„Kinder auf der Flucht“: Mehr als 400.000 Euro gespendet

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
14161292.jpg
Kinder auf der Flucht. Hunderttausende leben in Lagernrund um die umkämpfte Stadt Mossul. Foto: dpa

Aachen/Mossul. Die Endphase der Kämpfe um den Westteil der letzten IS-Hochburg Mossul scheint begonnen zu haben. Im Juni 2014 hatten die islamistischen Terroristen die einst stolze Handelsmetropole im Handstreich eingenommen. Zehntausende Menschen sind angesichts der derzeitigen Rückeroberung durch die irakische Armee auf der Flucht. Sie retten sich in Lager, die zehn bis 50 Kilometer von der Stadt entfernt liegen.

Dort stoßen sie auf weitere 1,2 Millionen Flüchtlinge, die sich bereits in den Vorjahren ins nordirakische Kurdistan abgesetzt haben. Jeder zweite Geflüchtete ist ein Kind. So erhält unsere noch bis Sommer andauernde Unicef-Kampagne „Kinder auf der Flucht – Wir helfen vor Ort“ neue Dringlichkeit. Bislang spendeten unsere Leserinnen und Leser schon stolze 420.000 Euro!

„Ich traf Mütter und Kinder, die so erleichtert waren, lebend aus Mossul heraus gekommen zu sein. Mir war sofort klar, dass sie viel erleiden mussten“, sagt Peminille Ironside, die den Unicef-Einsatz in der Region leitet. Die Erwachsenen seien „verzweifelt“, die vielfach mangelernährten Kinder „verängstigt“.

Und noch sind die Kämpfe in Mossul nicht beendet. Es gibt überall Sprengstofffallen. Angriffe über Tunnelsysteme und Selbstmordattentate halten an. Ironsides Kollegin Lise Grande bangt um die Zivilbevölkerung, die in der Kriegsstadt ausharrt. „Wir haben Angst um ihr Leben und können nur hoffen, dass jetzt alles getan wird, um Hunderttausende Menschen auf der anderen Seite des Flusses Tigris im Westen zu schützen“, so die UN-Koordinatorin der humanitären Hilfe im Irak.

Unsere Zeitung war im Oktober 2016 vor Ort, als die Angriffe der irakischen Armee und kurdischen Peschmerga auf die Vororte von Mossul begannen. Wir hatten Einblick in das Unicef-Programm und sprachen mit vielen Opfern, die von Gräueltaten des IS berichteten. An den Zuständen rund um Mossul hat sich nichts geändert. Neu sind dagegen Meldungen, wonach auch Regierungstruppen in den eroberten Gebieten Menschenrechtsverletzungen begehen und mutwillig Häuser zerstören.

Vielfach geschieht dies, wenn schiitische „Befreier“ auf Sunniten treffen. Aus anderen Orten in der Umgebung von Mossul berichten zurückgekehrte Flüchtlinge von Plünderungen durch Armee, Polizei oder regierungsnahe Milizen.

Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, versorgt die Flüchtlingskinder in den Camps mit dem Nötigsten – es unterstützt die Wasserversorgung, die Reparatur sanitärer Einrichtungen, beschafft Spezialnahrung für Zehntausende mangelernährte Kinder und Medikamente.

Auch positive Nachrichten motivieren die Helfer. Immerhin konnten 30 Schulen wieder den Betrieb aufnehmen. 16.000 Schülerinnen und Schüler im vom IS befreiten Ost-Mossul gehen mit Unterstützung von Unicef wieder zum Unterricht. „Nach dem Alptraum der vergangenen zwei Jahre ist es ein Schlüsselmoment für die Kinder von Mossul, dass sie ihre Schulbildung wieder aufnehmen und Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurück gewinnen können“, sagt Peter Hawkins, Leiter von Unicef im Irak.

Neue Schulen machen auf

40 weitere Schulen sollen in den kommenden Wochen ihre Tore für rund 40.000 Kinder öffnen. Unicef stellt Lehrmaterial für insgesamt 120.000 Kinder in Ost-Mossul bereit und hilft auch bei der Schulung von Lehrern. Letzteres ist insbesondere für die Kinder in den Flüchtlingscamps von existenzieller Bedeutung.

Dort richtete Unicef Notschulen ein, die gewährleisten, dass auch die vor kurzem vertriebenen Mädchen und Jungen Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Arabisch und Englisch erhalten. Sofort nach ihrer Ankunft wird den Familien sauberes Trinkwasser und Snacks mit nährstoffreicher Zusatznahrung ausgehändigt. Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren werden von einem von Unicef unterstützten Impfteam sofort gegen Polio und Masern geimpft. Für viele ist es die erste Impfung seit Jahren. Vorsorglich hat Unicef weitere Hygieneartikel, Latrinen, mobile Duschen und Materialien für Wasserversorgung in die Region gebracht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert