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Mittwoch, 23. November 2011
Kraemer muss gehen - am besten gestern
Die Gutachter müssen mal wieder ran. Die Deutsche Fußballliga (bekannter: DFL) hat der Alemannia einen blauen Brief geschickt. Die Alemannia muss Einnahmen in Höhe von gut 800.000€ nachweisen, die durch schlechtere Platzierungen in der Liga fehlen. Erneut fehlen einkalkulierte TV-Gelder. Somit hat die Alemannia gleich zwei Deadlines im Januar. Die Lage wird dramatischer.

Frithjof Kraemer schilderte es als normal und als bekanntes Problem. Man arbeite ja aber dran – schon länger. Da aber keine Fortschritte zu verzeichnen sind und sowohl Stadt als auch Land den Auftrag erteilt haben, ein „Worst-Case-Szenario“ zu erarbeiten, riecht man förmlich die Sprache, die die Zahlen sprechen. Auch die DFL verlangt nun Hausaufgaben.

Abgesehen davon, woher man nun wieder das ganze Geld für Gutachter hat (denn schnelle Gutachten sind teuer), ist die Frage, was stand eigentlich in den Gutachten, auf die man die Finanzierung setzte. Wieso schafft die Alemannia nicht einmal zwei schlechte Spielzeiten in der zweiten Bundesliga, wo man noch 2009 zur Stadioneröffnung versprach, man schaffe auf mal ein Jahr dritte Liga?

Diese Fragen sind nicht neu. Diese Fragen stellen Fans, Mitglieder aber auch Sponsoren und Gläubiger seit fast zwei Jahren. Bis heute gab es kaum Antworten. Die zwischenzeitlichen Meldungen entpuppten sich als heiße Luft und angekündigte Meilensteine blieben aus. Nun zieht sich die Schlinge immer enger zu. Was kann also zur Rettung führen?
Zum einen hängen sportliche und finanzielle Situation nicht nur in Puncto TV-Gelder zusammen. Die fortwährende Belastung und vereinsinternen Streitigkeiten und Machtspielchen verunsichern die Mannschaft. Dies entschuldigt keinesfalls charakterlose Auftritte wie zuletzt in Frankfurt, ist dennoch ein nicht zu vernachlässigender Punkt auf der Verbesserungsliste.

Vor einem Jahr verschafften die Pokalerfolge noch etwas Luft zum atmen. Aber statt diese Atempause zu nutzen, steht man nun an selber Stelle – aber mit wesentlich schlechterer Ausgangsposition. Aus dem Pokal ist man raus und auch ein Spielerverkauf dürfte schwierig werden – wer ist denn derzeit zu einem gewinnbringenden Preis zu haben?
Sondereinnahmen durch Transfererlöse oder andere Einmaleffekte wird es also definitiv nicht geben. Auch die Kreditstreckung und Verlängerung der Landesbürgschaft zieht sich hin. Wie sieht es dann eventuell mit der zweiten Tranche der städtischen Bürgschaft aus? Diese könnte man ziehen. Aber wieso hat man dies nicht getan? Was stimmt da nicht? Hat man dies eventuell schon still und leise getan? Oder wurde seinerzeit alles gezogen? Oder gibt es an die zweite Tranche geknüpfte Bedingungen, die man bereits jetzt nicht einhalten kann?

Ich weiß einfach nicht mehr, was ich von meiner Alemannia halten soll. Irgendwann lernt jeder mal aus Fehlern. Spätestens nach dem zweiten Mal packt kein Kind mehr auf eine heiße Herdplatte. Als (Exil)Öcher sehe ich auch das Verhalten der Stadt als absolut nachvollziehbar an. Knapp am Nothaushalt vorbeigeschrammt, ist ein Kauf des Tivoli nicht so einfach zu machen. Vor allem nicht, wenn die handelnden Personen das letzte Bisschen Seriosität und Vertrauen längst verspielt haben. Ich würde auch keine Geschäfte mehr mit Kraemer und Co. machen. Beim letzten Mal hätte ich beinahe meine Kunden verloren. Die warten bis heute auf ein Sponsoringangebot… Auch wenn dies für einige Leser ein alter Hut sein mag: Mich regt dies maßlos auf!

Die Alemannia Aachen GmbH hat einfach einen unfähigen Geschäftsführer. Herr Kraemer ist nicht mehr tragbar. Wieso sieht Aufsichtsrat nicht ein, dass mit Frithjof Kraemer die Türen verschlossen bleiben? Wieso ignorieren Heyen und Co., dass Fans und Mitglieder, aber auch Sponsoren und Kreditgeber ohne Kraemer wesentlich kooperativer sind? Wieso hat Herr Kraemer solch eine Rückendeckung, obwohl die Unzufriedenheit, vor allem durch ihn selber hervorgerufen, Verein und GmbH schadet?

Die Alternativen schwinden. Entweder man einigt sich mit Stadt und Land (was bis Januar schwierig werden dürfte), man findet eine Lösung mit Sponsoren, Investoren, Gläubigern und weiteren Dritten, oder man geht schlicht in die Insolvenz. Grundsätzlich mag ich die Alemannia nicht in den Niederungen des Amateursports versinken sehen, bin aber noch weniger gewillt, mich knebelnden Forderungen von Investoren zu beugen. Denn aktuell ist die Alemannia eine heiße Ware und wenn jemand dafür bereit sein sollte Geld auszugeben, wird der Preis von uns Fans und leidenschaftlichen Anhängern seeeehr groß sein.

Da wünsche ich mir lieber, dass wir – und wenn es 30 Jahre dauert – wie Phönix aus der Asche wieder gesund empor steigen, als meine Seele zu verkaufen.

 Kommentare (3)    Trackbacks (0)  

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24.11.2011 12:48 Uhr
charly.ac kommentiert
Wenn das mal immer so einfach wäre, lieber Alemannia-Freund! Als der Geschäftsführer Kraemer nach Aachen kam, waren die zinslastigen Pflöcke einiger Himmelstürmer, die Alemannia auf Ewigkeiten in der Ersten Liga sahen, schon längst eingeschlagen. Nicht Kraemer hat die überzogene Kapazität des neuen Stadions, das meistens leer stehende Super-Parkhaus und die viel zu optimistischen Prognosen zu verantworten, sondern ganz andere Herren aus dem damaligen Aufsichtsrat. Kraemer ist derjenige, der diese Suppe auslöffeln muss.
24.11.2011 14:04 Uhr
derFriedri.ch kommentiert (Homepage)
Hallo Charly,

dies stimmt nicht so ganz. Kreamer war bereits 9 Monate im Job, als die Verträge mit Hellmich geschlossen worden sind. Wie anhand dieser Zeitleiste (http://www.tiki-toki.com/timeline/entry/11820/Der-neue-Tivoli/) auch nachzuvollziehen ist, war Kraemer definitv noch mit in den Finanzierungen beteiligt. Sein Vorgänger Bernd Maas hatte keine bindenden Konstrukte hinterlassen (http://www.derfriedri.ch/bernd-maas-spricht-klartext/).Natürlich gibt es auch die Herren Soiron, Linden und Appel, sowie Hilgers, die als Mitglieder des Aufsichtsrates beteiligt gewesen sind, da haben Sie Recht.

Dennoch: Auch nach deren Nichtwahl bzw. Amtsende hat Herr Kraemer sich nicht mit Ruhm bekleckert. So hat er in dieser Zeit keine Fortschritte in Sachen Finanzierung des Stadions, noch der allgemeinen Situation beigetragen. Im Gegenteil: Investitionswillige Sponsoren haben, trotz mehrfacher Aufforderung, keine Angebote bekommen. Wir hatten es ja...

Kraemer nun als Opfer hinzustellen ist folglich falsch.

24.11.2011 17:46 Uhr
charly.ac kommentiert
Lieber Friedrich,

insofern haben Sie Recht, als Kraemer in den neun Monaten dem Aufsichtsrat energisch hätte widersprechen können und müssen. Dennoch: Die Ursache für das Dilemma liegt wohl tatsächlich früher. Hoffen wir für die Alemannia das Beste...

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