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Sonntag, 2. August 2009
Gemeine kleine Dinger
So klein, so gemein, so nützlich: Zähne, (lateinisch Dentes)! Nützlich sind sie nicht nur, weil sie den Genuss von Äpfeln, Keksen, Nüssen und anderen Leckereien enorm erleichtern. Sie dienen auch als prima Sündenbock.

Alle Babys quengeln und jammern nämlich mal ohne offensichtlichen Grund. Mamas sind aber geborene Suchmaschinen. Ohne Grund? Das gibt es nicht! Wenn er nicht offensichtlich ist, dann muss er eben unsichtlich sein. So wie die Zähne, die bekanntlich schon jucken und drücken, wenn sie noch gar nicht zu sehen sind.

Wenn also eine Mama mit ihrer Weisheit am Ende ist, versucht sie es mit Latein und beschäftigt sich mit den Dentes decidui, den Milchzähnen. Die können schon ab dem vierten Monat in den Kiefer einschießen, und damit die Drei-Monatskoliken nahtlos als Quengelgrund ablösen. Paradoxerweise beruhigt das uns Muttis. Denn ist der Feind erst erkannt, ist schnell das Gegenmittel zur Hand. Und schon werden Bernsteinketten geschwenkt, Beißringe gezückt, Veilchenwurzeln an Schnullerketten gebunden und homöopatische Kügelchen verteilt. Letztere kugeln dann überall herum. Denn die kleinen runden Dinger wollen auf dem Weg vom Döschen zum Mündchen partout nicht auf dem Plastiklöffel ruhen.

Es ist zwar selten, dass Windelzwerge schon so früh zahnen, aber es beruhigt Muttis doch ungemein, gut vorbereitet zu sein und alles Mamamögliche getan zu haben. Da macht es auch nichts, dass sich das erste Zähnchen erst nach neun Monaten oder später zeigt. Der Sohn einer Freundin bekommt laut Überzeugung seiner Mutter bereits seit fünf Monaten Zähne. Inzwischen kann er krabbeln. Die Beißerchen lassen aber immer noch auf sich warten. Auf dem Röhrchen für die homöopatische Geheimwaffe kaut er aber leidenschaftlich gerne herum.

Wussten Sie, dass der Zahnschmelz (lat. Enamelum) die härteste Substanz des menschlichen Körpers ist? Also, ich nicht. Toll, diese „Hartgebilde in der Mundhöhle“ (Wikipedia). Der Zahnschmelz besteht zum Beispiel zu 95 Prozent aus Hydroxylapatit.

Sagen Sie das drei Mal hintereinander: Hydroxylapatit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit. Klingt schon richtig hart. Das ist ein kristallines Material, dessen Hauptanteile Calcium und Phosphat sind. Fluoride wandeln das Hydroxylapatit in Fluorapatit um. Das ist noch härter. Deshalb gehört Fluorid auch in die Kinderzahnpasta. Bekommt der kleine Mensch allerdings täglich mit seinem Vitamin-D auch Fluor, reicht eine Zahnpasta mit mineralischen Putzkörperchen. Aber geputzt werden muss, und zwar ab dem ersten Zähnchen. Denn auch Muttermilch enthält Kohlenhydrate, die den Zahnschmelz angreifen. Und die zwanzig Milchzähnchen sind die Platzhalter für die zweiten Zähne (Dentes permanents). Sind die ersten faul, kann auch aus den zweite nichts werden.

Soweit die Theorie. In der Praxis kann ich meiner Krabbe natürlich nicht mit so einem lateinischen Hokuspokus kommen. Und schon gar nicht mit der Zahnbürste. Aber die brauchen wir, denn unsere Krabbe hat schon vier Zähne. Zwei weitere blitzen bereits unter dem Zahnfleisch durch.

Die kräftigen Jungs hielten sich bei ihrer Ankunft nicht an die allgemein anerkannte Reihenfolge. Klar, zuerst die beiden unteren Schneidezähne (bereits im vierten Monat!), aber dann kam (im achten Monat) der Dentes incisivi (Schneidezahn) ganz rechts. Ich hielt ihn für einen Eckzahn und sie sah aus wie ein kleiner Vampir. Da wollte sich der mittlere Schneidezahn rechts wohl nicht lumpen lassen und kam gleich hinterher. Das sieht jetzt noch etwas ulkiger aus. Unsere Krabbe verwandelt sich in einen gefährlichen Säbelzahntiger. „Grruaahha!“ Knurren kann sie auch schon.

Beim Zähneputzen haben wir inzwischen einen Kompromiss gefunden. Sie darf die Zahnbürste wie einen Zauberstab durch die Luft schwingen und auf die Wickelunterlage donnern. Ich darf mit dem Zipfel eines Mulltuchs, auf dem ein klitzekleiner Tupfen Zahnpasta thront, ihre kleinen Zahnspitzen poliere.
Allerdings beweist sie mir bei dieser Gelegenheit gerne, dass der Kiefer der stärkste Muskel im Körper meines kleinen Kobolds ist. Sie muss diese neuen weißen Dinger unbedingt überall ausprobieren. So klein, so gemein.

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03.08.2009 21:42 Uhr
Cati Basmati kommentiert (Homepage)
Ja, das kenn ich, mein Neffe hat gerade meiner Schwägerin einen Lippenbiss verpasst, mit dem sie aussieht wie dem größten aller Herpes-Attacken ausgesetzt.

Kinder, Quell ewiger Freude :-)

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