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Kugelbäuche sind nicht nur hübsch anzusehen, sie sind auch eine Art Kristallkugel für Sternengucker. Entdeckt ein Exemplar dieser Spezies die Trägerin eines T-Shirts mit der Aufschrift „Neun Monate alles inklusive", wird sein Grinsen ganz, ganz breit. Gleich kann es diese ganz besondere Frage stellen.
Ein Hochgenuss für den Sternengucker, schließlich stehen die Chancen 50 zu 50. „Was wird es denn?". „Hoffentlich ein Baby, hoffentlich gesund, hoffentlich kein Bankräuber", gelten als Antwort nicht. Nein. Rosa oder hellblau, das ist hier die Frage.
Ich finde ja grün schön, schön neutral, möchte ich in solchen Augenblicken sagen. Aber Grünes gibt es wirklich selten in der Windelpuperabteilung. Auch die Wäscheindustrie scheint am liebsten in Schubladen zu denken. Simone de Beauvoirs Weisheit „Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht" (das Gleiche gilt ja wohl für die kleinen Kerlchen), ist nicht bis zum Feinstrick vorgedrungen. Doch das sage ich nicht, das denke ich.
Denn eine philosophische Betrachtung der frühkindlichen Geschlechterfixierung ist auch keine Antwort.
Also zucke ich mit den Schultern - und sage die Wahrheit: „Keine Ahnung." Und das ist für den Sternengucker noch viel schöner als eine eindeutige Antwort. Denn jetzt kann er wunderbar mutmaßen. Sein Handwerkszeug: Mythen, ein scharfes Auge und „Dinge, von denen die Schwester eines Onkels dritten Grades väterlicherseits mal gehört hat". Nicht alle diese Halbwahrheiten sind so abstrus wie das Märchen, dass eine Schwangere die Beine nicht übereinanderschlagen soll, weil dem Baby sonst die Luft wegbleibt oder dass das Kind schöne blaue Augen bekommt, wenn Mama viele blaue Trauben isst. Oder, dass sich der Untermieter die Nabelschnur um den Hals wickelt, wenn sich seine Vermieterin zu doll streckt. Forscher haben herausgefunden, dass auch viel Wahrheit im Volksglauben steckt. „Jedes Kind kostet einen Zahn", hieß es früher. Und das stimmt – wenn die Mama in der Ausbildung nicht genug zusätzliches Kalzium durch Milch, Käse oder Joghurt zu sich nimmt, dann klaut sich der Knirps es einfach.
Es ist auch richtig, dass Frauen, die ein Mädchen erwarten, öfter und stärker übel ist als Müttern, die einen Jungen bekommen. Das liegt an einer höheren Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG im Blut der Mama.
Außerdem soll nach überliefertem Wissen ein Mädchen seiner Mutter die Schönheit klauen. Stimmt. Die Haut wird schlechter und das Haar fettig. Mehr weibliche Hormone im Blut, lautet das Urteil der Wissenschaftler. Doch sie sagen auch, dass jede Schwangerschaft anders ist. Es gibt alleine in meinem Freundeskreis jede Menge Mütter, denen es die ganze Schwangerschaft über herrlich ging, die Pfirsichhaut hatten und trotzdem ein Mädchen bekommen haben.
Der Sternengucker gibt nicht auf, schließlich ist es zu schön, hinterher sagen zu können: „Ich hab es gleich gesehen." Er hat noch ein Mittel, um das Geschlecht vorauszusagen: die optische Vermessung des Kugelbauches. Ist er spitz, wird es ein Junge, ist er rund, ein Mädchen.
Bei mir ist die Faktenlage also klar. Zwei zu eins. Keine Übelkeit, Pickel, spitzer Bauch: Ich bekomme einen Jungen! Oder hat etwa doch mein Arzt Recht? Der konnte beim Ultraschall bisher nicht den kleinsten Zipfel Männlichkeit entdecken. Die Krabbe lag „etwas unorthodox". Mein Arzt hat eher einen „Verdacht auf Mädchen". Tja, dann steht es ja wieder 50 zu 50. Mir ist das schnurzpiepegal. Hauptsache, ein Baby, Hauptsache, gesund, Hauptsache, kein Bankräuber. Und es gibt auch ganz reizende Strampler in Beige.
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