Krisengebiet Philippinen: Mitarbeiter von Misereor kehren zurück

Von: mku
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Aachen. Erkennbar mitgenommen kehrten am Freitag zwei Misereor-Mitarbeiter aus dem Krisengebiet der Philippinen ins Aachener Mutterhaus zurück. „Wir waren Stunde um Stunde mit dem Auto unterwegs und haben nur Zerstörung gesehen“, berichteten Brigitte Mandelarz und Elmar Noé, die Länderreferenten des bischöflichen Hilfswerkes.

„Das ganze Ausmaß ist viel größer, als man sich das vorstellen kann“, so ihr Eindruck vor allem von der Südküste der Insel Samar in Richtung Tacloban: „Dort ist kein Dorf verschont geblieben.“ Besonders bitter auch die Situation der Opfer auf den vorgelagerten Inseln Homonhon und Manicani: „Dort hat es 14 Tage gedauert, bis erste Hilfe ankam, die Boote waren zerstört, die See rau“, so die beiden Heimkehrer.

Misereor unterstützt seit vielen Jahren auf den Philippinen 150 Partnerorganisationen. „Wir sind daher in der Lage, die Zivilgesellschaft einzubinden. Das ist gerade bei großen Katastrophen wichtig“, sagt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des Werkes. Millionen Menschen seien langfristig auf Hilfe angewiesen: „Arme Familien können keine Reserven zurücklegen, nach dem Taifun stehen sie buchstäblich vor dem Nichts.“ Das Aachener Hilfswerk leistete 300.000 Euro Soforthilfe. In erster Linie für Lebensmittel.

Neben der medizinischen Versorgung sei auch die psycho-soziale Betreuung „von ganz großer Bedeutung“, sagt Brigitte Mandelarz. „Die Angst ist riesig groß. Sie steckt den Menschen in den Knochen.“ Selbst den sonst immer strahlenden Filipinos sei „das Lächeln in diesen Tagen vergangen“. Das Land im Katastrophengebiet habe nur noch eine Farbe - „braun“. Das Grün der umgeknickten oder entwurzelten Palmen, der weiße Sand an den Traumstränden – alles braun.

„Vielen Menschen fehlt es noch an jeglicher Lebensgrundlage“, so Noé. Es mangele an allem, an Lebensmitteln, Strom, Hygieneartikeln, der Flughafen sei zu weiten Teilen zerstört - „und dann gibt es auch noch kein Handynetz“. Oft stockte Mandelarz und Noé der Atem, wenn sie vor Ort Berichte der Überlebenden hörten. Etwa von jener Dramatik in einem stabil gebauten, dreigeschossigen Bürohaus in Tacloban.

„Wir hatten uns alle ins Erdgeschoss gekauert und fühlten uns dort sicher vor dem Orkan“, berichtete eine Frau. Dann aber sei die Sturmflut gekommen, „mit der wir nicht gerechnet hatten“. Das Wasser schoss immer höher, sie flohen in den ersten Stock, in den zweiten, schließlich aufs Dach: „Die Fluten waren bis zu fünf Meter hoch, die meisten Todesopfer von Tacloban sind ertrunken“, so die Einschätzung der Misereor-Beauftragten. Für das Hilfswerk sind die Folgen des Klimawandels seit langem ein Kerngebiet des Handelns. Die jetzt erforderliche Hilfe sei auch sehr unterschiedlich: „Ein Bauer auf Samar benötigt andere Güter als ein Fischer auf Panay“, so Brigitte Mandelarz. Beim Wiederaufbau habe für Misereor angepasstes Saatgut, Bau stabilerer Häuser und die Wiederaufforstung von Mangrovenwäldern Priorität.

Auch mit Blick auf „Haiyan“ kritisierte Pirmin Spiegel die Vorlage der großen Koalition, die Klimaschutz „mit keinem Wort und keiner Fragestellung“ bedacht habe: „Davon bin ich etwas enttäuscht.“

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