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Freitag, 13. Juli 2012
Klare Sprache!
Die Resonanz auf Leitartikel ist sehr unterschiedlich. Geht es um Aachen und/oder die Region - wie am vergangenen Samstag - melden sich viele Leserinnen und Leser zu Wort. Auch der Kommentar zur "Papst-Satire" in der heutigen AZ-Ausgabe fand zahlreiche Reaktionen. Und das zeigt: Unsere Leserinnen und Leser schätzen offensichtlich die klare Sprache. Gut so! Wir freuen uns darüber.
Hier der Kommentar aus der heutigen AZ-Ausgabe ausnahmsweise mal komplett im Blog.
Befleckte Satire
Ein Magazin, der Papst und die große Freiheit
Das ist doch wohl klar, meine Damen und Herren, dass der Papst, auch der deutsche, sich Satire gefallen lassen muss. Satire. Ja, die tragen wir hoch und vor uns her wie eine Monstranz. Satire hat alle Freiheiten, sonst werden wir ungemütlich.
In Zeiten, in denen sowieso alles egal ist, kann die Satire so miserabel sein, wie man sich das in einem Land, in dem ein gewisser Herr Kurt Tucholsky geboren wurde, ganz schlecht vorstellen kann. Ein bepinkelter Papst, ein Würdenträger mit unwürdigen Urin- und Kotflecken: Da hauen wir uns vor Vergnügen auf die Schenkel der Lifestyle-Körper und fordern auf das Entschiedenste die brutalstmögliche Freiheit der Meinung, auch wenn wir ansonsten gar keine haben, jawoll!
Wir fordern Freiheit für die Geschmacklosigkeit und Freiräume für alle Arten fehlenden Respekts. Wir propagieren im unerbittlichen Kampf für die Kunst den Wegfall aller Hemmungen und Einschränkungen. Erst recht, wenn es gegen den alten Mann in Rom geht. Gegen alles Rückwärtsgewandte, Starre, Altmodische, Stockkonservative, Verstaubte. Ja, da pinkeln wir voller Humor doch mal mit, weil wir doch alle nicht dicht sind, wir erhabenen Satiriker.
Wir sind die Intelligenten, die es sich erlauben, mal die Welt durcheinander zu wirbeln. Unser Manifest lautet: stillos, respektlos, niveaulos. Wir werfen jeden Hauch von Anstand über Bord, wir laden ein zur Ellenbogenparty der Rücksichtslosen und Oberflächlichen, wir entlasten die Gesellschaft durch freiwilligen Verzicht auf Gehirnzellen, wir sind lustig, listig, aber dafür völlig ideen- und instinktlos. Das jedoch konsequent. Wir bewegen uns ebenso zielstrebig wie blind Richtung Abgrund. Wie die Titanic.
Und dafür lassen wir uns bejubeln. Man könnte sich vor lauter Freude in die Hose machen. Wir sind angekommen: mitten in der Dekadenz. Und die steht unter dem Schutz der Meinungsfreiheit, das wissen Sie doch, liebe Katholiken. Seien Sie nicht so kleinlich, glauben Sie uns: Es lebt sich gut unter dem Joch der Unverbindlichkeit, des geistigen Verfalls und der Beliebigkeit, in der jeder Mist in der Karre der Blödheit gefahren wird.
Ja, man kann, man soll, man muss die Kirche kritisieren wegen mancher Unbeugsamkeit, wegen ihrer hierarchischen Strenge, ihrer zuweilen unerträglichen Arroganz und Ignoranz. Aber das rechtfertigt nicht die Verletzung der Menschenwürde unter dem falschen Etikett der Meinungsfreiheit. Ein falsches Spiel der edlen „Satiriker“ gegen die gutgläubigen Katholiken und ihren obersten Stellvertreter .
Tucholsky, ein wirklicher Satiriker von hohem Rang, hat mal geschrieben: „Ein skeptischer Katholik ist mir lieber als ein gläubiger Atheist.“ Wie wahr. Halleluja.
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