Old Fangak - Dringend benötigte Hilfe kommt auch in den Sumpfgebieten an

Dringend benötigte Hilfe kommt auch in den Sumpfgebieten an

Von: mku
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Die Hilfslieferungen von Unicef werden mit Hubschraubern zu den Menschen gebracht.
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Autor Manfred Kutsch (rechts) ist im Versorgungshubschrauber mitgeflogen.
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Zum weiteren Transport nutzen die Menschen Boote.

Old Fangak. Wie eine Schlange zieht sich der Weiße Nil durchs Land bis in den Norden hinein, mitten in den Sudd, einem Sumpfgebiet von der Größe Belgiens. Für knapp 50.000 Vertriebene der Region Old Fangak ein letzter Zufluchtsort. Hier sind sie sicher – aber ohne Hilfe nicht überlebensfähig.

„Diese Gegenden erreichen wir nur mit Schiffen über den Weißen Nil oder aus der Luft“, sagt der dort geborene Unicef-Mitarbeiter Joseph Lim Banban.

Wir begleiten einen Transport von 2000 Moskitonetzen und dutzenden Kisten mit Medikamenten und Zusatznahrung im Hubschrauber, überfliegen die Wassermassen des Weißen Nils und schier endlose grüne Teppiche aus Savannen, Sümpfen und tropischem Baumbestand. Immer wieder zwischendurch sehen wir Dörfer und Siedlungen ohne Außenanbindung.

Dreieinhalb Stunden brauchen die Piloten ins entlegene Niemandsland Old Fangak, wo uns aus allen Richtungen Menschen mit freudigen Gesichtern entgegenlaufen. „Ihr habt 60 Minuten Zeit, nicht mehr“, macht der Pilot eine offizielle Ansage. „Wir müssen um 17 Uhr zurück in Juba sein. Es ist Unwetter angesagt.“

Preis für Sicherheit ist hoch

Dutzende Männer und Frauen entladen den Helikopter, schultern die Pakete, tragen sie rund 300 Meter zum Ufer des Weißen Nils und hieven sie auf drei bereit stehende kleine Motorboote. Auf geht‘s zur Gesundheitsstation des nächsten Dorfes, rund drei Kilometer den Fluss hinunter. Dankend trägt jeder eine Rettungsweste, wenngleich die vor Attacken der hier sehr präsenten Krokodile kaum schützen dürften.

Bei der Ankunft begrüßt uns Kuol Gai Nyoap, Gouverneur dieser Region, die sich in Oppositionshand befindet: „Willkommen in einem sicheren Himmel, sicher vor den Regierungstruppen, die uns aus unseren Häusern vertrieben haben.“

Er berichtet, wie Old Fangak von 20.000 auf genau 45.888 registrierte Flüchtlinge gewachsen sei. Und er berichtet auch vom Preis der Sicherheit: „Wir haben keine gesicherte Ernährung oder gesundheitliche Grundversorgung.“ Seit Jahrhunderten kämpfe man in den Sumpfgebieten mit tropischen Erkrankungen, die man unter diesen Umständen nicht in den Griff bekomme: „Vor allem die Kinder sind dem oft schutzlos ausgeliefert. Wir haben aus eigener Kraft weder die Möglichkeit zur Vorbeugung noch zur Therapie.“

Bitterarme, unversorgte Menschen, ein ärmliches Dorf, das in ein Meer aus provisorischen Behausungen übergeht. Joseph erzählt, wie die Menschen von Old Fangak im Sommer bei niedrigem Wasserstand mit Speeren fischen, ja manche sogar Seerosen essen. Seine Mutter lebt immer noch hier: „Schon als Kinder hatten wir keine Hoffnung, dass so etwas wie Entwicklung stattfindet. Seit dem Krieg sind die Menschen hier endgültig auf sich allein gestellt.“ Zumal die Region im Sommer auch noch eine Dürre erlitten habe.

Zu Gesprächen mit der Bevölkerung ist kaum Zeit, die Piloten warten. Viele Hände helfen uns in die Boote, schütteln die unseren und winken bei der Abfahrt. Strahlende Gesichter zum Abschied aus diesem abenteuerlichen Provisorium. Eines erscheint uns gewiss: Wir werden uns nicht wiedersehen – aber auch nicht vergessen.

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