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Dienstag, 12. Juni 2012
Es läuft wie geschmiert
Neulich hat Sarah uns mit einer kecken Bemerkung überrascht. „Ich habe es mir überlegt“, sagte sie und sah mich lächelnd an. Ich war etwas verunsichert und wusste nicht, was kommen würde. „Was hast du dir überlegt?“, fragte ich.Sie sagte: „Ich möchte ein Sportabitur machen.“
„Aha“, meinte ich. Ich musste etwas Zeit gewinnen.
Im Grunde war das Musik in meinen Ohren. Dem Sport bin ich sehr zugetan, vor allem von der Couch in Düren aus, etwa, wenn es darum geht, die Nationalmannschaft oder Gladbach anzufeuern. „Sport ist sehr wichtig“, doziere ich gerne in Richtung Sarah und setze dann eine besonders ernste Miene auf. „Gerade Kinder und Jugendliche bewegen sich heute viel zu wenig, weil sie nur vor dem Computer abhängen.“
Auch diese Einschätzung hat meine Tochter mehr als einmal von mir gehört. „Ja, ja, ja“, sagt sie dann, „ich weiß. Bei dir war das ganz anders. Du warst ja nur auf dem Bolzplatz.“
„Genau so war es“, sage ich und freue mich, die alten Geschichten wieder einmal erzählen zu können. Dabei geht es um einen erstklassigen Mittelstürmer, technisch versiert, brandgefährlich, kaum vom Ball zu trennen – und dabei stets fair. Ein Bilderbuchsportler. „Ja, ja, ja, du warst der Allerbeste“, sagt Sarah, „eigentlich hättest du in Gladbach spielen müssen.“
Tja…
Dazu hat es dann bekanntlich nicht gereicht. Bei weitem nicht. Aber dafür weiß ich heute ganz genau, wen Jogi Löw gegen Holland aufbieten soll und woran es genau liegt, wenn Klose oder Gomez nicht treffen sollten. Ich bin einer der 90.000 Bundestrainer aus Düren.
Als Sarah mir jetzt eröffnete, dass sie ein Sportabi machen wollte, stellte ich sofort in Aussicht, ihr dann den Führerschein bezahlen zu wollen. Meine Frau Ute sah mich ungläubig an, ich aber winkte augenzwinkernd ab und sagte: „Wunderbar Sarah, dann können wir ja gleich mit dem Training beginnen.“
„Nur den Führerschein?“, fragte sie.
„Wie?“, fragte ich zurück.
„Ich hätte dann auch gerne noch ein Auto dazu. Ein ganz spezielles. Das hast du neulich öfter in der Werbung gesehen…“ Jetzt lächelte sie wieder, diesmal aber schelmisch. Ich wusste, was sie meinte. Als DSDS auf RTL lief, wurde immer für einen kleinen, roten Flitzer geworben. Letztlich erhielten die beiden Finalisten bei Deutschland such den Superstar genau so einen roten Flitzer. Und einer der beiden Finalisten heißt Daniele und hängt zigfach als Poster in Sarahs Zimmer. Ich wusste, wo der Hase langlief. „Vergiss es“, beschied ich Sarah. Ich hatte immer noch nicht verdaut, dass mich Daniele Negroni von allen Seiten anschaut, wenn ich Sarahs Zimmer betrete.
„So ein Auto bekommst du höchstens, wenn du Deutsche Meisterin im Marathon wirst“, rief ich.
„Okay“, rief sie zurück, „dann lass und gleich loslegen mit dem Training.“
„Wieso: uns? Wieso sagt du: lass uns loslegen?“
„Na, weil du mitläufst. Auf der Couch liegen kann doch jeder… Und du steckst den Ärger besser weg, wenn Deutschland jetzt bei der EM nicht ganz so gut spielt…“
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 Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.

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