Juba - Die zweieinhalbjährige Maria hat es geschafft

Die zweieinhalbjährige Maria hat es geschafft

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
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Als die kleine Maria von ihrer Mutter ins Krankenhaus gebracht wurde, wog sie weniger als sechs Kilo. Sie war völlig entkräftet, konnte ihre Augen kaum aufhalten. 1,1 Millionen Kinder gelten im Südsudan als akut mangelernährt. Foto: Silke Fock-Kutsch
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Mithilfe der kalorienreichen Zusatznahrung Plumpynut, einer Erdnusspaste, konnte sie aufgepäppelt werden. Mittlerweile sitzt und steht sie wieder aus eigener Kraft. Foto: Silke Fock-Kutsch

Juba. Ja, sie lebt, was für eine wunderschöne Nachricht! 600 Gramm hat die zweieinhalbjährige Maria in den acht Tagen zugenommen, die wir sie nicht gesehen haben. Ihre Arme, ihre Beine, immer noch gleichen sie großen Streichhölzern. Das schwer mangelernährte Mädchen wiegt jetzt aktuell 6,2 Kilo.

Das liegt zwar vom Normalgewicht von etwa zwölf Kilo um knapp die Hälfte noch entfernt: „Aber Maria ist nicht mehr in Lebensgefahr“, freut sich Dr. Julius Opio. Der 26-Jährige ist Arzt im Al Shabaah Hospital von Juba, der einzigen Kinderklinik des Südsudan, einem Land, das zweimal größer ist als Deutschland.

1,1 Millionen Kinder gelten im Südsudan als akut mangelernährt, ein Drittel davon lebensgefährlich schwer. Maria ist eines von ihnen. Wir erinnern uns an die Situation vor über einer Woche. Wir erlebten die Kleine im Stabilisation Center des Krankenhauses kurz nach ihrer Ankunft mit ihrer Mutter Augustina.

In letzter Minute

In fast letzter Minute hatte es die 20-Jährige mit der Tochter in die Obhut der von Unicef unterstützten Klinik geschafft: „Sie hatte nichts mehr zu sich genommen, nur gehustet, war völlig entkräftet. Da habe ich sie dann angezogen und mich aufgemacht“, berichtet die junge Frau, die aus ihrem Dorf zu Fuß und mit dem Bus einen ganzen Tag brauchte, um die Hauptstadt Juba zu erreichen.

Intuitiv hatte Augustina ihr Kind engelhaft in Weiß angezogen, inklusive Häubchen. Festlich gekleidet für den drohenden Tod. Sie war völlig dehydriert, ihre Augen wirkten leer. Über Infusion erhielt sie Elektrolyte, dann versuchten es Arzt und Mutter Tropfen für Tropfen mit therapeutischer Milch, die der ausgemergelte Körper zunächst nur widerwillig annahm.

Zwei, drei Tage blieb die Lage kritisch, „dann konnten wir ihr Erdnusspaste geben, und es ging nach und nach bergauf“, berichtet Dr. Opio vom Einsatz der kalorienreichen Zusatznahrung Plumpynut. Die Paste trug weltweit maßgeblich dazu bei, dass die Kindersterblichkeit in den letzten 20 Jahren um 40 Prozent gesenkt werden konnte.

„Es ist ein Wunder“

Skeptisch fixiert Maria für einen Moment den Fotoapparat, sie mag ihn nicht. Aber ihre Augen wirken nicht mehr leer, der Blick nicht mehr gebrochen, ihr zarter Körper hat wieder Spannung. Wir hocken draußen im Freigelände des Hospitals unter einem Mangobaum, während sich die Kleine – aus eigener Kraft sitzend – selber die letzten Reste der leckeren, süßen Paste in den Mund schiebt. „Ich bin so glücklich, es ist ein Wunder“, sagt Mutter Augustina. Sie ist Maria keine Sekunde von der Seite gewichen.

13 Kinder haben es in den letzten Wochen hier im Al Shabaah-Hospital trotz vielfältiger Hilfen nicht geschafft. Vergleichsweise wenige. „Denn von den meisten Todesopfern erfahren wir nichts, weil sie nicht angemessen behandelt werden, zu Hause sterben und nicht erfasst werden“, sagt Unicef-Mitarbeiterin Angela Griep.

Unser Blick fällt auf Maria. Sie wackelt in sich versunken, aber erkennbar zufrieden, mit den Ärmchen als würde sie es neu lernen. Sie trägt das engelhafte Weiß immer noch, jetzt als Festkleid des Überlebens.

Die Rettung ermöglicht hat ihr ein Spendeneinsatz von lediglich 30 Euro.

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