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Puh, die Krabbe schläft! Endlich. Sie kann das jetzt schon ganz gut. Alleine einschlafen. Sie hat sich das selbst beigebracht. Eines Abends zappelte und quengelte sie so lange auf meinen Armen, bis ich sie entnervt und verzweifelt in ihr Bettchen steckte. „Dann musst Du jetzt eben ein großes Mädchen sein und allein einschlafen“, sprach ich und zog die Spieluhr auf. Das Quengelwesen verstummte, schaute mich aus großen blauen Kulleraugen an...

...und drehte den Kopf zur Seite. Ich machte das Licht bis auf eine kleine Nachtlampe aus und ging kurz in die Küche. Ich brauchte eine kleine Stärkung. Das konnte nicht gut gehen. Ich lauschte. Gleich musste die Sirene losgehen. Gleich. In der Regel funktionierte es nur, mit der kleinen Schlafverweigerin gemeinsam ins Bett zu gehen, sie in den Armen zu halten, bis sie eingeschlafen war, und sie dann ins Beistellbettchen zu schieben. Meist schlummerte ich vorher erschöpft mit ihr auf dem Bauch ein.
Ich seufzte, stellte mich innerlich auf ein langes Trösteprogramm ein, ging wieder ins Zimmer – da war sie eingeschlafen. Einfach so. Ohne mich. Unglaublich.

Am nächsten Abend habe ich es noch mal probiert. Das war bestimmt nur ein Zufallstreffer, dachte ich. So einfach kann es ja nicht sein. Doch dann: eine Geschichte, ein Küsschen und gute Nacht. Die Krabbe drehte noch ein bisschen den Kopf hin und her, brabbelte und schlief ein. Sie ist jetzt eben schon ein großes Mädchen. Das ging ganz schön schnell.

Seitdem gehört der Abend wieder mir. Naja, das bisschen, was davon übrig ist. Meist kann ich mich nicht entscheiden, ob ich a) ein wenig aufräumen, b) ein wenig essen, c) ein wenig Beziehungspflege betreiben soll, und entscheide mich für d) ein wenig schlafen.

Ich schaue mir meine friedlich schlummernde Tochter an und muss grinsen. Was habe ich mir vorher den Kopf zerbrochen, damit ich bloß alles richtig mache. Kinder brauchen Rituale, hatte ich gelesen. Was man macht, ist nicht entscheidend. Allen Kuscheltieren gute Nacht sagen, beten, mit den Fingern zaubern, egal. Hauptsache, es kehrt immer wieder.

Ich habe es zuerst mit Singen versucht. Mit der Melodie hatte ich dank eines kleinen dicken Papageis mit Strippe am Bauch keine Probleme. Doch mit dem Text. Einmal aufziehen reichte für acht Strophen La Le Lu. Ich kannte aber nur eine. Das nervte. Nicht die Kleine. Mich. Also lernte ich auch die anderen:

La Le Lu
Nur der Mann im Mond schaut zu,
wenn die kleinen Babys schlafen,
d'rum schlaf' auch du.

La Le Lu
Vor dem Bettchen steh'n zwei Schuh',
und die sind genauso müde,
geh’n jetzt zur Ruh'.

Dann kommt auch der Sandmann,
leis' tritt er ins Haus,
sucht aus seinen Träumen
für Dich den schönsten aus.

La Le Lu
Tausend Sterne schau'n uns zu,
führen uns ins Reich der Träume,
schlafe auch du.

La Le Lu
Schließe deine Äuglein zu,
ja, sie sind bestimmt auch müde,
geh'n jetzt zur Ruh'.

La Le Lu
ich bin müde so wie du,
folge dir ins Reich der Träume,
sing lalelu.

Das nervte auch. Diesmal meinen Mann. Ich hätte halt in der Schwangerschaft Gesangsunterricht nehmen sollen, statt meine Nase ständig in Bücher zu stecken.

Ich lese der Krabbe jetzt abends lieber etwas vor. Das ist entspannter. Ich liebe Bücher. Und sie versteht ja nichts. Wenn doch, kennt sie sich jetzt ziemlich gut mit den Biografien des Malers Carl Larsson und der Autorin Agatha Christie aus.

Im Moment lesen wir die Geschichte von zwei Hasen, die sich gegenseitig erklären, wie lieb sie sich haben. Nämlich bis zum Mond und wieder zurück. Ich flüstere: „Und ich hab Dich bis zum Pluto, einmal um die Venus rum, über die Milchstraße rüber und wieder zurück lieb.“ Aber das hört sie meist nicht mehr, denn sie schläft. Einfach so.

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