Syndrom verĂ€ndern sich in ihrer Persönlichkeit. Sie werden zunehmend Ă€ngstlicher, reizbarer, misstrauisch bis paranoid oder gar panisch.
Auf Überforderung wird oftmals mit Aggression reagiert. So kann leider aus einem vormals liebenswert-ruhigen Menschen ein ausgesprochen streitsĂŒchtiger werden.
Oder aus einem ordentlichen Menschen, kann nun ein krankhaft pedantischer Mensch werden, der seine Umwelt ziemliche Nerven kosten kann. All dies befeuert den RĂŒckzug Betroffener aus dem familiĂ€ren und sozialen Leben.

„ Und wo ist jetzt meine BĂŒrste und meine Seifenschale ?„ ist so ein typischer Satz dementer Menschen, weil man immer zerstreuter, unkonzentrierter und fahriger wird. Es werden Dinge auf abenteuerliche Weise verrĂ€umt. So landen z.B. Schirme im Eisschrank und der Schal beim Porzellan.

Nun wird es auch immer schwieriger, abstrakte ErkĂ€rungen oder Situationen zu begreifen, denn es gibt keine erklĂ€renden RĂŒckschlĂŒsse mehr. Das ritualisierte Wiederholen von Sprichwörtern oder Floskeln fĂ€llt ebenso irgendwann auf. Da sie offensichtlich meist im falschen Zusammenhang gebraucht werden, zeigt dies, dass Betroffene ĂŒberhaupt nicht inhaltlich verstehen, was mantraartig wiederholt und aus irgendeinem Kontext genommen wurde, und auch nicht begreifen, dass es zur eigentlichen Situation meist ĂŒberhaupt nicht passt.

„ Ich hab keine Lust dazu,“ passt ebenfalls oft in das antriebslose Dasein dementer Menschen. Da existiert wenig Motivation sich auf Neues einzulassen, eher existieren große diffuse Ängste. Entsprechend reduziert sind die sozialen Kontakte, Erlebnisse und ehemalige Hobbies versanden leider dann auch irgendwo und irgendwann.

„ Da gehe ich nicht mehr hin, das mache ich nicht mehr“, ist ebenfalls ein typischer Satz, den betroffene demente Menschen kategorisch bis eigensinnig aussprechen können.
Mitmenschen und entsprechende Interaktionen und Situationen werden irgendwann meist nur als feindlich und bedrohlich empfunden. Manchmal treibt einen dementen Menschen die pure Verzweiflung ĂŒber das sich selbst nicht mehr Begreifen dazu, laut schreiend und rebellisch alles abzuwehren, was er einfach nicht mehr an sich selbst und der Welt versteht. Dies aber ist vor allem fĂŒr die Umwelt und nahe Verwandte oft unertrĂ€glich.

Daher muß letzlich auch das Abgeben in professionelle HĂ€nde, wenn gar nichts mehr geht, bewĂ€ltigt und verarbeitet werden. Es ist absolut wichtig, sich professionelle UnterstĂŒtzung in Selbsthilfe- oder Angehörigengruppen zu suchen, oder auch eine begleitende Therapie zu beginnen, die helfen kann, mit sich, der Situation und dem betroffenen Angehörigen angemessen und liebevoll weiter umgehen zu können.

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Seit weit ĂŒber zwei Jahrzehnten befasst sich die Therapeutin aus dem Aachener SĂŒden mit allen Problemen rund um Leben, Partnerschaft und Beruf. Ihr Ansatz: systemisch- tiefenpsychologisch. Ihre Homepage: www.mycoaching.de

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