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Samstag, 25. Oktober 2008
Ja zum Baby: Total ideell
Ich werde langsam nervös. Ich habe immer noch keinen Kitaplatz! Zu früh, sagen Sie? Die Krabbe sei doch noch gar nicht da, sagen Sie? Aber schauen Sie sich doch mal um. Alles rund, kugelrund. Vor allem die Bäuche. Diese Körper können doch nicht alle von Pizza, Pommes und Printen geformt sein. Da wird fleißig untervermietet! Und wenn diese neuen Welteroberer erst mal ausgezogen sind, wird es eng in den Kindertagesstätten. Denn einen garantierten Platz für unter Dreijährige gibt es erst ab 2013. Da ist meine Krabbe aber schon vier Jahre alt!

Rund ist das neue Lieblingsdesign. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Man trifft sich im Babybedarf statt an der Bar. Ein Grund für Familienministerin Ursula von der Leyen, Medienmacher Frank Schirrmacher, Supermutti Eva Herman und Co., sich auf die Schulter zu klopfen?

Beenden die viel gescholtenen Akademikerinnen massenweise den angeblichen „Gebärstreik“ und kehren reuig an den Herd zurück? Lässt die Aussicht auf die kräftige Finanzspritze vom Staat in Form von Elterngeld und Kindergelderhöhung die Paare fröhlich die Pille aus dem Fenster werfen?

Wohl kaum. Auch wenn das Elterngeld eine feine Sache ist. Denn jetzt hat Papa Rückendeckung vom Staat. Wer sich die zwei Monate am Wickeltisch auf Kosten des Staates nicht gönnt, wird schon fast komisch angeschaut. Zwei Monate sind bei fast jedem Arbeitgeber drin – wenn’s vernünftig organisiert wird. Drücken gilt nicht. Ganz hübsch, die Idee.

Ganz so großzügig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist der Staat dann aber doch nicht. Zwölf Monate gibt es 67 Prozent des durchschnittlichen Nettogehalts der vergangenen zwölf Monate (ohne Weihnachtsgeld, ohne Urlaubsgeld, minus pauschalen monatlichen 75 Euro Werbungskosten). Zwei Monate mehr für Alleinerziehende oder wenn der Partner mitmacht.

Doch das mit den zwölf Monaten stimmt nicht immer. Wenn die Frau vorher berufstätig war – und das ist die Voraussetzung dafür, dass sie mehr als den Mindestsatz von 300 Euro bekommt –, erhält sie nach der Geburt acht Wochen Mutterschaftsgeld von Krankenkasse und Arbeitgeber. Das wird auf die Elterngeldmonate angerechnet. Also zahlt der Staat in diesen Fällen nur zehn Monate den Wickeltischbonus. Steuerfrei. Heißt es.

Dahinter steht allerdings das kleine Wörtchen „aber“. Steuerfrei heißt in diesem Fall, dass die Elterngeldstelle von dem Betrag keine Steuern abzieht. Am Ende des Jahres wird die gezahlte Elterngeldsumme jedoch zum gesamten Einkommen der Familie dazu gerechnet und erhöht damit den Steuersatz. Der wird dann auf das übrige Einkommen – ohne Elterngeld – angewendet. Progressionsvorbehalt nennt man das. Klingt kompliziert. Ist es auch. Im Klartext: Es wird meist eine Steuer-Nachzahlung fällig. Und zwar, je nachdem, wie viel Elterngeld man bekommt, in Höhe von ein bis anderthalb Elterngeld-Monatsbeiträgen.

Egal, wie hoch es ist: Das Elterngeld hilft nur über eine kurze Zeit hinweg. Und danach? Wollen Mama und Papa beide wieder arbeiten, müssen sie nach wie vor flexibel, fantasievoll und finanzkräftig sein. Vom Betriebskindergarten träumen junge Eltern oft vergeblich. Kaum ein Unternehmen hat bisher wirklich etwas getan, damit Väter und Mütter zwischen Beruf und Familie nicht ins Strudeln kommen. Was hilft es da, wenn der Mutterschutz, wie von der EU vorgeschlagen, um vier Wochen verlängert wird?

Trotzdem, es gibt wieder mehr Babys. Warum? Der geburtenstarke Jahrgang der Mittdreißiger ist jetzt einfach bereit für Pampers, Brei und Abenteuer. Diese Erlebnisse sind unbezahlbar. Die Entscheidung für ein Baby ist eben keine intellektuelle oder finanzielle, sondern immer noch eine total ideelle. Wir sehen uns dann in der Kita!

 Kommentare (3)    Trackbacks (0)  

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27.10.2008 11:25 Uhr
Bloggerin Edda kommentiert
Herzliche Glückwünsche zur Hochzeit, Ihnen, liebe Mirja Ibsen und Ihrem Angetrauten Christian Bayerl, der übrigens auf dem Foto genau so sympathisch aussieht wie Sie.

Liebe Grüße
Bloggerin Edda

27.10.2008 20:34 Uhr
Frank Berger kommentiert
Hallo Mirja,

vielen Dank für die detaillierte Aufstellung. Die ist längst überfällig! Wir sind gerade in eben diese Falle getappt - nach Jahren der "großzügigen" Steuerrückzahlung ist in diesem Jahr erstmals eine Nachzahlung fällig. Davon wird einem in den blumigen Ausführungen und den Berechnungsbeispielen der Frau Ministerin nichts erzählt.

Aber wie gesagt: Leben mit der Krabbe ist unbezahlbar! Ich war gerade mit unserer in der Wanne - herrlich!

Viele Grüße
der Frank

01.11.2008 09:44 Uhr
Bloggerin Edda kommentiert
Hallo liebe Mirja Ibsen.

Den glücklichen Eltern und der kleinen Krabbe wünsche ich eine wunderbare gemeinsame Zukunft.

Ich freue mich schon riesig - ebenso wie die anderen zahlreichen begeisterten Leser Ihrer Kugelbauch-Kolume - auf die Geschichten über Henrike.

Liebe Grüße
Bloggerin Edda

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