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Nach einer "gut geschlafenen Nacht" ertönt heute um 6 Uhr der schon gewohnte Frühstücksgong (Löffel auf Alutopf). Das Aufstehen fällt wie immer bei -15°C schwer. In dieser Höhe von 6.400 Meter gerät man bei einer unbedacht schnellen Bewegung sofort außer Atem, was wiederum durch zusätzliches Atmen ausgeglichen werden muss. Besonders große Mühe macht das Anlegen des Klettergurtes mit eiskalten Fingern. Es ist ein besonderer Balanceakt, in die drei "Schlaufen" so einzusteigen, dass hinterher alle benötigten Karabiner, Schlaufen, Achter, usw. griffbereit an der richtigen Stelle hängen.
Gegen 7 Uhr verlassen wir das nicht besonders beliebte Camp 2 in Richtung Western Cmn abwärts. Die Stimmung ist gut, weil wir gestern unser Ziel erreicht haben; allerdings es ist ziemlich kalt und wir frieren an Fingern und Füßen. Die erste Herausforderung des Tages ist die breite Gletscherspalte, die mit zwei zusammengebundenen Leitern überquert werden muss. Nach gut einer Stunde erreichen wir Camp 1. Hier wird das fast völlig zerstörte Camp wieder aufgebaut.
Inzwischen ist die Sonneneinstrahlung so stark, dass wir unsere Daunenjacken ausziehen und im Rucksack verstauen können. Nun steht unser "vierter Durchgang" bzw. der zweite Abstieg durch den gefährlichen Khumbu-Eisfall an. Wir registrieren bei unseren beiden Sherpas eine respektvolle Konzentration. Wie immer in gefährlichen Situationen, murmeln sie ihre Mantras, was auch bei uns die Konzentration und den Respekt für den vor uns liegenden Abstieg erhöht.
Der obere Teil des Eisfalls besteht aus riesigen schiefen, haushohen Türmen blauen Eises. Die Sherpas schaffen es immer wieder, eine mit Seilen abgesicherte Durchquerung durch dieses Labyrinth zu ermöglichen. Je weiter man nach unten absteigt, umso mehr werden unsere technischen Fähigkeiten gefordert. Es gilt, Spalten per Leitern zu überwinden, sich an steilen Eisplatten abzuseilen, sich durch schmale Eisspalten zu zwängen und senkrecht/steile Stufen hochzuziehen.
Bei der Überquerung einer der Gletscherspalten, die mit zwei zusammengebundenen Leitern "gesichert" ist, stockte Paul der Atem. Mitten über der Gletscherspalte hatte sich sein rechtes Steigeisen genau dort eingeklemmt, wo die beiden Leitern mit Stricken verbunden sind. Stocksteif blieb er erst mal stehen, um die Situation genauer zu analysieren. Die beiden Sherpas und Eberhard erkannten natürlich auch sofort das Missgeschick und begannen, "von außen" entsprechende Lösungsvorschläge zu geben. Vorfuß heben, Hinterfuß heben, ganzen Fuß bewegen. Alles führte aber nicht zum Lösen des eingeklemmten Steigeisens. Paul selbst dachte daran, das Steigeisen vom Schuh zu entfernen, um so aus der Klemme zu kommen. Glücklicherweise kam er aber durch viele "Wackler" aus der misslichen Lage heraus und mit wenigen Schritten auf sicheres Eis.
Uns zwar bekannt, aber wieder scheinbar unendlich, zieht sich der untere Teil des Gletschers in glühender Hitze noch einigen Stunden hin und völlig ausgepowert erreichen wir gegen 13 Uhr das Base Camp.
Wir sind glücklich, diese zweite Rotation erfolgreich bis auf 7.100 Meter beendet zu haben. Jetzt sind wir akklimatisiert für einen Gipfelversuch.
Das weitere Vorgehen hängt jetzt vom Wetter ab.
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