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Samstag, 24. September 2011
Ein leichtes Schwindelgefühl
Es kann einem schon den Atem verschlagen, was Facebooks Chef Mark Zuckerberg da ankündigt. Was vor sieben Jahren als kleines studentisches Webprojekt begonnen hat, vernetzt heute mehr als eine Dreiviertelmilliarde Menschen - und morgen? Die ganze Welt?
Facebook ist das Internet im Internet, schrieb ich vor elf Monaten. Ein knappes Jahr später sieht es eher so aus, als wollte Facebook selbst zum einzig wahren Internet werden. Schlag um Schlag schiebt es ein lieb gewordenes Webangebot nach dem anderen aus dem Weg, indem es seine Funktionen einfach übernimmt.
Die Liste wächst und wächst. Schon längst schreiben vor allem jüngere Facebook-Mitglieder ihren Freunden lieber Privatnachrichten über das Netzwerk als E-Mails. Urlaubsfotos landen im Facebook-Album statt bei Flickr oder in der Foto-Community. Statt über ICQ wird über Facebook gechattet. Die Pinnwand hat das eigene Blog ersetzt. Und morgen? Wer loggt sich noch bei Skype ein, wenn es doch den bequemen neuen Videochat bei Facebook gibt?
Seit sich die Meldungen von Prominenten und Politikern auch ohne gegenseitiges Freundschaftschließen lesen lassen (also seit einer Woche), ist auch Twitter auf die Liste der Abschusskandidaten geraten. Und wenn demnächst ganze Lebensläufe auf Facebook hinterlegt werden, könnten Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn das Schicksal von MySpace und StudiVZ teilen.
Jetzt also Musik, Filme und Nachrichten. Was kommt morgen? Kleinanzeigen? Als Journalist fragt man sich, ob in zehn Jahren auf der eigenen Profilseite hinter "Beruf:" das Wort stehen wird: Facebook-Editor. Und ob das dann noch eine bezahlte Tätigkeit sein wird.
Auch wenn man es angesichts der unzähligen neuen Apps, Tablets, Smartphones und der neuen Dienste bei Facebook und Google+ in jüngster Zeit kaum für möglich gehalten hätte: Die digitale Revolution schaltet gerade noch einen Gang höher. Das Netz dringt in die letzten Bereiche unseres Lebens vor - selbst unsere Lieblings-Joggingroute soll jetzt Teil davon werden. Und morgen? Wie lange können wir die sozialen Krakenarme noch aus Bad und Bett heraushalten?
Die Folgen dieser Entwicklung sind noch nicht abzusehen. Die Folgen für unsere Vorstellung von Privatsphäre erst recht nicht. Eins ist jedenfalls klar: Die Kluft zwischen den Lebenswelten von "Offlinern" und "Onlinern" wird sich weiter vertiefen. Es ist ein Riss, der durch die ganze Gesellschaft geht.
Keine Frage: Netzwerken bereichert das Leben auf einzigartige Weise und macht ungeheuer viel Spaß. Jedenfalls, solange man die Kontrolle darüber behält. Eine Umfrage unter Bekannten des Autors ergab gestern eine Tendenz zu leichtem Schwindelgefühl.
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 Kurs Südwest: Angelockt von Printenduft und dem Ruf belgischen Kirschbieres, verirrte sich ein nordischer Fischkopf in die Kaiserstadt Aachen. Wie aus flüchtiger Affäre wahre Liebe wurde, beschreibt er in diesem Blog.

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