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Montag, 27. Oktober 2008
Selbsterkenntnis
Der Journalist soll kritisch sein. Leichter gesagt, als getan. Vor allem für eine begeisterungsfähige Person wie mich.
Grundsätzlich stehe ich meinem Gesprächspartner nämlich mit einer positiven Naivität gegenüber. Ungeachtet der Tatsache, dass es vielleicht ein Wichtigtuer, Aufschneider oder Hochstapler sein kann. Für mich klingt die Idee zu einem neuen Theaterstück, dem Tag der offenen Tür oder der Umgehungsstraße im ersten Moment einfach immer einleuchtend.
Ok, es ist also meine Aufgabe, das Gesagte, zu hinterfragen. Weil ich das weiß, zügele ich meine Begeisterung deshalb auch immer.
Erschwerend hinzu kommt allerdings noch, dass ich so ein höflicher Mensch bin. Grundsätzlich wünsche ich am Ende eines jeden Gespräches meinem Gegenüber viel Erfolg. (Und das sogar von Herzen.) Zuletzt aufgefallen, dass es so nicht weitergehen kann, ist mir das am vergangenen Freitag. Da habe ich zuerst mit dem Verdi-Vertreter über den Warnstreik und anschließend mit dem Geschäftsführer der betroffenen Firma über die Tarifverhandlungen gesprochen. Und beide Telefonate endeten auf Sarah-Manier mit: „Viel Erfolg!" Ne, meine Liebe, das ist nicht kritisch!
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