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Donnerstag, 15. Dezember 2011
Wer Ordnung hält...
Wir sind eine aufgeräumte Familie. Ständig halten wir die Kinder an, für Ordnung zu sorgen. Man kann nicht früh genug damit anfangen. Unser Sohn Leon, dreieinhalb, soll abends, bevor wir ihm vorlesen, sein Zimmer von den größten Tretminen befreien. Wissen Sie, wie es ist, wenn man barfuß auf einen Legostein tritt? Eben!
Ich habe da eine Menge Erfahrung. Sarah sollte ihr Zimmer auch immer aufräumen – von Anfang an. Natürlich ist das heute noch so. Und weil das so ist, wird viel darüber geredet in unserer Familie. Neulich hörte meine Frau, Leon habe in seiner Kita erzählt, seine Schwester würde nicht immer aufräumen. Oha, da war Stimmung am Abendbrottisch. „Das stimmt ja gar nicht. Wie kannst du…“, „Das darf ja wohl nicht wahr sein…“, „Absolut unmöglich…“, das waren noch die entspannteren Äußerungen von Sarah. Dann sagte sie: „Willst du, dass ich in der Schule erzähle, dass du nicht immer hörst?“
„Ich höre immer“, rief Leon. „Tust du nicht“, rief Sarah. Es ging eine Weile hin und her, bis Leon sich mit seiner Nachspeise beschäftigte und zunächst verstummte. Kurz darauf dann diese Ansage von Sarah: „Papa, du hast deine Jacke schon wieder an die Türklinke des Gäste-WC gehängt. Du weißt genau, dass Mama das nicht möchte. Und ich auch nicht.“ Sie grinste mich an. „Und deine Fototasche steht schon wieder in der Küche. Da gehört sie nicht hin.“
Sie hatte einen triumphierenden Blick, so wie Boris Becker damals, als er zum ersten Mal Wimbledon gewann. Aber diesen Vergleich verkniff ich mir, er hätte nur Öl ins Feuer gegossen.
Sarah mag den ruhmreichsten aller deutschen Tennisspieler nicht. Sie nennt ihn nur „Perücken-Opa“, seit er mal mit merkwürdig gelblich gefärbten Haaren in der Öffentlichkeit auftrat.
Zumal Sarah auch noch Recht hatte. Weder Jacke noch Fototasche gehörten da hin, wo ich sie gelassen hatte. „Aber bitte, kann ja mal passieren“, sagte ich. Bei der Arbeit, die ich immer habe...“ Ich bemühte mich um einen äußerst gequälten Gesichtsausdruck. Den hätte nicht mal der Boris hinbekommen, selbst nicht bei einem 0:5 im entscheidenden Satz gegen seinen Erzrivalen Michael Stich. „Bei mir lässt du das auch nicht durchgehen“, rief Sarah. Sie hatte Recht. Ich räumte alles brav weg, man muss ja mit gutem Beispiel voran gehen. „Und im Gegenzug räumst du schon mal den Tisch ab“, sagte ich zu ihr und lächelte sehr freundlich. „Manno“, sagte Sarah.
„Ordnung muss ein“, rief ich und kündigte an, Leon gleich eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Eine ganz besondere, es ging um die Müllabfuhr. Das Buch haben wir Sarah schon vorgelesen. Es ist pädagogisch sehr wertvoll, weil mit bunten, schönen Bildern auch erklärt wird, wie man Ordnung hält. Wir sind, wie gesagt, eine aufgeräumte Familie.
„Lass mich mal vorlesen“, sagte Sarah zu mir und griff sich das Buch. „Ich glaube, du musst auch noch mal genau hinhören…“
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 Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.

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