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Es gibt Montage, die meinen es nicht gut mit verlobten Kugelbäuchen. Der vergangene Montag war so einer. Es begann mit einem Besuch beim Frauenarzt und der Erkenntnis: Das Tanzverbot hat nicht gereicht.
Stressiger Job, Polter-Party, weiches Bindegewebe: alles nicht schlimm, wenn man schwanger ist. Nur zusammen kann es einen ungünstigen Cocktail ergeben. Ergebnis: Mein Gebärmutterhals hat sich innerhalb von fünf Tagen weiter verkürzt, der Muttermund ist weich.
Verkürzter Gebärmutterhals? Mein Arzt hat mir das so erklärt. "Das ist wie bei einem Luftballon: Wenn er ganz straff aufgeblasen ist, dann ist nur noch wenig unten übrig, um ihn festzuhalten." Aha, der Strip wird kürzer und irgendwann pfeift die ganze Luft raus.
Das allein wäre noch nicht so schlimm, wenn das CTG (Cardiotokogramm) nicht lustige Wellen gemalt hätte, wo keine sein sollten – bei den Wehen. „Wo wollten Sie entbinden?“, fragt mich mein Arzt. „Ähm, eigentlich noch gar nicht“, stottere ich. „Viel zu früh!“, schreit es in mir. Meine kleine Krabbe ist doch noch gar nicht fertig! In der 29. Woche ist sie zwar theoretisch überlebensfähig. Aber sie hat sich doch noch gar keinen Speck angefuttert, die Lungen sind noch nicht so weit - und vor allem ich bin noch nicht so weit. Kreissaalbesichtigung, Geburtsvorbereitungskurs, Kinderwagenkauf stehen natürlich auf dem Programm. Zu erledigen – nach der Hochzeit! Und die ist für Samstag geplant. Blass werden hilft nicht. Also, was tun? „Gehen Sie nicht nach Hause, fahren Sie gleich ins Krankenhaus“, sagt mein Arzt. Mein Freund fährt vor Schreck erst einmal in die falsche Richtung. Jetzt brauchen wir ein Krankenhaus mit Kinderklinik.
Der Plan: Babys Lungen ein kleines Doping verpassen, damit sie für den Ernstfall fit sind, und die Wehen stoppen. „Vielleicht schaffen wir das bis Freitag“, heißt die Losung. Hebammen, Ärzte, Krankenschwestern, alle zuckersüß. Für die Lungenreife bekommt nicht etwa die Krabbe, sondern der Kugelbauch zwei Spritzen, und zwar „intrapopolär“ (also in den Muskel). Es brennt etwas, geht aber schnell vorbei. Kleine Nebenwirkung: Mama bekommt eine sehr gesunde Gesichtsfarbe. Ich leuchte jetzt auch nachts. Gegen die Wehen gibt’s einen Tropf mit hochdosiertem Magnesium. Das macht müde. Passt aber ganz hübsch, schließlich soll ich Zappeltriene mal ein paar Gänge runterschalten. Und das Bett sieht ganz gemütlich aus. Gähn.
Dienstag. Das CTG tanzt immer noch Charlston. So klappt das nicht bis Freitag. Wehen sind ab der 20. Schwangerschaftswoche ganz normal, beruhigen mich die Hebammen. Schließlich muss die Gebärmutter üben. Normalerweise spürt man sie aber nicht. Normalerweise machen sie den Muttermund auch noch nicht weich. Aber die Krankenschwestern bereiten noch kein Frühchenbett für meine Krabbe vor. Das beruhigt. Und ich bin kein Einzelfall. Es gibt sogar viele Frauen, die Vorwehen haben und danach ihr Kind bis über den errechneten Termin ausgetragen haben. Apropos Termin. Ich hätte da einen am Samstag.
Mittwoch. Was Magnesium nicht kann, soll eine kleine Pille schaffen, der Wehenhemmer Partusisten. Zu allererst hemmt er allerdings den Appetit. Mir ist schlecht. Aber den Suppenlöffel kann ich sowieso nicht richtig halten. Das Mittelchen macht zittrig. Mein Puls steigt. Toll. Meine Unterschrift unter dem Hochzeitsdokument sollte eigentlich vor Rührung zittern. Beta-Blocker könnten die Nebenwirkungen dämpfen. Noch mehr Drogen? Nein. Nicht mit meiner Untermieterin im Bauch. Jawohl, Untermieterin. Es gibt nämlich auch Vorteile eines solchen Krankenhausaufenthalts: Zimmerservice, drei ausgewogene Mahlzeiten am Tag und einen Extra-Ultraschall. Diesmal hat die Krabbe sich nicht verkrümelt. Sie ist ein Mädchen!
Donnerstag. Übelkeit, Zittern ein wenig besser, Wehen weniger. Alle vier Stunden eine Tablette.
Freitag. Zustand stabil. Meine süße Schnecke hat gelernt, was ein Schluckauf ist, kickt beim CTG gezielt gegen den Schallknopf und kann jetzt gleichzeitig in meinen Beckenboden treten und in den Rippenbogen boxen. Hurra! Sonntag kann ich nach Hause.
Die Hochzeit? Verschoben. Unser Baby ist uns viel wichtiger.
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