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Es gibt in Online-Shops T-Shirts zu kaufen mit seinem Kopf in der Pose von Che Guevara. Julian Assange war auf dem Weg zur Pop-Ikone der Generation Internet. Weder der Sexskandal in Schweden, noch der Streit mit seinem Sprecher Daniel Domscheit-Berg schienen ihm etwas anhaben zu können. Freiheitsaktivisten stellten ihn in eine Reihe mit Nelson Mandela und dem Dalai Lama, Konservative in den USA forderten seine Ermordung. Held oder Terrorist, Assange schien unangreifbar.
Und jetzt? Vielleicht muss man ja leicht wahnsinnig sein, um sich mit der halben Welt anzulegen. Tatsächlich zeigt der Sohn von Inhabern eines Wanderzirkus, der als Kind mit seiner Mutter vor einer Sekte durchs Land flüchten musste, zumindest narzisstische Züge. Doch bislang konnten sich Beobachter im Glauben wiegen: Bestimmt weiß der Mann, was er tut.
Doch das war vor der Katastrophe der vergangenen Tage, dem "Cablegate-Gate", wie die unfreiwillige Enthüllung der Enthüller genannt wird. Schlimmer hätte es nicht kommen können: Die 250.000 Depeschen der US-Diplomaten, die von den veröffentlichenden Medien zuvor so sorgfältig redigiert worden waren, um die darin genannten Informanten zu schützen - sie liegen offen im Netz. Weltweit müssen nun Menschen um ihr Leben fürchten. Darunter solche, die sich mutig gegen diktatorische Regimes gestellt haben. Bloßgestellt durch kriminelle Schlamperei und inkompetenten Umgang mit Verschlüsselungstechnik. Das ist unentschuldbar.
Und was tut Assange? Nun, da ihm die Kontrolle über sein Material auf katastrophale Weise entglitten ist, veröffentlicht er in wilder Hektik auch die restlichen Texte. Unredigiert. Unverantwortlich. Unverständlich. Was treibt ihn dazu, außer der Eitelkeit, sich nicht das Heft aus der Hand nehmen zu lassen?
Der Glanz des selbsternannten Revolutionärs der Transparenz ist ab. Der Held hat versagt: Einzigartiges Wissen ist ihm anvertraut worden. Er hat dieses Vertrauen enttäuscht. So taugt das gefallene Idol nicht einmal mehr zum Märtyrer.
Für alle Whistleblower, die Missstände aufzeigen wollen, ist das eine schlechte Nachricht. Da ist niemand mehr, dem sie vertrauen können. Wikileaks: zerfallen. Openleaks, die Alternativplattform: zweifelhaft. Eine schlechte Nachricht auch für uns alle, die wir von solchem Wissen profitiert hätten.
Die Generation Internet wartet also weiter auf ihren Che Guevara. Wir hätten da eine Stelle frei: Freiheitskämpfer und Volksliebling, furchtlos, fotogen, verantwortungsbewusst und technisch versiert. Bewerbungen bis auf weiteres bitte nur schriftlich.
Kommentar zu Wikileaks, Aachener Nachrichten, 3. September 2011
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 Kurs Südwest: Angelockt von Printenduft und dem Ruf belgischen Kirschbieres, verirrte sich ein nordischer Fischkopf in die Kaiserstadt Aachen. Wie aus flüchtiger Affäre wahre Liebe wurde, beschreibt er in diesem Blog.

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