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Freitag, 6. Mai 2011
Ein letztes Mal
Es war der 5. Februar 1993, als ich zum ersten Mal den Tivoli besuchte. Ich war neun Jahre jung und die Alemannia kannte ich nur gaaaanz vage. Mein Vater nahm mich mit zum Schlagerspiel an diesem Abend gegen Rot-Weiß Essen. Zusammen mit meinem damaligen Jugendtrainer und dessen Sohn ging es auf die Sitzplatztribüne. Es wurde richtig voll und ich erinnere mich noch gut, wie sehr ich mich erschrocken habe, als aus dem Block genau gegenüber ein Schlachtruf erklang, den es wohl auch morgen beim letzten Spiel des alten Tivoli zu hören gibt: Heya, Heya Alemannia!
An diesem nass-kalten Freitagabend packte mich das Flair dieses Stadions. Der unvergleichliche Charme schlummerte aber noch ein par Jahre vor sich hin, ehe ich über Schule und Sportverein Freikarten in der Aufstiegssaison 98/99 bekam und seither eine Dauerkarte besitze.
An diesem nass-kalten Freitagabend 1993 verlor die Alemannia mit 0-3 gegen Rot-Weiß Essen und schaffte doch den Sprung in mein Herz. Klar, an das Spiel selber kann ich mich kaum erinnern, aber ich erinner' mich genau an die typischen Tivoli-Erlebnisse. Es roch nach Bier und Bratwurst. Die allgegenwärtige Farbe schwarz und gelb und selbst die Herren auf der Sitzplatztribüne im feinen Anzug brüllten "Du blöde Idiot! Neä, wat hant vür at woërm ne schönne Tünnes a jen Flöet!"
Auch erinnere ich mich an einen älteren, sehr schick und teuer gekleideten Herren, der im S-Block stand, immer an den Wellenbrecher gelehnt, und, egal ob die Alemannia nun im Angriff war oder im Sturm, "Hinten raus Ihr Arschlöscher!" rief. Auch eine Kapelle saß mal im S-Block und versuchte sich als Stimmungsmacher. Unvergessen auch die Radermacherbrüder! Die Urgesteine trotzten dem beißenden, aber tivolitypischen Geruch nach Pisse und waren immer freundlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht anzutreffen. Sie gehören für mich zu dem Tivoli wie der Regen und der Schimmel. Morgen gibt er uns zum letzten Mal die Ehre.
Ich könnte noch unzählige Geschichten erzählen und könnte trotzdem vielen von Euch nicht das Wasser reichen, die noch viele Jahre mehr Tivoli auf dem Buckel haben. So oder so: Wir werden ihn gemeinsam vermissen. Wir tun es jetzt schon, aber wenn die Bagger in Kürze die altehrwürdigen, maroden aber dennoch traumhaft schönen Tribünen einreißen, werden wir gemeinsam an der Krefelder oder Merowinger Straße stehen, uns den Pippi aus den Augen reiben und gegenseitig die Taschentücher reichen.
Ich sage DANKE DANKE, Tot' ziens , lebewohl und voelmoals Merci aue Tivoli!
(Auf meinem Blog www.derfriedri.ch findet Ihr auch das Stadionheft vom Spiel gegen Rot-Weiß Essen als PDF-Download.)
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