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Donnerstag, 12. April 2012
Schlimm. Schlimmer. 1. FC Köln.
Nun also doch: Stale Solbakken muss gehen. Die Entlassung des Norwegers ist der vorläufige negative Höhepunkt einer Saison, die an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist. Auf und neben dem Platz. Eine Abrechnung.


Kein Präsident!

Kein Sportdirektor!

Immerhin ein neuer (alter) Trainer . . .

Der 1. FC Köln hat sich von Stale Solbakken getrennt. Nachdem es vorgestern noch so aussah, als wolle man trotz der chronischen Erfolglosigkeit an dem Norweger festhalten, kam dann heute doch die Wende. Gut möglich, dass die jüngsten Ereignisse am Geißbockheim den letzten Ausschlag gaben: Ohne Bodyguards an seiner Seite konnte Solbakken keinen Schritt mehr tun. Die Atmosphäre unter den „Fans“ war zum Schluss so aufgeladen, dass an ein Weitermachen nicht mehr zu denken war. Menschlich ist die Entlassung Solbakkens zu bedauern. Mit seiner offenen, frischen Art tat er dem Verein gut. Er war der letzte Sympathieträger!

Und fachlich? Selbst Solbakken hat bis zum Schluss betont, dass er alleine für die sportliche Schieflage verantwortlich sei. Er hat nicht nach Ausreden, nicht nach Schuldigen gesucht. Auch das hatte Größe. Dass er seine taktischen Vorstellungen in Köln nie hat umsetzen können, könnte wohl auch damit zu tun haben, dass ihm ganz einfach das Personal fehlte. Wer modernen Fußball spielen will, der wird mit dem Mittelmaß, das seit Jahren beim 1. FC Köln dilettiert, nur scheitern können.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Kader in seiner aktuellen Zusammenstellung wenig charakterstark zu sein scheint. Disziplinarische Maßnahmen gab es zuletzt fast täglich. Hier muss sich allerdings auch der Trainer Kritik gefallen lassen. Gut möglich, dass Solbakken die Novakovics und wie sie alle heißen zu lange an der zu langen Leine gelassen hat. Es liegt die Vermutung nahe, dass einige Spieler das Vertrauen des Trainers missbraucht haben. Kritisch muss man gewiss auch Solbakkens Entscheidung werten, dass er Pedro Geromel ins Kapitänsamt hob. Gerade in der Krise ist der Verteidiger untergetaucht, gar nicht zu reden von seiner seit Wochen katastrophalen Form. Was ist bloß aus Pedro Geromel geworden? Die bessere Wahl wäre nicht Lukas Podolski, sondern Michael Rensing gewesen.

Nun also Frank Schaefer. Der hatte zwar gestern noch erklärt, dass er nicht zur Verfügung stünde. Doch was interessiert schon das Geschwätz von gestern? Gerade beim 1. FC Köln. Schaefer hat bei seinem ersten Engagement bewiesen, dass er einer toten Mannschaft Leben einhauchen kann. Und doch: Auch die neuerliche Verpflichtung Schaefers hat einen merkwürdigen Beigeschmack. Bis heute weiß niemand so ganz genau, warum Schaefer seinerzeit gehen musste. Nun ist er wieder da. Wohl auch nur, weil Finke, der ihn damals zum Rückzug bewegte, halt nicht mehr da ist. So ist das also heute beim 1. FC Köln. Im Grunde weiß man gar nicht mehr so richtig, wer überhaupt noch da ist. Oder schon wieder weg.

Ein derartiges Chaos wie in dieser Saison hat es in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch bei keinem anderen Club gegeben. Und diese Aussage ist nicht einmal näher überprüft oder verifiziert, sie wird schon ihre Richtigkeit haben. Denn mehr Chaos kann gar nicht sein. Der 1. FC Köln hat sich auf der ganzen Linie blamiert. Jeder kleine Karnevalsverein ist besser organisiert, was an dieser Stelle bitte ausdrücklich nicht als Beleidigung der Karnevalsvereine verstanden werden darf. Im Gegenteil: All die Karnevalsvereine müssten eigentlich stinksauer sein, dass sie permanent mit dem 1. FC Köln in einen Topf geworfen werden. Wie heißt es so schön: "Ihr seid nur ein Karnevalsverein." Nein, ehrlich: Die Karnevalsvereine haben besseres verdient.

Blamiert, ja disqualifiziert, haben sich auch Teile der Fan-Szene des einst stolzen Vereins. Wenn der Trainer und die Spieler nur noch von Bodyguards begleitet ihrem Job nachgehen können, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Den Fans ist in dieser Saison viel zugemutet worden, wohl wahr. Aber das ist keine Rechtfertigung für ein teils indiskutables Verhalten. Solbakken sollte froh sein, dass er weg ist aus Köln. Wer weiß, was noch passiert wäre . . . Aber wer wäre ihm im Falle des Falles zur Seite gesprungen? Wohl niemand. Es stimmt zwar, dass schon Trainer gehen mussten, die weniger Spiele als Solbakken verloren haben. Aber die Rahmenbedingungen, unter denen dieser Trainer "arbeiten" musste (permanente Unruhe, peinliche Außendarstellung), waren einfach zu unterirdisch. Man hat lange in Treue zu Solbakken gestanden, doch im Grunde hat man ihn auch die ganze Zeit im Regenchaos stehen lassen.

Und dann war da noch Lukas Podolski. Zugegeben: Ohne seine Tore wäre der FC wahrscheinlich seit acht Spieltagen abgestiegen. Es gehört aber zur Wahrheit dazu, dass das Hickhack um seine Person (Geht er nun zu Arsenal oder nicht? Wann wird der Wechsel verkündet? Bleibt er am Ende doch in Köln?) über Wochen, ja Monate für Aufregung gesorgt hat. Insbesondere den Mitspielern wird das nicht gefallen haben. Und das ist noch nett formuliert.

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14.04.2012 00:53 Uhr
Stephan Behrens kommentiert
Also, ich kenne einen Verein, der zumindest in dieser laufenden Bundesligasaison vergleichsweise bescheiden organisiert und aufgestellt ist, wie der heißgeliebte FC des hier in aller Öffentlichkeit leidenden Redakteurs. Die Rede ist vom HSV. An der Elbe gibt es zwar keine Karnevalsvereine, aber was nicht ist kann ja noch werden. Jedenfalls scheint man sich im hohen Norden ein Beispiel am sportlichen Tiefflug der Rheinländer zu nehmen. Punkte werden verschenkt wie Kamelle in Kölle während der fünften Jahreszeit. In Hamburg verpflichtet ein seltsamer Däne Reservisten aus der englischen Liga. ein Südamerikaner spielt mit blitzendem Messer zwischen den Zähnen und benimmt sich wie ein wild gewordener Stier, ein Innenverteidiger, der wahrscheinlich noch jämmerlicher kickt als Geromel, wird nicht müde, seine Ambitionen für die Nationalelf zu bekunden und wenn es ganz dumm läuft in den nächsten drei Wochen, spielt man zum Ende der Saison gegen Pauli um den Verbleib im Fußballoberhaus. Aber noch ist nichts verloren, weder für den FC noch für den HSV. Ich persönlich würde mir lieber ein Derby am Rhein ansehen. Fortuna gegen den 1. FC. Das wäre besser für meine Nerven. Schließlich trage ich ähnlich lange die Raute in meinem Herzen, wie der arme Redakteur den Geißbock in seinem.
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Frage: Wie erträgt man es eigentlich, bekennender Fan des 1. FC Köln zu sein? Antwort: Schwer! Verdammt schwer! Betrachten wir es also einfach mal als angeborene Krankheit, gegen die es kein Heilmittel gibt. Man lebt damit. Und man leidet.
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