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Mittwoch, 6. Juni 2007
Neues aus Rostock
Die Gute Nachricht Des TagesÔäó beginnt mit einer schlechten Nachricht.

Einer falschen Nachricht n├Ąmlich, die leider volle drei Tage lang in zahlreichen deutschen und internationalen Medien verbreitet wurde. Vor den Krawallen von Rostock am vergangenen Samstag habe ein Redner die militante Menge zu Gewaltt├Ątigkeiten aufgeputscht: "Wir m├╝ssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts."

So meldete es die Nachrichtenagentur dpa am Samstag, 2. Juni, um 18.41 Uhr. Spiegel Online ├╝bernahm es, Bild.T-Online ├╝bernahm es, die B.Z. ├╝bernahm es, Stuttgarter Nachrichten, Schweizer Zeitungen, WAZ, K├Âlnische Rundschau - alle berichteten in den folgenden drei Tagen, ├╝berall stand der Satz. Am Sonntag bezog sich auch der Sprecher der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern auf den Satz, als er in einer Presseerkl├Ąrung die "etablierten Parteien" f├╝r den "entfesselten linken Mob" verantwortlich machte.

Dumm nur: Die Meldung war falsch.

Der Redner war Walden Bello, philippinischer Soziologieprofessor und Tr├Ąger des alternativen Nobelpreises. Ihm lag es fern, Demonstranten zu Gewaltt├Ątigkeiten anzustacheln. In Wahrheit hatte er dazu aufgerufen, den Irak-Krieg nicht als Thema der Globalisierungsproteste auszuklammern.

"Two years ago they said: Do not bring the war into the discussions. Just focus on poverty reduction. Well, we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice."


Frei ├╝bersetzt: "Vor zwei Jahren sagten sie: Bringt den Krieg nicht in die Diskussionen hinein. Konzentriert euch auf Armutsbek├Ąmpfung. Nun, wir sagen: Wir m├╝ssen den Krieg genau in dieses Treffen hineinbringen. Denn ohne Frieden kann es keine Gerechtigkeit geben."

Fehler passieren. Jedem. Erst recht Journalisten. Anl├Ąsslich der Bello-Meldung beschreibt die Journalistin Christiane Link in ihrem lesenswerten Blog "Behindertenparkplatz" den enormen Zeitdruck eines Korrespondenten. Sie selbst hatte, als sie f├╝r die dpa t├Ątig war, die Agenturgl├Ąubigkeit von Medien nur allzu oft erlebt. Etwa wenn sie auf einer v├Âllig unverst├Ąndlichen Pressekonferenz Kollegen fragte, ob sie den Redner verstanden h├Ątten? Nein, da w├╝rde man einfach auf die dpa-Meldung warten. Link: "dpa war in dem Fall aber ich".

Doch die Geschichte der Bello-Falschmeldung hat noch einen zweiten Teil: Schon kurz nach Erscheinen der Nachricht am Samstag berichtete der Blogger Spiegelfechter von dem Fehler. W├Ąhrend die Medien noch die falsche Fassung verbreiteten, begann im Web bereits die Wahrheit zu kursieren.

Und w├Ąhrend die dpa dann zun├Ąchst den deutschen ├ťbersetzer der Rede f├╝r den Fehler verantwortlich machte, verbreitete sich der Link auf einen Video-Mitschnitt des Senders Phoenix bei MyVideo immer weiter.

Schlie├člich kippt die Berichterstattung. Am Dienstag, volle drei Tage nach dem Ereignis, korrigierte sich auch die dpa, stellte die Fakten richtig und entschuldigte sich bei Walden Bello. Mehr noch: Mehrere Medien taten es nach, korrigierten ihre Artikel im Internet und erl├Ąuterten die Hintergr├╝nde.

Ob das ohne den Gegendruck aus der Bloggerszene passiert w├Ąre?

Bleibt festzuhalten: Noch nie haben Medien so schnell Widerspruch erlebt wie in Zeiten des Web 2.0. Heute kann praktisch jeder Mensch (dank der benutzerfreundlichen Blog-Technologie auch ohne gro├če technische Vorkenntnisse) seine Sicht der Dinge einem weltweiten Publikum zug├Ąnglich machen. Auch wenn wir Journalisten uns k├╝nftig darauf einstellen m├╝ssen, dass unsere Fehler nicht mehr unbekannt, unkommentiert und und unwidersprochen bleiben, ist das eine gute Nachricht.

Die Geschichte der Bello-Meldung hat ├╝brigens in bewundernswerter Detailarbeit (wieder mal) Medienjournalist Stefan Niggemeier aufgearbeitet.

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Kurs S├╝dwest: Angelockt von Printenduft und dem Ruf belgischen Kirschbieres, verirrte sich ein nordischer Fischkopf in die Kaiserstadt Aachen. Wie aus fl├╝chtiger Aff├Ąre wahre Liebe wurde, beschreibt er in diesem Blog.

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Wahl-Aachener aus Leidenschaft. Noch mehr Leiden schafft allerdings des geb├╝rtigen Oldenburgers verh├Ąngnisvolle Schw├Ąche f├╝r m├╝rbes Altmetall auf R├Ądern.

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